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Neue Pflichten bei Widerruf – Händler üben massive Kritik an Plänen

Veröffentlicht: 11.07.2025
imgAktualisierung: 11.07.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
11.07.2025
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ca. 3 Min.
Rechtliche Änderungen: Weißes Paragrafen-Zeichen vor einer roten Wand
AndreyPopov / Depositphotos.com
Beim Widerruf im Online-Handel soll sich einiges ändern. Bei Sellern kommt der politische Vorstoß alles andere als gut an.


In Deutschland soll es für Verbraucherinnen und Verbraucher künftig noch einfacher werden, online gekaufte Produkte zurückzugeben bzw. Internet-Verträge zu widerrufen. Dass das Vorhaben in der E-Commerce-Branche an sich schon für Aufregung sorgt, verwundert nicht, schließlich dürften dadurch auf große und kleine Online-Händlerinnen und -Händler neue Pflichten zukommen.

Darüber hinaus stößt allerdings auch die Art und Weise, wie die Umsetzung einer solchen Widerrufsmöglichkeit erfolgen soll, auf breite Ablehnung – zumindest, wenn man sich die ersten Reaktionen aus der Branche anschaut. Konkret zielt Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) auf einen neuen Widerrufsbutton ab, der Kundinnen und Kunden jederzeit zur Verfügung stehen soll: „So einfach wie das Bestellen im Internet geht – so einfach soll auch das Widerrufen sein: mit einem Klick“. Eine solche Schaltfläche soll verpflichtend auf Websites platziert werden, klar verständlich, dauerhaft sichtbar und leicht zugänglich.

Aus Sicht des Gesetzgebers soll mehr Nutzerfreundlichkeit geschaffen werden, doch Unternehmen sorgen sich neben der technischen Umsetzung vor allem auch um eine noch stärkere Belastung durch eine weiter verschärfte Regulierung der Branche.

Umsetzung und Datenschutz werfen komplexe Fragen auf

Als großes Problem sehen viele Händlerinnen und Händler die grundsätzliche Umsetzbarkeit eines solchen Buttons. Denn die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verpflichtet Unternehmen in der EU zur Datensparsamkeit. Daher haben sich Gastbestellungen für Kundinnen und Kunden durchgesetzt. Ohne Kundenkonto sei es allerdings nicht möglich, Bestellungen im Online-Shop später einzusehen und Bestellungen zu widerrufen, so die Kritik.

„Wer als Gast bestellt (und das muss ja auch erlaubt bleiben), kann seine abgeschlossene Bestellung Online ja gar nicht einsehen, weil es sonst jeder könnte. Bin gespannt wie hier die Lösung aussehen soll.“ – OHN-Leser

Kurz: Ohne Kundenkonto fehlt eine rechtssichere Möglichkeit, zu verifizieren, ob wirklich der Käufer selbst den entsprechenden Widerruf tätigt. 

„Selbst als Programmierer kann man diesen Button nicht umsetzen, ohne entweder Datenschutzrecht zu brechen oder ein Sicherheitsrisiko zu erzeugen. Automatische Identifikation ohne Login ist faktisch nicht möglich, und eine rechtssichere Alternative existiert nicht“, schreibt etwa ein Leser. 

Auch eine erzwungene Nutzerregistrierung sei beispielsweise keine Lösung, weil sie rechtlich nach aktuellem Stand nicht haltbar wäre.

Durch eine fehlende Identifizierung bzw. Authentifizierung bei einer Gastbestellung sei ein solches System anfällig für Missbrauch, so die Sorge. Zwar gibt es von Sellern bereits die Idee, einen Widerrufsbutton via QR-Code zu nutzen und diesen dann der Theorie nach in die Bestätigungs-E-Mail der Bestellung einzufügen, doch auch dieser Prozess gehe mit potenziellen Risiken einher.

Weitere Belastung und Mehraufwand für Unternehmen

Kritik gibt es auch an der generellen Einführung neuer Verpflichtungen: Aus der Politik war zuletzt zu vernehmen, dass man die bürokratischen Lasten für Unternehmen mindern wolle, um ihre Wirtschaftlichkeit zu stärken. Die geplanten Änderungen im Widerrufsrecht werden hingegen von vielen als neue Belastung wahrgenommen und zudem unter anderem als praxisfern und innovationshemmend eingestuft. Auch der Aufwand der Umsetzung werde mit Blick auf das Ergebnis als unverhältnismäßig angegriffen.

Mit Inkrafttreten der Produktsicherheitsverordnung (GPSR) und den neuen Regelungen zur Barrierefreiheit sahen sich Händlerinnen und Händler zuletzt bereits mit zahlreichen neuen, teils hochkomplexen rechtlichen Vorschriften konfrontiert, die es einzuhalten gilt. Auch die Einführung eines neuen Widerrufsbuttons würde die Unternehmen höchstwahrscheinlich durch die Umsetzung Geld und Kapazitäten kosten. Aus den vielen Erstreaktionen lässt sich zudem teils eine Überforderung ob der breiten rechtlichen Pflichten herauslesen.

