Kein Mensch braucht den Widerrufsbutton

Veröffentlicht: 22.07.2025
imgAktualisierung: 22.07.2025
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
22.07.2025
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ca. 2 Min.
Drei Pflanzen mit Büro-Symbolen wachsen aus EU-Sternen: Büroklammer, Dokumente, Widerrufsformular.
Erstellt mit Dall-E
Die EU plant einen verpflichtenden Widerrufsbutton für Online-Shops. Ist das neue Gesetz überflüssig?

Wer den Widerruf erschwert, hat das Nachsehen

Denn eins ist klar: Shops, die den Widerruf unnötig kompliziert gestalten, schaden sich selbst. Sie verlieren potenzielle Stammkund:innen, verursachen mehr Aufwand und riskieren Abmahnungen. Der Markt reguliert hier in gewissem Maße von selbst.

Widerrufe sind längst unkompliziert

Schauen wir kurz auf die Praxis: Ziel des geplanten Buttons ist es, den Widerruf ebenso einfach zu machen wie den Kaufabschluss. Als Vorbild dient die sogenannte Buttonlösung. Aber: In vielen Shops und auf Marktplätzen ist der Widerruf heute bereits genauso einfach – teils sogar einfacher. Typischerweise gibt es drei etablierte Lösungen:

Lösung 1: Rückgabe über das Kundenkonto

Man loggt sich in ein Kundenkonto ein, sucht die Bestellung, die man (teilweise) widerrufen möchte, und klickt sich durch. Am Ende hat man die Widerrufserklärung digital abgegeben und bekommt beispielsweise ein Versandlabel für die Retoure.

Lösung 2: Das Formular

Auch ohne Kundenkonto ermöglichen viele Shops den Widerruf über ein einfaches Formular: E-Mail-Adresse oder Bestellnummer eingeben, absenden, fertig.

Lösung 3: Der Zettel im Paket

Aus Kundensicht oft am unkompliziertesten: ein Rücksendeformular direkt im Paket. Ankreuzen, einpacken, Label drauf – ganz ohne Computer.

Was genau soll der Button noch vereinfachen?

Die Frage ist also: Was genau vereinfacht ein zusätzlicher Button? Auch hier müssten Daten eingegeben und Produkte ausgewählt werden. Der eigentliche Unterschied läge vermutlich in der besseren Auffindbarkeit – aber gerade daran haben viele Shops ohnehin ein ureigenes Interesse, um Rückfragen und Mehraufwand zu vermeiden.

Fakt ist: Kein Shop hat ein Interesse daran, den Widerruf kompliziert zu gestalten.

Barrierefreiheit mitdenken – auch ohne Buttonpflicht

Gleichzeitig sollten Händler:innen bei ihren individuellen Lösungen nicht nur an Komfort, sondern auch an unterschiedliche Bedürfnisse denken. Ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen stoßen mitunter auf Hürden, die sich leicht vermeiden ließen. Eine gute Auffindbarkeit, barrierearme Gestaltung der Shop-Webseite und einfache Sprache zahlen sich nicht nur rechtlich, sondern auch wirtschaftlich aus.

Fazit: Unnötig, aber Händler:innen sollten Barrierefreiheit und Co. im Blick haben

Ein verpflichtender Widerrufsbutton mag gut gemeint sein, ist aber in vielen Fällen schlicht überflüssig. Die meisten Shops bieten längst einfache und kundenfreundliche Lösungen an – teils sogar komfortabler als ein standardisierter Button. Dennoch sollte die Diskussion ein Weckruf sein: Barrierefreiheit, Transparenz und eine gut auffindbare Widerrufsmöglichkeit sind nicht nur rechtlich relevant, sondern stärken auch das Vertrauen in den Shop. Eine weitere gesetzliche Regelung ist dafür kaum notwendig. Unterm Strich regelt die zufriedene Kundschaft das. 

Veröffentlicht: 22.07.2025
img Letzte Aktualisierung: 22.07.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
11 Kommentare
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Mehmet
06.09.2025

Antworten

Der Button "jetzt kostenpflichtig bestellen" sollte mit dem Button "jetzt 14 Tage unverbindlich testen" ausgetauscht werden.
Siegfried
23.07.2025

Antworten

Nach unseren Erfahrungen mit dem Widerruf gibt es diverse Gründe dafür, und da hilft kein Button für den Kunden, das ist genauso ein Blödsinn wie der OS-Link!! Es wäre viel sinnvoller, den Kunden vor der Bestellung zu selnsibilisieren, damit er auch wirklich prüft ob er das Richtige bestellt hat, dann ist in den meisten Fällen ein Widerruf überflüssig!!
Frank2
25.07.2025
Nsja, prüfen könnte er es bei manchen srtikeln wirklich nur wenn die Artikelbeschreibung wirklich mal besser werden, nicht nur blabla tein sondern technische Angaben oder bei Klamotten einfach mal die richtigen maße angeben...
MK
23.07.2025

