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Viele Fehltage in Deutschland: Telefonische Krankschreibung vor dem Aus?

Veröffentlicht: 20.01.2026
imgAktualisierung: 20.01.2026
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
20.01.2026
img 20.01.2026
ca. 3 Min.
Telefonische Krankschreibung: Ärztin hält Smartphone in der Hand
nuttapongmohock02 / Depositphotos.com
Aktuelle Zahlen belegen einen vergleichsweise hohen Krankenstand in Deutschland. Nach Kritik könnten nun auch Konsequenzen folgen.


Bundeskanzler Friedrich Merz hat seine Kritik am hohen Krankenstand in Deutschland erneuert. So verwies er auf durchschnittlich 14,5 Tage im Jahr, die die Deutschen pro Jahr krankgeschrieben seien. Kurzfristige Krankmeldungen, die nur ein oder zwei Tage umfassen, wären bei der Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. „Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher“, so der CDU-Chef laut dpa.

Als mögliche Ursache sieht Merz „sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen“. So gebe es etwa Ärztinnen und Ärzte, die durchaus von Schwierigkeiten berichtet hatten, eine korrekte Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ohne persönlichen Kontakt vorzunehmen.

Regierung prüft Regeln zur telefonischen Krankschreibung

Um Merz’ Kritik Rechnung zu tragen und einem potenziellen Missbrauch entgegenzuwirken, wird die Bundesregierung die telefonische Krankschreibung auf den Prüfstand stellen: Wie die FAZ schreibt, hat Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nun gegenüber dem Tagesspiegel angekündigt, die aktuellen Regelungen kritisch zu hinterfragen. Warken zufolge sei es wichtig, „praktikable Lösungen“ zu finden.

Krankenstand bleibt 2025 auf hohem Niveau

Die Krankenkasse DAK-Gesundheit hat Daten aus dem vergangenen Jahr ausgewertet und gibt den Krankenstand in Deutschland im Schnitt mit 19,5 Tagen pro Jahr und Beschäftigtem an. Damit liege der Wert weiterhin auf hohem Niveau und erreiche nahezu den Stand von 2024. Damals waren es 19,7 Tage. Auch zu Hintergründen der ärztlich bescheinigten Ausfällen gibt es Details: Atemwegserkrankungen, psychische Belastungen, aber auch Rückenschmerzen führen demnach vermehrt zu Ausfällen.

Nach DAK-Chef Andreas Storm sei „es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben“, kommentiere er gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Ärzte und Krankenkassen widersprechen Merz

Die telefonische Krankschreibung wurde 2020 als Ausnahmeregelung während der Corona-Pandemie eingeführt. Ziel war es, Arztpraxen zu entlasten und das Infektionsrisiko in Wartezimmern zu verringern. Diese Maßnahme wurde mehrfach befristet verlängert, bis der Gemeinsame Bundesausschuss Ende 2023 eine dauerhafte Regelung beschloss. Grundsätzlich gelten strenge Voraussetzungen für eine telefonische Krankschreibung: So müssen Patientinnen und Patienten der entsprechenden Praxis bereits persönlich bekannt sein. Darüber hinaus dürfen sie keine schwere Symptomatik aufweisen.

Anders als Merz hatte der Hausärztinnen- und Hausärzteverband in der Vergangenheit konkret auf die Vorteile der telefonischen AU hingewiesen: Sie sei eine gelungene Maßnahme zum Bürokratieabbau im Gesundheitswesen und ihre Abschaffung würde für Praxen eine zusätzliche Belastung bedeuten. Auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, hatte vormals einen Zusammenhang zwischen der Telefon-AU und hohen Krankenständen strikt zurückgewiesen, wie Heise berichtet.

Als tatsächliche Ursache für den Anstieg der Krankentage sehen einige Ärzte und Krankenkassen stattdessen die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Jahr 2022. Durch sie werden Krankmeldungen vollständiger und automatisiert erfasst, was die Zahlen in die Höhe treibt. Zudem spiele laut Heise das Fehlen einer „Gesundschreibung“ in den Statistiken eine Rolle: Wer früher gesund zur Arbeit zurückkehrt, wird nicht erfasst, was die Daten zusätzlich verzerrt. Es fehle demnach klar an Belegen für einen systematischen Missbrauch der telefonischen Krankschreibung.

Es zeigt sich: Die Diskussion um die telefonische Krankschreibung bleibt komplex und kontrovers. Rufe auf beiden Seiten sind drängend und zeigen, wie schwierig es ist, zwischen politischen Forderungen und medizinischen Realitäten eine Balance zu finden.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 20.01.2026
img Letzte Aktualisierung: 20.01.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
4 Kommentare
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KI
21.01.2026

Antworten

Meinung: telefonischen Krankschreibung sofort beenden! Wird immer mehr einfach nur noch schamlos ausgenutzt und er Arbeitgeber steht wie immer dumm da!
Peter
27.01.2026
Der Anteil der telefonisch ausgestellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen liegt unter einem Prozent. (Quelle: sovd) Deren Abschaffung hätte also fast keinen Effekt auf die Anzahl der Krankheitstage. Bitte erstmal kurz überlegen bevor Sie sich aufregen und sinnlose Forderungen in die Welt rufen...
Swen
21.01.2026

Antworten

... und auch wieder eine sinnbefreite Diskussion unter der wieder nur die ehrlichen Kranken leiden. Wenn Jemand "Blau" machen möchte dann findet derjenige immer einen Weg, auch ohne telefonische Krankschreibung ...
cf
21.01.2026

Antworten

Und die Anzahl der Krankheitstage wird in den nächsten 2 Jahrzehnten weiter zunehmen, denn das Renteneintrittsalter wurde angehoben und ältere Menschen sind nunmal nicht mehr so fit wie jüngere. Wenn dann gleichzeitig noch längere Arbeitszeiten pro Tag/Woche gefordert werden, dann braucht man sich auch nicht wundern. Nicht jeder kann mit 67 noch täglich 10 Stunden hochkonzentriert körperliche Arbeit leisten (das tun die meisten Menschen nämlich im Gegensatz zu den Politikern). Und als kleines Schmankerl: Warum muss man den alten Klasse 3 Führerschein (höhere Fahrzeuggewichte) ab dem 50. Lebensjahr alle 5 Jahre mit ärztlicher Bescheinigung verlängern lassen? Mir wird mit über 50 das Autofahren nicht mehr zugetraut, aber an Gasleitungen dürfte ich als Handwerker noch arbeiten? Mal echt jetzt.....