„Kleine Händler, die eh schon im Abwärtstrend sind, können doch diese ständig neuen, nicht fertig gedachten EU Gesetze und Anforderungen überhaupt nicht mehr leisten.“ – ein OHN-Leser

Verbraucherschaft zu stark im Fokus?

In Deutschland wird Verbraucherrecht großgeschrieben. Kundinnen und Kunden profitieren beim Online-Kauf von verschiedenen Regelungen, wie etwa dem umfangreichen Widerrufsrecht oder der Gewährleistung. So soll der Handel sicher und transparent gestaltet werden. An der Vereinfachung von Widerrufen besteht aus Sicht vieler Seller daher auch Kritik, da sich der Fokus immer weiter in Richtung der Kundschaft verschiebe: Gerade mit Blick auf die umfangreichen Services und potenziellem Missbrauch sei den Vorwürfen zufolge die Entwicklung zunehmend unwirtschaftlich.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 11.07.2025
img Letzte Aktualisierung: 11.07.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
18 Kommentare
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Digitale Artikel
06.09.2025

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Ganz wichtig: Es gibt Artikel für die es gar kein Widerrufsrecht gibt, dies muss auch berücksichtigt werden. Da sind vor allem Digitale Artikel, aber auch Maßanfertigungen usw... Der Wunsch nach so einem Button und die Idee ist ja an sich gut, aber letzten Endes naiv, infantil und überhaupt nicht durchdacht. Noch dazu gibt es gar keinen Handlungsgedarf in der Angelegenheit!
David
16.07.2025

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Wieso fördert man Rückgaben? Die verpesten die Umwelt, kosten Staat und Unternehmen Geld. Ich sehe nicht einen sinnvolle Nutzen. War ja klar das das wieder von der weltfremden 16% SPD kommt. Wobei in aktuellen Umfragen kämen sie ja nicht mal mehr auf diese niedrige Zahl..
Psychogewitter
10.09.2025
EU Recht! SPD ist da unschuldig...
Bentlin
16.07.2025

Antworten

Seit dem Brüssel EU-Moloch dient jede Erneuerung und Reform "zum Wohle des Verbrauchers" letztendlich die Großfirmen und den Lobbyisten. Systematisch wird hier der Kleinhandel und immer mehr auch der Mittelstand flächendeckend ausgerottet "Zum Wohle der Machwirtschaft". Die ehemals Soziale Marktwirtschaft und Vielfalt geht immer mehr den Bach runter, auch wegen der Gedankenlosigkeit der Verbraucher.
Hannelore
12.09.2025
Dem stimme ich zu, nun muss der Online Handel auch noch kaputt gemacht werden. Raus aus der EU die machen uns in Deutschland das leben immer schwerer 😡
Stephan
14.07.2025

Antworten

Es geht immer nur um die KUNDENrechte im Internet. Diese hebeln die klassischen Vertragsrechte beim Kauf im Laden komplett aus (nur, weil man sich das Produkt im Internet ja nicht ansehen sondern nur zuhause prüfen kann). Also lässt man sich im Zweifel in einem Laden umfangreich beraten, konfrontiert den Verkäufer dann vielleicht auch noch mit dem Internetpreis und erwartet Kulanz bei Rückgabe / Reklamationen. Dann sollte man das allgemeine Kaufvertragsrecht konsequenterweise auch gleich 'aushöhlen' und für den Kunden vereinheitlicht und die KUNDENfreundlichkeit des Internets auf alle Bereiche des Vertragsrechts erweitern. Und man sollte sich dann aber auch nicht mehr über die Leerstände in den Innenstädten wundern.
MiRa
14.07.2025

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Da haben die Politiker sich ja wieder was feines ausgedacht ohne zu Ende zu denken. Das passiert, wenn unnötiger Tatendrang auf technische Inkompetenz trifft. Im Endeffekt wird das die Rückgaben erhöhen, da auch Personen, die nicht in der Lage/Willens sind zu lesen, was sie da kaufen, damit befähigt werden leicht etwas zurückzugeben.
Yildiz
14.07.2025

Antworten

Ob die Politik hätte nichts anderes zu tun als sich um einen "wiederrufsbutton" zu kümmern. Es ist doch jetzt schon möglich. Denn es gibt zum Beispiel eine Schaltfläche "dieses Produkt zurückgeben" bzw. "diesen Kauf abbrechen " Diese ist eine ganz einfache Methode. Wer damit nicht umgehen kann, kann auch nicht mit einem Wiederrufsbutton umgehen. Politik soll der Menschen das Leben erleichtern und nicht schwerer machen. Es geht keine Woche keinen Monat vorbei ohne das Wort zu lesen "Es kommen neue Pflichten auf Onlinehandel, Kleinhändler sind besonders betroffen." Bitteschön!! Welche Kleinhändler hätten noch Lust darauf sein Geschäft fortzuführen! Lasst uns endlich in Ruhe!
Sabine
04.09.2025
Ich bin absolut Ihrer Meinung!
Andree
14.07.2025

