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Regierung prüft Kürzung der Lohnfortzahlung und Karenztag

Veröffentlicht: 13.04.2026
imgAktualisierung: 13.04.2026
Geschrieben von: Michael Pohlgeers
Lesezeit: ca. 2 Min.
13.04.2026
img 13.04.2026
ca. 2 Min.
Krankschreibung mit Geld (KI erstellt)
Erstellt mit KI
Die Bundesregierung will die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall prüfen. Auch der Karenztag ist wieder im Gespräch.


Beschäftigte in Deutschland sind im Schnitt 19,5 Tage im Jahr krankgeschrieben. Der Krankenstand liegt Analysen der BKK zufolge bei 5,83 Prozent. Um das zu reduzieren, prüft die Regierung Medienberichten zufolge „einschneidende Maßnahmen“, berichtet der Spiegel.

Demnach sollen Politiker aus der Union die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auf den Prüfstand stellen wollen. Es sei im Gespräch, den bisherigen Zeitraum von sechs Wochen, in denen der Arbeitgeber den Lohn weiter zahlt, zu kürzen. Die Bild habe darüber auf Grundlage von Informationen aus Koalitionskreisen zuerst berichtet.

Karenztag wieder im Gespräch

Es gehe aber nicht nur um die Länge der Lohnfortzahlung: Es gebe Überlegungen, dass Arbeitgeber nur noch einmal im Jahr Lohnfortzahlung leisten müssen. Sollte ein Arbeitnehmer also die Maximallänge erreichen, würde bei einem erneuten Krankheitsfall sofort die Krankenkassen einspringen – mit dem niedrigeren Krankengeld. Bisher greift die Lohnfortzahlung pro Krankheitsfall und nicht pro Jahr.

Dem Bild-Bericht zufolge sei auch die Einführung des Karenztages im Gespräch. Die Rechnung der Regierung ist einfach: Wer krank wird, bekommt am ersten Tag keinen Lohn, die Unternehmen sollen damit viel Geld sparen.

Die Regierung übersieht, dass Menschen tatsächlich krank werden

Die Hoffnung der Regierung ist allerdings mehr als offensichtlich: Arbeitnehmer sollen sich weniger oft krank melden und stattdessen mehr arbeiten. Dabei übersieht die Koalition offenbar, dass Menschen tatsächlich einfach krank werden.

Wer durch derartige Regelungen gegängelt wird, sich krank zur Arbeit zu schleppen oder nicht richtig zu genesen, sorgt langfristig allerdings für höhere Kosten: Krankheiten werden verschleppt, das Verletzungsrisiko steigt, chronische Erkrankungen können sich bilden, der Rest der Belegschaft angesteckt werden. Das belastet am Ende die Unternehmen und das Gesundheitssystem stärker, anstatt für Entlastungen zu sorgen.

Ein Land voller Blaumacher?

Zudem geht die Merz-Regierung einem statischen Effekt auf den Leim, was die Krankheitstage angeht. Immer wieder wies die Regierung darauf hin, dass diese durch die telefonische Krankschreibung in die Höhe geschossen seien. Tatsächlich lässt sich ein sprunghafter Anstieg des Krankenstandes beobachten, der geht aber auf die elektronische Krankschreibung zurück, mit der alle Krankschreibungen im Gegensatz zu früher erfasst werden. Zudem hat Deutschland eine der ältesten Arbeitsbevölkerungen Europas. Darauf weist auch die BKK hin und warnt die Regierung, Arbeitnehmern pauschal Blaumachen vorzuwerfen.

Veröffentlicht: 13.04.2026
img Letzte Aktualisierung: 13.04.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Michael Pohlgeers

Michael Pohlgeers

Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.

KOMMENTARE
9 Kommentare
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D
14.04.2026

Antworten

Natürlich sollte der arbeitender Klasse alles noch mehr vergrauelt werden, die einzigen die noch arbeiten und in die Staatskasse einzahlen werden bestraft. Die die nichts tun brauchen sich ja auch nicht krankmelden. Absolut alles in diesem Land wird durch diese unfähige Politik zerstört - Firmen (Arbeitgeber) und Arbeitnehmer. Als ob man nichts schon genug shuftet, Menschen sind eben keine Maschinen und werden krank, mit zunehmendem Alter immer mehr und dann noch Rentenalter anheben usw. klar man wird kaputt gemacht bevor man es in die Rente schafft. Jeder braucht Erholung und mit dieser menschenfeindlicher Politik wird es nur noch mehr Elend geben.
cf
14.04.2026

Antworten

Meinung: Ich dachte, dass die Krankenkassen eh schon zu wenig Geld haben und die Beiträge anheben. Wenn die Kasssen nun noch alle weiteren Kranktage bezahlen, woher kommt das Geld dann plötzlich? Oder ist doch genug vorhanden und die Erhöhung war eigentlich nicht gerechtfertigt? Zudem sollte auch bedacht werden, dass man nicht "mal eben" einen Tag aus den Lohn-/Gehaltsabrechnungen herausstreichen kann. Sowas muss auch softwareseitig umgesetzt werden. Und auch wenn ich eher auf Arbeitgeberseite bin, finde ich die daraus resultierende Belastung für chronisch Kranke oder Menschen mit Behinderung trotzdem nicht gut. Ein schlüssiges Konzept müsste derartiges berücksichtigen - da wird (wie leider so oft) einfach zu kurz gedacht. Wenn, dann müssten entsprechende Fehltage aufgrund von chronischen Erkrankungen oder Behinderungen unabhängig von dieser Regelung laufen... Mein Vorschlag: Erst einmal ins ECHTE LEBEN gehen und sich mal in einigen Betrieben das "Problem" live ansehen und anschließend zurück an den sprichwörtlichen grünen Tisch.
Sally
14.04.2026

