Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert weitreichende Änderungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Im Fokus stehen eine Begrenzung der Zahlungen sowie das Ende der telefonischen Krankschreibung.
Begrenzung der Lohnfortzahlung und Ende der telefonischen Krankschreibung
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger schlägt vor, die Lohnfortzahlung auf maximal sechs Wochen pro Jahr zu begrenzen. Derzeit besteht dieser Anspruch pro Erkrankung. Langzeiterkrankungen verursachen jedoch hohe Kosten, die so reduziert werden könnten. Dulger verweist auf internationale Erfahrungen, wonach großzügige Regelungen zu mehr Fehlzeiten führten, insbesondere bei leichten Erkrankungen.
Zudem kritisiert die BDA die weiterhin mögliche telefonische Krankschreibung, die während der Pandemie eingeführt wurde. Sie sei heute anfällig für Missbrauch. Als Alternative werden Videosprechstunden sowie häufigere und schnellere Prüfungen von Arbeitsunfähigkeiten durch den Medizinischen Dienst gefordert.
Diskutiert wird außerdem, Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit im Krankheitsfall zu streichen. Dies betrifft im Bereich E-Commerce besonders Branchen wie Logistik und Kundensupport, in denen solche Zuschläge verbreitet sind. Kritiker warnen allerdings vor negativen Folgen für Motivation und Arbeitszufriedenheit.
Hohe Kosten durch Fehlzeiten
Hintergrund der Debatte sind stark gestiegene Krankenstände. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft kostete die Lohnfortzahlung die Unternehmen 2024 rund 82 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie 2010. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin führten krankheitsbedingte Fehltage zu Produktionsausfällen von etwa 134 Milliarden Euro. Beschäftigte waren im Schnitt 20,8 Tage arbeitsunfähig.
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