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Manipulative Designs bei Amazon, Temu und Co.

Veröffentlicht: 22.01.2025
imgAktualisierung: 22.01.2025
Geschrieben von: Hanna Hillnhütter
Lesezeit: ca. 3 Min.
22.01.2025
img 22.01.2025
ca. 3 Min.
Person am Smartphone
GaudiLab / Depositphotos.com
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat 18 Plattformen untersucht und dabei manipulative Designs gefunden.


Social-Media-Plattformen und Marktplätze nutzen in vielen Fällen manipulative Designs, sogenannte Dark Patterns. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat 18 Plattformen überprüft und bei jeder Plattform unzulässige Designs gefunden. Der vzbv fordert nun die Europäische Kommission und die Bundesnetzagentur dazu auf, die Regeln des Digital Services Act (DSA) durchzusetzen, wie in einer Pressemitteilung gemeldet wird.

Designs verleiten Verbraucher:innen zu Kaufentscheidungen

Besonders kritisiert werden Designs, die Verbraucher:innen zu Kaufentscheidungen verleiten sollen und durch die sie sowohl mehr Geld ausgeben, als auch mehr Daten preisgeben. Dazu zählen unter anderem aufdringliche Benachrichtigungen und Gamification oder Glücksspiel-Elemente. Nach Aussage des vzbv wird durch diese Designs nicht nur suchtähnliches Verhalten gefördert, auch Auswirkungen auf die mentale Gesundheit sind nicht auszuschließen. 

Glücksspiele und Benachrichtigungen bei Temu und Shein

Temu und Shein sorgten mit zahlreichen Benachrichtigungen für Kritik. Neben Push-Mitteilungen wurden parallel auch E-Mails verschickt, die Käufer:innen sowohl zum Kauf auffordern oder auf Angebote aufmerksam machen.

Auf beiden Marktplätzen finden sich zusätzlich zahlreiche Glücksspiele und andere Gamification-Elemente, die Nutzer:innen dazu verleiten, regelmäßig die App zu verwenden. Auch AliExpress nutzt Spiele innerhalb der App, mit denen Nutzer:innen mit Gewinnen und Rabatten angelockt werden. 

Angebotsverknappung bei Kaufland und Otto

Daneben sollen bei Kaufland, Otto, Wish und MediaMarkt Countdowns und künstliche Verknappungen die Kundschaft zu einer schnellen Kaufentscheidung drängen. Wish stellte Verbraucher:innen beim Öffnen der App sogar einen Gutschein von 75 Prozent Rabatt in Aussicht, wenn sie innerhalb von 10 Minuten bestellen. Auch Shein stellte Nutzer:innen Rabattcoupons in Höhe von 200 Euro in Aussicht, wenn sie innerhalb weniger Minuten bestellen.

Autoplay und Infinite Scroll auf Amazon, TikTok und LinkedIn

Auf Plattformen wie TikTok und Snapchat wurde das Design-Element des Infinite Scroll kritisiert. Nutzer:innen werden dabei immer wieder neue Inhalte angezeigt, ein Ende ist nicht sichtbar. Auch auf Marktplätzen wie Shein, AliExpress, Wish und Temu können sich Verbraucher:innen quasi endlos lang neue Artikel anzeigen lassen.

Auf Amazon und LinkedIn wurde in erster Linie die Autoplay-Funktion kritisiert. Sobald die App geöffnet wird, starten automatisch Videos. Auf Amazon wurden sowohl Trailer für Angebote auf Amazon Prime gestartet, als auch Werbevideos von Produkten. Auch auf LinkedIn starten sowohl Videos aus dem Feed als auch Werbevideos, ohne dass diese extra gestartet werden müssen. 