Antworten

Es trifft mal wieder die Chronisch kranken. Krebs, Rheuma usw. Diese kranken werden ausser Acht gelassen. Das Chronisch kranke sowieso Finanziell gebeutelt werden, am Existenzminimum leben. Warum werden diese Dinge vergessen, warum bekommen chronisch Kranke keine besondere Finanzielle Unterstützung?
Aisteg
14.04.2026

Antworten

Ich begrüße es ausdrücklich, die Lohnfortzahlung zu deckeln. Und ja, einen Karenztag sollte man zumindest ausprobieren. Die wirklich Kranken trifft das in erster Linie nicht. Es trifft eher die, für die Krankmelden inzwischen fast zum erweiterten Wochenplan gehört. Man macht es in Deutschland schlicht zu einfach. Natürlich gibt es echte Krankheiten, und die müssen sauber auskuriert werden. Aber man muss auch nicht so tun, als gäbe es keine Eigenverantwortung. Wer dauerhaft auf Schlaf, Bewegung, Ernährung und halbwegs vernünftigen Lebensstil pfeift, darf nicht so tun, als hätte das mit der eigenen Gesundheit gar nichts zu tun. Niemand wird gezwungen, sich jeden Tag Schrott reinzuschieben und den Körper auf Verschleiß zu fahren. Bei uns mit 15 Leuten ist faktisch immer mindestens einer krank. Auffällig oft trifft es die Jüngeren, gern am Wochenanfang oder Richtung Wochenende. Für einen Konzern ist das eine Zahl in irgendeiner Statistik. Für kleine Firmen kann das schnell existenziell werden. Und dieses Gerede von Lebensmittelindustrie, Pharma und sonstigen dunklen Mächten ist auch zu bequem. Als ob Big Pasta persönlich die Krankmeldung ausfüllt. Nein. Es ist oft viel banaler: Es wird zu leicht gemacht, zu wenig auf den eigenen Lebensstil geachtet und zu schnell jede Kritik daran als unsozial abgestempelt.
KI
18.04.2026
Das trifft den Nagel auf den Kopf!" Hut ab für diesen Kommentar!
Ebeling
18.04.2026
SIe sind also der Meinung, Arbeitnehmer seien zu gesunder Ernährung und Sport verpflichtet? Das höre ich zum ersten Mal und nicht mal die Regierung sagt sowas.
Thomas
14.04.2026

Antworten

Eventuell sollen Krankenkassen dann schon sofort Krankengeld zahlen, wenn die 6- wöchige Lohnfortzahlung ausgeschöpft ist. Ich denke, die Krankenkassen müssen sparen?? Dafür ist dann aber Geld da? Und was ist mit der Pflichtversicherung von Betrieben bis zu maximal 30 Arbeitnehmer*innen? Dadurch bekommen diese eine gewisse Höhe der Lohnfortzahlung von den Krankenassen erstattet. "Arbeitgeber können neben der Erstattung der Aufwendungen über die Entgeltfortzahlungsversicherung, die Aufwendungen in Höhe der Entgeltfortzahlungen als steuerlich relevante Betriebsausgaben geltend machen" ( Entnommen aus einer Kurzinformation des Deutschen Bundestages/ Wirtschaftliche Dienste), auch bekannt als U-1 Verfahren) Bei Mutterschaft werden sogar 100 % erstattet. Scheint meiner Meinung nach eher nicht aus der Notwendigkeit einer finanziellen Überlastung der Unternehmen herzurühren, das darüber nachgedacht wird, die Lohnfortzahlung zu beschneiden, sondern eine weitere Idee, die arbeitende Bevölkerung noch mehr unter Druck zu setzen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.
TS
14.04.2026

Antworten

Menschen werden einfach krank. Schön, dass man auf diesen Fakt auch eingegangen ist. In diesem Staat zählt nur die Arbeitsleistung, komme, was wolle. Man könnte natürlich auch die Rahmenbedingungen verbessern: weniger Stress und Belastung, wirtschaftliche und damit finanzielle Sicherheiten, bessere Ernährung und geförderter Lebensstil in die richtige Richtung. Aber damit schadet man dann wieder der Lebensmittelindustrie und Pharma …
Alexander T.
14.04.2026
Die wirklich Kranken trifft es nicht? Bekommen die etwa den ersten Tag bezahlt, wenn sie zwei Tage oder länger krank sind? Und was ist mit Arbeitsunfähigkeit, die tatsächlich nur einen Tag dauert? Mit Migräne, Durchfall, Menstruationsbeschwerden etc. einfach trotzdem zur Arbeit gehen?