Schluss mit nervigen Cookies: EU will Consent-Banner abschaffen

Veröffentlicht: 24.09.2025
imgAktualisierung: 24.09.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
24.09.2025
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wehende EU-Flagge
symbiot / Depositphotos.com
Die EU will Cookie-Banner reformieren: Präferenzen sollen zentral steuerbar werden – Datenschützer warnen jedoch.


Die Europäische Kommission nimmt sich mal wieder dem Thema Cookies an und will die Nutzung auf Webseiten vereinfachen. Vor allem den oft als störend empfundenen Consent-Bannern soll es an den Kragen gehen. Ein entsprechender Vorschlag wird für Dezember erwartet und könnte eine grundlegende Veränderung des bisherigen Systems einleiten.

Seit der Überarbeitung der E-Privacy-Richtlinie im Jahr 2009 und nachfolgender Urteile (insbesondere das EuGH-Urteil zu Cookies) und nationaler Gesetze unterliegen Webseitenbetreiber strengen Vorgaben: Nutzer:innen müssen der Verwendung von Cookies aktiv zustimmen – ausgenommen sind lediglich technisch notwendige Cookies, die für die Funktionalität der Seite unverzichtbar sind.

Ein neues Modell: Cookie-Präferenzen zentral steuern

Dieses System, das ursprünglich den Datenschutz stärken sollte, hat sich als ineffektiv erwiesen. Nutzer:innen klicken die Einwilligungsbanner oft gedankenlos weg, ohne sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Das Ergebnis ist eine Flut an Zustimmungen, die weder den Datenschutz stärken noch für mehr Transparenz sorgen, sondern vielmehr Frustration bei allen Beteiligten hervorrufen.

Um diesem Problem zu begegnen, arbeitet die EU-Kommission an einer grundlegenden Überarbeitung der geltenden Regeln, wie Politico berichtet. Ein zentraler Vorschlag sieht vor, dass Nutzer:innen ihre Cookie-Präferenzen künftig einmalig, beispielsweise über die Einstellungen ihres Browsers, festlegen könnten. Damit würde die wiederholte Auswahl bei jedem Webseitenbesuch wegfallen. Zudem könnten einfache Statistik-Cookies, die keine personenbezogenen Daten verarbeiten und lediglich zu Analysezwecken dienen, von der Einwilligungspflicht ausgenommen werden. Damit würde die Zahl der erforderlichen Einwilligungen erheblich reduziert werden. Übrigens: In Deutschland gibt es mit der Einwilligungsverwaltungsverordnung (EinwV) bereits einen Workaround.

Cookie-Richtlinien in die DSGVO?

Ein weiterer Ansatz ist die Integration der Cookie-Richtlinien in die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Diese verfolgt bekanntlich einen flexibleren und risikobasierten Ansatz, der sich stärker auf die tatsächlichen Gefahren für die Privatsphäre der Nutzer:innen konzentriert. Eine solche Integration könnte nicht nur die Rechtslage vereinfachen, sondern auch Innovationen fördern, da Unternehmen weniger bürokratische Hürden überwinden müssten.

Datenschützer sehen das größere Problem

Trotz der positiven Ansätze wird die geplante Reform auch kritisch gesehen. Datenschützer warnen davor, dass die Fokussierung auf Cookie-Banner das eigentliche Problem der Online-Überwachung aus den Augen verlieren könnte. Itxaso Domínguez de Olazábal von European Digital Rights (EDRi) formuliert es drastisch: „Das Fokussieren auf Cookies ist wie das Umstellen von Liegestühlen auf der Titanic. Das eigentliche Problem ist das Schiff, in diesem Fall die Überwachungswerbung.“

Damit bringt sie zum Ausdruck, dass die Reform zwar die Nutzerfreundlichkeit verbessern könnte, jedoch das umfassendere Problem der datengetriebenen Werbeindustrie – die Basis für viele Geschäftsmodelle im Internet – nicht löst. Kritiker fordern daher, dass die EU nicht nur die Cookie-Richtlinien überarbeitet, sondern einen deutlich umfassenderen Ansatz wählt, um den Schutz der Privatsphäre im digitalen Raum zu gewährleisten.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 24.09.2025
img Letzte Aktualisierung: 24.09.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
3 Kommentare
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kgd
01.10.2025

Antworten

Jetzt haben die alten Leute in der EU-Kommission wohl endlich auch begriffen, dass man die Cookieeinstellungen schon immer in den Browsereinstellungen festlegen konnte und sind selbst genervt die Banner anzuklicken. Guten Morgen. Schön das erst alles zur Pflicht (abmahnbar) wird und sich später als überflüssig herausstellt. Wenn die Entscheider:innen das Umsetzen ihrer eigenen Vorgaben mit aus ihrer eigenen Tasche bezahlen müssten, würden sie wahrscheinlich noch einmal darüber nachdenken, ob diese Vorgaben überhaupt notwendig sind. Empfehlenswert wäre auch für diese Damen und Herren, mindestens jedes Jahr für 4 Wochen im Onlinehandel mitzuarbeiten, damit sie wissen worüber sie überhaupt entscheiden.
cf
25.09.2025

Antworten

Da sieht man es wieder - die EU ist ein Teufelskreis. Erst wird eine Verordnung rausgegeben, dann wird festgestellt, dass das Ergebnis Mist ist und dann kommt die nächste Verordnung um die vorherigen Versäumnisse aufzuräumen (was es meist nicht besser werden lässt). Damit beweisen sie leider auch immer wieder, dass sie sich der Ergebnisse ihrer Verordnungen nicht bewußt sind - denn wer hätte damals schon ahnen können, dass alle Webseiten einen Cookie-Banner bekommen (lol)? Wie heißt es so schön (man möge mir den harschen Ausdruck verzeihen): "Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal die "Kresse" halten" und die machen lassen, die etwas davon verstehen. Ich wette, dass viele Onlinehändler durchaus Verständnis haben. Wenn die EU mal eine eigene Plattform schaffen würde, auf der sie nur die Problemstellung beschreibt und was genau das Ziel ist (was sie selbst manchmal wohl kaum wissen), auf der ONLINEHÄNDLER dann Vorschläge zur Zielerreichung machen können, würde sicher die eine oder andere ganz praktikable Lösung herauskommen...
Sjaak
25.09.2025
Richtig! Ich frage mich auch, woher die Politiker ihre teuer bezahlten Experten hernehmen – aus der Realwirtschaft stammen sie jedenfalls nicht!