Zolldeal: Das bedeutet die Einigung von EU und USA für den Handel

Veröffentlicht: 28.07.2025
imgAktualisierung: 28.07.2025
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 4 Min.
28.07.2025
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Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin (re.) und US-Präsident Donald Trump geben sich die Hände.
Europäische Kommission
Nach monatelangen Verhandlungen haben sich EU und USA auf gemeinsame Zollbestimmungen geeinigt. „Ein schmerzhafter Kompromiss“, so der BGA.


Knapp vor Ablauf der Frist für höhere Zölle im Warenverkehr von USA und EU konnte eine weitere Eskalation des monatelangen Handelsstreits vermieden werden. Am 1. August sollten die von den USA angedrohten Zölle in Höhe von 30 Prozent auf Warenimporte aus der EU in Kraft treten. Doch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump haben sich nun endlich auf Zollsätze geeinigt.

Ursula von der Leyen erklärte nach den Verhandlungen in einem offiziellen Statement: „Das heutige Abkommen schafft Sicherheit in unsicheren Zeiten“. Es führe zu mehr Planbarkeit und sichere den Zugang zu Europas größtem Exportmarkt. Auch der US-Präsident zeigte sich zufrieden: „Es ist ein gutes Abkommen für alle“, sagte er nach dem Treffen laut Tagesschau.

Aus Sicht von Handel und Wirtschaft bringt die Vereinbarung zwar zunächst notwendige Stabilität – jedoch zu einem hohen Preis, bis hin zu „existenzieller Bedrohung“, wie Wirtschafts- und Handelsfachleute kritisieren.

Einigung: Diese Zollbedingungen gelten jetzt für USA und EU

In der Grundsatzvereinbarung haben USA und EU die folgenden Zollbestimmungen festgelegt:

  • Einheitlicher Zollsatz von 15 Prozent für die Mehrheit der EU-Exporte in die USA.
  • Im Automobilsektor betrugen die Zölle zuletzt 27,5 Prozent, sie sollen nun auf 15 Prozent sinken. Bevor Donald Trump Strafzölle auf Pkw-Importe aus der EU einführte, lag der Zollsatz für importierte Autos in die USA bei 2,5 Prozent.
  • Auch Zölle auf Pharmazeutika und Halbleiter, für die höhere Abgaben im Gespräch waren, betragen nun 15 Prozent.
  • Keine Zölle fallen für EU-Exporte bei Flugzeugen und zugehörigen Komponenten, Halbleiterausrüstung, natürlichen Ressourcen und kritischen Rohstoffe sowie jeweils bestimmten Chemikalien, Generika und Agrarprodukten an.
  • Für Stahl- und Aluminiumprodukte bleiben die Zölle bei 50 Prozent. Von der Leyen kündigte jedoch eine Senkung sowie die Einführung eines Quotensystems an.
  • Für US-Importe in die EU sollen keine Zölle erhoben werden, allerdings nannten weder US-Präsident Trump noch die EU hierzu bisher Einzelheiten.
  • Die EU nimmt Investitionen in den USA im Wert von 600 Milliarden Dollar vor.
  • Bis zum Ende von Trumps Amtszeit kauft die EU US-Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar. Russisches Öl und Gas wird durch „umfangreiche Käufe von US-Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffen“ aus den USA ersetzt.

Es sei denkbar, dass in den nächsten Tagen und Wochen bei bestimmten Produkten zu weiteren Zollanpassungen kommen könnte.

Außenhandel: „Jedes Prozent Zoll ist ein Prozent zu viel“

Wirtschafts- und Handelsexpert:innen sehen den aktuellen Deal kritisch. Zwar sei der Deal für viele Unternehmen „eine dringend benötigte Atempause“, so Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Ausreichend sie dies jedoch nicht.

„Die EU stand unter erheblichem Druck, hat aber mit der Einigung Schlimmeres verhindert. Doch der Deal hat seinen Preis, und dieser Preis geht auch zulasten der deutschen und europäischen Wirtschaft. [... ] Die Einigung schafft kurzfristig Stabilität, mehr nicht. Es ist nur ein erster Schritt. Jetzt muss die EU weiter mit den USA verhandeln und an einem umfassenden, fairen und zukunftsgerichteten Handelsabkommen arbeiten.“

Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK)

Die Einigung sei „ein schmerzhafter Kompromiss“, kritisiert auch der BGA, Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen.