Antworten

Das selbständige Denken wird mehr und mehr ausgeschaltet. Aufwand und Kosten für Firmen erhöhen, damit der Verbraucher auch ja nicht mehr selbständig denken muss. Warum nicht gleich eine Möglichkeit, dass der Kunde nur noch mit seinem PC oder Smartphone spricht? :D Und dabei wollen wir angeblich die Bürokratie verkleinern :D :D :D
Max Sonntag
14.07.2025

Antworten

Diese Gedanken der Eurokraten in einem Wort zusammengefaßt: Bullshit! Entweder ist denen langweilig, oder der Hitzesommer hat in Brüssel stärker zugeschlagen, als im Rest von Europa. Andererseits ist dieser Vorschlag ein weiterer Beweis dafür, dass die Damen und Herren in Brüssel mittlerweile so weit von der Lebensrealität entrückt sind und ihre eigenen Verordnungen nicht mehr kennen. Wie sonst soll ich diesen Vorschlag im Geiste der Datensparsamkeit bewerten? Setzen, 6 - liebe Eurokraten.
Bert S.
14.07.2025

Antworten

Anstatt sich funktionierender Dinge wie das Widerrufsrecht anzunehmen sollte der Irrsinn mit der Kleinstaaterei im Internethandel beseitigt werden. Unsere Kunden beschweren sich regelmäßig das wir nicht nach Niederlande, Belgien usw liefern. Ich habe keine Lust in 20 Staaten einen verantwortlichen zum Elektromüllgesetz usw zu benennen und zu bezahlen. Politiker die hier denken den großen Reibach für Ihr Land zu machen sollten einfach die Bedingungen für den Internethandel in ihrem Land optimieren, dann kaufen die Kunden auch bei einem Bulgarischen Händler. So gleichen sich die Gebühren aus, jeder zahlt am Stammsitz und gut ist.
Karl Fuchs
14.07.2025

Antworten

Es sieht immer mehr so aus, als wolle man bewusst kleine Onlinegeschäfte schädigen und ihre Arbeit verhindern. Das würde zu einer weiteren Konzentration bei "den Großen" führen. Denen ist so etwas wie Datenschutz ohnehin egal und sie haben die Finanpower, um sich irgendwelche (Schein?)Lösungen einfallen lassen zu können. - Wer hat nochmal einen großen Einfluss auf die Politik? - Ja klar, die Wählerin Tante Emma!
Jörg
14.07.2025

Antworten

Genau wegen diesen ganzen Bullshit, mache ich meine Firma zu und rate jedem in der EU sich bloß nicht selbständig zu machen und lieber die EU zu verlassen.
Bente
14.07.2025

Antworten

Mal ehrlich was soll das, der Kunde liest jetzt schon kaum was und dann noch eine Flut von Buttons, am besten gleich verordnen nichts mehr im Netz zu kaufen, so kann man auch gleich alles andere umgehen und alle sind zufrieden. Einer von denen sollte mal einen Onlineshop betreiben und zwar einen kleinen und steht dann da und soll das umsetzen was sich irgendwo am Tisch ausgedacht wurde, und vermutlich nur damit man eine Daseinsberechtigung hat.
cf
14.07.2025

Antworten

Wie wäre es, wenn es von seiten der Regierung einfach einen fertig programmierten "deutschland-Shop" gibt den sich jeder installieren kann, wenn er online etwas verkauft. Hier kann die Politik dann alle neuen rechtlichen Ideen reinprogrammieren lassen und live dabei zusehen, wie es sich auf die Verkaufsquoten der Händler auswirkt. Denn offenbar denkt jeder, dass kleine Shopbetreiber ja "nur ein fertiges Plugin" installieren müssen um die neuen rechtlichen Anforderungen umzusetzen. Aber wer programmiert das? Und jedes neue Plugin kostet Geld, wenn es nicht sogar ein eigener Shop ist oder ein Nischenprodukt, was noch etwas günstiger zu haben ist. Es kann nicht jeder 5stellige Beträge im Monat für ein Luxus-Shopsystem zahlen....
Jens
14.07.2025
Sehr gute Idee, am besten gleich noch eine staatliche "Deutschland-Suchmaschine" oder eine gemeinschaftlich betriebene "EU-Suche" dazu, damit die maßlose Abzocke der kommerziellen Seitenbetreiber im SEA-Bereich durch Übersee-Konzerne auch endlich mal aufhört.
Martin K.
11.07.2025

Antworten

Kommentar zum geplanten Widerrufsbutton im Onlinehandel Wieder ein Gesetzesvorhaben, das symptomatisch für das fortwährende Stückwerk in der Verbraucherpolitik steht: ein weiterer Button, noch mehr Kleinteiligkeit, noch größere Unsicherheit für Händler. Anstatt halbherzige Nachbesserungen vorzunehmen, sollte man endlich den Mut zu einem klaren Schnitt haben – Tabula rasa bei den Verbraucherrechten! Wenn das Ziel wirklich ist, Widerrufe so einfach wie möglich zu gestalten, warum dann nicht gleich konsequent? Dann sollte gelten: Sobald der Gedanke an einen Widerruf im Kopf des Kunden aufkommt, gilt der Kauf als rückabgewickelt. Die Rückzahlung? Am besten automatisch im Voraus, noch vor dem ersten Klick auf „Bestellen“.