Der Marktplatz und seine Eigenheiten
Um zu verstehen, was der Gedanke hinter der Markenregistrierung bei Amazon ist, muss man sich den Marktplatz und seinen Aufbau einmal genauer anschauen.
Produkte werden hier unter der ASIN gelistet, der Amazon Standard Identification Number. Auf vielen anderen Marktplätzen erstellt ein Händler das Angebot seines Produkts, samt Artikeldetails, Beschreibung und so weiter. Auf Amazon gibt es für ein Produkt auch nur ein Listing – jedes einzelne Produkt hat eine ASIN. Wird es von mehreren Händlern verkauft, dann hängen sich diese an die ASIN an. Sie erstellen also kein eigenes „Angebot“, sondern werden dann einfach als Verkäufer des Produkts angezeigt. Dies kann man sich vorstellen, als würde ein Käufer auf den Markt gehen, dort einen Stand für „Kartoffeln“ sehen, hinter dem dann sämtliche Händler stehen, die jenes Produkt Kartoffel anbieten. Der Käufer sucht sich dann nur noch den Händler aus.
Beispiel: Kartoffeln und Süßkartoffeln auf dem Markt
Mit diesem Modell ergeben sich aber Schwierigkeiten: Angenommen, der Kunde kauft am Stand nun ein. Ungünstiger Weise geschieht das bei einem Händler, der eigentlich Süßkartoffeln verkaufen will, und sich fälschlich am Stand für Kartoffeln einquartiert hat.
Oder ein bisschen spezieller: Aus irgendeinem Grund hat der Süßkartoffelhändler die Erlaubnis, die Beschriftung des Stands zu ändern. Als er sich dem Angebot gewahr wird, ändert er also den Stand von „Kartoffeln“ zu „Süßkartoffeln“. Nun verkauft ein anderer Händler an diesem Stand weiterhin seine Kartoffeln, von der Änderung hat er nichts mitbekommen. Die Kunden freuen sich zuhause über die falsche Ware nicht, und er hat ein Problem.
So ungefähr ist auch die Lage auf Amazon: Hängt man sich einem Angebot an, dann muss man sichergehen, dass es auch wirklich zu 100 Prozent dem eigenen entspricht, und bei der eigenen Ware nicht etwa ein Zubehörteil fehlt, dass laut Angebot aber im Lieferumfang ist. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Angebote vom Betreiber des Marktplatzes oder von anderen Händlern spontan und ohne Hinweis geändert werden. Dann passt das Angebot nicht mehr zur verkauften Ware, oder schlimmer noch: Es findet sich nun ein Fehler darin, der abmahnfähig ist. Da sich die Händler an das Angebot angehängt haben, müssen auch sie unter Umständen die Verantwortung dafür tragen.
Eins kommt zum andern: Vorteile der Amazon Markenregistrierung
Was hat das nun mit der Markenregistrierung zu tun? Die kann vor solchen und anderen Situationen schützen: So können andere Anbieter damit nämlich beispielsweise von der Produktdetailseite ausgeschlossen werden. So fuscht im Idealfall niemand in der eigenen Produktbeschreibung rum, oder nutzt das gute Ranking aus. Die Funktion einer Marke wird mit der Registrierung bei Amazon quasi auf den Marktplatz gehoben.
Wenn die Markenregistrierung aber nur ein Zusatz ist, stellt sich natürlich die Frage, ob es diesen braucht. Also werfen wir einen genaueren Blick auf das Angebot. Amazon sagt dazu Folgendes:
- Mehr Kontrolle über Amazon-Produktseiten, auf denen der eigene Markenname verwendet wird, was die Anzeige korrekter Informationen für Kunden wahrscheinlicher macht
- Nutzung spezieller Tools zur besseren Repräsentation und einfacherer Meldung von Verstößen
- Nutzung der bei der Markenregistrierung zur Verfügung gestellten Informationen zum vorbeugenden Schutz der Marke durch Amazon – je mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden würden, umso besser sei der Schutz
- Eigenes Supportteam, 24/7 erreichbar
Zusätzlich zur Markenanmeldung – Lohnt sich das?
Die Vorteile, die Amazon aufzählt, bringen wohl besonders einen Aspekt mit sich: Komfort. den Schutz einer Marke selbst erreichen Händler nur im Wege des gesetzlichen Markenschutzes. Amazon gibt dabei aber einige Gimmicks an die Hand, die eben ganz spezifisch auf diesem Marktplatz das Handeln etwas einfacher machen. So gesehen, ein 1. Klasse-Ticket für Markeninhaber. Ob dieses nun benötigt wird oder nicht, das muss jeder Händler dann für sich selbst entscheiden.
Was wird zur Anmeldung benötigt?
Diese Voraussetzungen nennt Amazon natürlich ebenfalls:
- Markenname, der als aktive registrierte Marke geschützt ist
- zugehörige Markeneintragungsnummer, akzeptiert werden
- beim Deutschen Patent und Markenamt registrierte Wort- und Wort-Bildmarken
- beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) registrierte Wort- und Bildmarken
- je nach Land ggf. weitere Marken
- falls noch kein Verkäufer oder Lieferant auf Amazon: Kontaktdetails eines Anwalts oder Notars, der die Markeninhaberschaft bestätigt
- eine Liste der Produktkategorien, in denen die Marke aufgeführt werden soll
- eine Liste der Länder, in denen die Produkte der Marke hergestellt werden
Weitere Informationen stellt Amazon in einem entsprechenden FAQ zur Verfügung.
Markenverletzung bei Amazon melden – wie geht das?
Markenverletzungen gibt es zuhauf, und das natürlich auch auf Amazon. Für Händler, die ihre Marke bei Amazon registriert haben, gibt es eine Kontaktmöglichkeit zum eigens für diese bereitgestellten Supportteam. Dazu loggen sich Händler in ihrem Markenregistrierungskonto ein, klicken unter „Benötigen Sie Hilfe?“ auf „Markenregistrierungs-Support“ und wählen dort das entsprechende Problem. Doch Achtung: Auch wenn es sich um das Supportteam der Amazon-Markenregistrierung handelt, können nach eigener Aussage auf diese Weise keine Verstöße gemeldet werden, die sich auf geistiges Eigentum beziehen – also zum Beispiel eine Markenrechtsverletzung. Dafür soll jedoch das Tool „Einen Verstoß melden“ in der Markenregistrierung genutzt werden können.
Schließlich stellt Amazon auch eine öffentlich zugängliche Möglichkeit zur Verfügung, über die Verletzungen von Marken und anderen geistigen Eigentumsrechten gemeldet werden können: Das Formular für die Meldung von Rechtsverletzungen, das sog. Infringement.
Zusammenfassung: Die Markenregistrierung von Amazon
Mit der Registrierung ihrer Marke bei Amazon können Online-Händler die übliche Markenanmeldung nicht vermeiden oder umgehen – sie ist feste Voraussetzung dafür, diese Registrierung überhaupt nutzen zu können. Sie bringt einige praktische Vorteile für Amazon-Händler mit sich, die den Handel auf dem Marktplatz etwas erleichtern können. Nützlich ist das Ganze aber insofern nur für Online-Händler, die tatsächlich auch Artikel unter ihrer Marke verkaufen.
Hast Du schon Erfahrungen mit der Amazon Markenregistrierung gesammelt? Teil uns und anderen Händlern gern dein Feedback in den Kommentaren mit.
Kommentar schreiben