„Jedes Prozent Zoll ist ein Prozent zu viel. Der Zollaufschlag bedeutet für viele unserer Händler eine existenzielle Bedrohung. Auch wenn jetzt zunächst Sicherheit über die Handelsbedingungen herrscht, werden sich Lieferketten verändern und Preise erhöhen. Wir Mittelständler sind durch unsere Flexibilität sehr resilient, aber das ist ein harter Schlag für den Außenhandel.“ 

Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)

Laut Handelsökonom Julian Hinz würden die derzeitigen Bestimmungen unsere Kosten kurzfristig minimieren, weil der Handelskrieg dadurch abgewendet wird. „Aber langfristig wird das sehr, sehr teuer werden, weil wir damit die Regeln des multilateralen Systems verlassen“, warnt der Experte für internationalen Handel am Institut für Weltwirtschaft ifW Kiel, in einem Interview mit der Zeit. „Für deutsche Unternehmen wird es jetzt deutlich schwieriger, in die USA zu exportieren“, so Hinz.

Zolldeal: Folgen für den hiesigen Wohlstand

Wie sich die neuen Zollbestimmungen auf die Praxis auswirken werden, bleibt abzuwarten. Ein Drittel der hiesigen Unternehmen rechnet damit, dass die Bedeutung des US-Marktes schwindet, wie eine Umfrage des ifo-Instituts noch vor der Vereinbarung ergab. Knapp 30 Prozent haben aktuell Investitionen und Projekte mit US-Bezug verschoben, 15 Prozent strichen sie komplett. Letztlich werden also europäische Exporte an Wettbewerbsfähigkeit verlieren und die höheren Zölle auf EU-Waren werden voraussichtlich die Verbraucher:innen in den USA zahlen.

Der BGA warnt vor Wohlstands- und Arbeitsplatzverlust und fordert deshalb mehr Unterstützung für den nicht-industriellen Mittelstand. Auch die DIHK sieht Bundesregierung und EU-Kommission in der Pflicht. Es brauche wettbewerbsfähige Standortbedingungen, verlässliche Politik und gezielte Investitionsanreize. Auch weitere Freihandelsabkommen seien ein wesentlicher Schritt. Fast 90 Prozent der deutschen Exporte gingen in andere Weltregionen, so Melnikov.

Europäische Unternehmen hoffen auf weitere Erleichterungen. „Diese Vereinbarung beendet zwar die Unsicherheit, stellt aber eine erhebliche Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Kosmetikindustrie dar“, sagte etwa Emmanuel Guichard, Generalsekretär des französischen Kosmetikverbands FEBEA, zu dem auch L'Oréal gehört, gegenüber Reuters.

Veröffentlicht: 28.07.2025
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6 Kommentare
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M.Jagielska
29.07.2025

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Der König hat in seiner großen Gnade in seinem Golfresort Hof gehalten und seine Untertanin empfangen. Hatte sie nicht vor einiger Zeit ein ähnlich demütigendes Erlebnis mit Herrn Erdogan ? Frau von der Leyen wird die Insolvenzverwalterin der EU. Amerikanische Autos werden zum Glück trotz Zollfreiheit in D nicht gekauft werden, weil sie einfach Schrott sind.
Sjaak
29.07.2025

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Die Ushi wurde so hart über den Tisch gezogen, dass sie die Reibung als Nestwärme empfunden hat. Nur noch inkompetente Personen, die die EU und DE regieren.
K.I
29.07.2025