Untersuchung von 18 Plattformen

Zu den untersuchten Plattformen zählen AliExpress, Amazon, Ebay, Facebook, Instagram, Kaufland, LinkedIn, MediaMarkt, Otto, Pinterest, Shein, Snapchat, Temu, TikTok, X, Wish, YouTube und Zalando. Diese wurden auf die Vorgaben von Artikel 25 des DSA hin untersucht. Artikel 25 legt fest, dass Online-Plattformen nicht so gestaltet sein dürfen, dass Nutzer:innen keine freien Entscheidungen treffen können, ohne dabei getäuscht, manipuliert oder wesentlich beeinträchtigt zu werden.

„Trotz umfassenden Verbots im Digital Services Act nutzen Plattform-Anbieter weiterhin manipulative und schädliche Designs in ihren Apps.[...] Die zuständigen Stellen müssen bestehende Regelungen jetzt konsequent durchsetzen. Sonst bleibt der Digital Services Act ein zahnloser Tiger – zum Schaden der Verbraucher:innen“, so Jutta Gurkmann, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik beim vzbv.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 22.01.2025
img Letzte Aktualisierung: 22.01.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Hanna Hillnhütter

Hanna Hillnhütter

Hanna hat die juristischen Entwicklungen im Blick – mit Fokus auf Abmahnungen, Wettbewerbsrecht und aktuelle EU-Verordnungen.

KOMMENTARE
4 Kommentare
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Jenja
31.01.2025

Antworten

Ich würde Ihren Link " Vorgaben von Artikel 25 des DSA hin untersucht", der auf eine PDF führt, auch untersuchen. 1. irritiert der Titel, da man meint auf den Artikel geleitet zu werden 2. wird nirgends darauf verwiesen, dass eine PDF heruntergeladen wird.
Hanna Hillnhütter
31.01.2025
Hallo Jenja, über den Link wird kein PDF heruntergeladen, der Link führt zu einem PDF, welches der Verbraucherzentrale Bundesverband zur Verfügung stellt. Ein Download findet nicht statt. Der Artikel, bzw. die Pressemitteilung ist weiter oben im Text unter „Pressemitteilung“ verlinkt. Hier habe ich direkt die Untersuchung verlinkt, falls Leser:innen das Ganze genauer nachlesen wollen. Ich hoffe diese „Untersuchung“ war ausreichend ;) Viele Grüße Hanna Hillnhütter
cf
23.01.2025

Antworten

Irgendwie schon traurig wie unselbstständig die Menschen werden. Wer lässt sich denn bitte von ein paar bewegten Bildern und ermüdendem Endlos-Scrolling zu einem wehrlosen, meinungslosen und unmündigen Kunden machen? Sorry, aber das ist doch quatsch... Wenn solche Regelungen auf Seiten für Minderjährige gelten, dann sehe ich das vollkommen ein. Ansonsten dürften am besten gar keine Produkte mehr online angeboten werden, weil jemand womöglich auf die Idee kommen könnte etwas zu bestellen. Frage: Wer achtet eigentlich auf die lokalen Geschäfte vor Ort? Tricks wie Gerüche, Beleuchtung, Musik, wege- und stellplatzoptimierte Warenpräsentation, etc.? Dann bitte für alle gleich...
AS
23.01.2025
Ich sehe es ehrlich gesagt wie mein Vorredner. Erwachsene und selbständig denke Menschen werden immer mehr für unmündig, ja gar dumm, erklärt und das Denken wird ihnen völlig aberkannt. Es gibt immer mehr Regeln, an die man sich als Onlinehändler halten muss, weil man dem normaldenkenden Menschen nicht zutrauen darf, den gesunden Menschenverstand einzusetzen und sein Hirn anzustrengen. Kein Wunder mutiert die Menschheit immer mehr zur Mimimi-Gesellschaft. Es wird doch überhaupt nicht mehr erwartet, dass jemand selbst überlegt, was für ihn gut oder schlecht sein könnte, weil ihm einfach nichts mehr beigebracht wird. Schon Kleinkindern wird ja heute alles selbst überlassen, selbst die Geschlechterbestimmung. Wie sollen daraus denn gesunde Erwachsene werden? Ich finde so etwas langsam wirklich nicht mehr lustig, wie die Welt immer mehr vor die Hunde geht.