Um Autofahrer:innen in der aktuellen Energiekrise zu entlasten, hat die Regierung ab dem 1. Mai die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter gesenkt. Doch dieser Rabatt kommt offenbar nicht vollständig an: Wie der ADAC laut Heise Online ermittelt hat, lagen die bundesweiten Tagesdurchschnittspreise am vergangenen Samstag (2. Mai) bei Super E10 12,3 Cent unter dem Durchschnittspreis vom 30. April. Der Dieselpreis lag im Durchschnitt 12,2 Cent unter dem Vortageswert.
Entwicklung geht „erneut in eine falsche Richtung“
Nach Einschätzung des Automobilclubs seien die Kraftstoffpreise aber immer noch viel zu hoch. Die Rohölpreise liegen aktuell niedriger als Ende April, trotzdem lagen die Benzin- und Dieselpreise am Sonntagmorgen über dem Niveau vom Samstag zur gleichen Zeit. „Damit geht die Entwicklung erneut in eine falsche Richtung“, erklärt eine ADAC-Sprecherin. Der Automobilclub hat in seiner Auswertung bundesweite Durchschnittspreise betrachtet – einzelne Tankstellen können von dieser Beobachtung also abweichen.
Der Tankrabatt scheint vor allem von der 12-Uhr-Regelung, die die Regierung eingeführt hatte, aufgefressen zu werden. Denn nach ersten Beobachtungen griff der Rabatt am Freitag durchaus, doch die Tankstellen nutzten die Regelung, zur Mittagszeit ihre Preise anheben zu können, „offenbar kräftig aus“, wie Heise schreibt. Eine mögliche Erklärung für die Preisentwicklung sei, dass die Versteuerung des Kraftstoffs nicht an der Zapfsäule passiert, sondern wenn er die Raffinerie oder das Großlager verlassen hat – hier müsste man warten, bis diese noch höher besteuerten Vorräte aufgebraucht seien.
Energiekrise drückt auf die Konsumstimmung
Unklar ist bislang, ob und wie das Bundeskartellamt auf die Preisentwicklung reagieren wird. Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, dass sie die Preise genau überwachen werden. Den Autofahrer:innen empfiehlt er, die teilweise erhebliche Preisunterschiede zwischen den Tankstellen und Apps zum Preisvergleich zu nutzen.
Die insgesamt durch die Energiekrise steigenden Preise wirken sich mittlerweile auch spürbar auf die Konsumstimmung in Deutschland aus. Das Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) sank im Mai um 2,6 Punkte auf 92,3 Punkte, wie die Zeit berichtet. Damit liegt die Konsumlaune auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2023. „Ohne ein Ende des Krieges werden die Energiepreise hoch bleiben – mit allen Folgen für die Weltwirtschaft“, warnt der HDE mit Blick auf den Iran-Krieg. Deshalb sei nach Ansicht des Verbandes auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht mit einer Stärkung des privaten Konsums und des wirtschaftlichen Wachstums zu rechnen.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Michael Pohlgeers
Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.
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