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Meinung: Für uns ist der ekelhafte "Deal" Hochverrat am EU Bürger. Das war es dann mit der schwachen EU! Wir haben uns jetzt für alle erpressbar gemacht! Löst euch endlich auf denn es gibt keine Werte mehr! Die EU hat klein beigegeben Statt geschlossen mit Haltung aufzutreten („So nicht mit uns!“), wurde eine Vereinbarung getroffen, die aus Druck heraus entstanden ist – nicht aus gleichberechtigter Stärke. Trump (ein verurteilter Straftäter) nutzt seine wirtschaftliche Erpressung als politische Waffe. Die EU ist diesem Druck gewichen, anstatt klare rote Linien zu ziehen. Der Deal ist wirtschaftlich schädlich Einheitliche 15 % Zölle auf EU-Exporte, während US-Produkte zollfrei bleiben? Das ist wirtschaftlich unausgewogen. Besonders der Mittelstand wird geschwächt, die „Flexibilität“ kleinerer Händler stößt irgendwann an physische Grenzen. Die EU investiert 600 Mrd. in die USA und verpflichtet sich zu Käufen in Höhe von 750 Mrd. für Energie – das wirkt wie ein Blankoscheck an einen unsicheren Partner. Werteverrat statt Vision Die EU wirbt für Regeln, Recht, Umwelt, Partnerschaft. Doch in diesem Deal: kein Wort zu Klima, nichts zu Arbeitnehmerrechten, keine Sozialstandards. Damit untergräbt sie ihre eigenen Ideale. Wenn es hart auf hart kommt, zählen offenbar nur Exportquoten – das wirkt heuchlerisch und entkoppelt vom Bürger.
cf
29.07.2025

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Wenn auf US-Importe keine Zölle vorgesehen sind, dann haben wir ja noch die Logistiker wie DHL & Co. Sie könnten ja einfach die Versandkosten aus den USA in die EU mit ihren üblichen Preiserhöhungen versehen, denn wenn die US-Unternehmen schon keine Zölle zahlen müssen, dann können sie ja das gesparte Geld in Versandkosten stecken und DHL sich die Taschen noch etwas mehr füllen. Kleinpaket aus US könnte man mit 150 Euro berechnen und je 100 g mehr dann nochmal 5-10 Euro extra... Na, wie siehts aus, DHL?
Frank2
28.07.2025

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Das ist ein deal für Donald Trump, für europa eine Notlösung da unsere Bürokraten wiedermal zu lange brauchen und unendliche Diskussionen führen weil jeder Nachtwächter meint die perfekte Lösung zu haben anstatt mal rechtzeitig in Verhandlungen zu gehen um auszuloten was machbar wäre..... Ja es gab ein Handelsdefizit das man aber auch anders ausgleichen kann...
Frank Pagenkemper
28.07.2025

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Es war ja kaum anders zu erwarten. Kaum steht ein Deal mit Trump, geht das gejammer los. Natürlich ist das Ergebnis der Vereinbarung eher schlecht und eine Kröte für Europa. Aber das haben wir uns ja auch redlich verdient. Wir Europäer sind so uneinig. Da gibt es die Stinkstifel aus Ungern und noch anderen ehemligen Russlandsateliten, die wohl kaum echte Europäer sind, denn sie such immer noch Zuflucht in Russlands Schoß. Gleichzeitig ist Europa nach China für die Trumpleute Staatsfeind Nr. 1, weil wir die wirtschaftliche Macht hätten den USA etwas entgegenzusetzen, wenn wir denn mit einer Stimme daher kämen. Sowohl die USA als auch Russland wollen uns Westeueropäer (wieder) klein machen. Man registriert dann ganz genau in Washington wie weit man daher die Europäer zur Kasse bitten kann. So ist das, wenn man sich so blauäugig dem freien Welthandel mit tollen Regeln hingibt an die sich außer Europa kein Schwein hält. Dabei können wir sicher auch anders. Jetzt ist nicht die Zeit zum Jammern. Jetzt heißt es Arsch zusammenkneifen und in die Hände spucken. Und jetzt mal nicht die einfachen Wege berschreiten, sondern neue Geschäftsverbindungen eröffnen. Es gibt noch soviele Länder, an die wir nicht soviel verkaufen oder gar nichts. Und weg mit allen Beschränkungen. Am Besten so wie die Chinesen, kein Schnickschnack mit Einschränkungen, zur Not werden die Regierungen gekauft. Die Zeit der regelbasierten Wirtschaft ist ersteinmal vorbei. Wir müssen jetzt in Europa besser und schneller werden. Und die Politk muß den Ballast der Bürokratie los werden und die vorhandenen Kräfte entfesseln. Dann können wir den USA auch wieder auf Augehöhe begegnen.