Antworten

Wieder so eine Ausgeburt von Überregulierung der EU-Kommission, ähnlich dem klickbaren OSS-Link, der nur die Abmahnwirtschaft beflügelte. Das Ende vom Lied war die Einstellung der OSS-Plattform, weil sie niemand nutzte - was gut die Realitätsferne abbildet, in der die Damen und Herren leben. Aber immer noch mehr Regulierung und noch mehr Absprechen von Eigenverantwortung. Es erinnert schon ein wenig an Spätrömische Dekadenz: Je näher das Ende einer Kultur, desto verrückter ihre Gesetze.
Claudius
23.07.2025

Antworten

Nach meinen Erfahrungen als Kunde ist der Widerruf allein bei Amazon unkompliziert. Bei allen anderen Shops muss man schon mal sucnen und das kostet Zeit und Energie. Von dem her finde ich den Button aus Kundensicht eine echte Erleichterung.
Andreas
23.07.2025
Vor dem Kauf nachzudenken spart nicht nur Zeit und Energie, das spart auch Geld und belastet die Versand-Dienstleister weit weniger als sinnlose Bestellungen und somit auch sinnlose Widerrufe.
ralf
23.07.2025

Antworten

Wie kam man eigentlichauf diese Idee. Normalerweise ist es doch so, dass wenn man eine neue Regel erstellt, es vorher Probleme gab, die mit Hilfe der neuen Regel abgeschafft werden sollen. Die Frage ist halt, was war die Ursache oder das Problem beim Widerruf, welchen so einen Button nötig machen würde um das Problem zu lösen. Ich habe von Widerufsproblemen nie was gehört, höchsten, dass es mal Kunden gab, die ein Widerruf weit über die Widerrufsfrist hinaus tätigen wollten, aber das tangiert den Button nicht. Also welches Problem, dass existent ist, soll mit dem Button gelöst werden, oder geht es hier nur darum, dass man irgendwas macht, weil man sonst nix zu tun hat.
Yildiz
09.02.2026
Gratulation! Absolut klare und sinnvoller Kommentar. Ich wüsste auch nicht ob sich die Verbraucher jemals von Schwierigkeiten über ein widerruf beschwert haben. LG
dirk
23.07.2025

Antworten

Nun ja - Variante 1 scheitert nun ja schon daran, dass die meisten Online-Bestellungen heutzutage als Gast eingehen. Die meisten Kunden scheuen heutzutage den Aufwand, ein Kundenkonto anzulegen - auch aus Angst vor Missbrauch der Daten oder zuviel Werbe-Mails - was ja auch alles nicht ganz unbegründet ist. Zudem handelt es sich erfahrungsgemäß gerade bei Kunden, die häufiger und viel retournieren, eigentlich immer um Gast-Bestellungen - was die Frage aufwirft, ob diese ganz bewusst versuchen, sozusagen "unter dem Radar zu fliegen", weil sie meinen, dann fällt ihre hohe Retourenquote nicht auf. Die Sache mit der "Retourenfreundlichkeit sorgt für zufriedene (Stamm)kunden" halte ich zudem für ein vielverbreitetes Märchen. Das mag für Vollversorgungs-Plattformen wie Amazon, Otto, Kaufland etc. zutreffen, aber gerade, wenn es um Nischen-Shops geht, wo Kunden mal ein Produkt kaufen und ggf. zurückgeben, ist dieses Thema eher unwichtig. Man muss auch fragen, was der Mehrwert aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist, wenn die Rückgabe dem Kunden besonders gefällt - wenn also aus einem potentiellen Umsatz mit entstandenen Kosten, aber auch anteiligem Profit, plötzlich weitere Kosten bei vollständiger Rückzahlung der Einnahmen werden - also ein Verlust bezogen auf diese Transaktion und Kunden verbleibt. Tendenziell sind selbst Stammkunden, die routiniert und viel zurückgeben, unterm Strich kaum rentabel. Vor allem, weil diese Kunden die Retoure bei der Bestellung schon einkalkulieren - also z.B. mehrere Größen oder ähnliche Varianten eines Artikels bestellen. Nun ist aber der Personalaufwand sowie Kosten für Versand und Verpackung sowie dann die Retourenkosten pro verkauftem Artikel naturgemäß höher, wenn z.B. 4 Kleider bestellt und nur 1 behalten wird. Nun geht es nicht darum, Kunden Retouren unnötig schwer zu machen (was es auch vielfach gibt). Ein klarer Prozess sollte selbstverständlich sein. Aber es kann nicht schaden, beim Kunden auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Retouren negative Folgen haben: höhere Preise für alle durch höhere Kosten, hohe Umweltschäden durch Millionen Retourenpakete täglich etc. Vielen Kunden ist das gar nicht bewusst. Einigen aber schon. Es gibt tatsächlich Kunden, denen ist es sichtlich unangenehm, etwas zurückzuschicken - manche entschuldigen sich sogar dafür. Und wenn die verbreitete Erwartungshaltung - alles muss für mich umsonst sein - zumindest nicht mehr aktiv gefördert wird, wäre das schon ein Erfolg...
Hans
24.07.2025
Ich kann die Reaktion verstehen, nur sollte es dann auch wirklich, was die Größe betrifft, passen. Habe schon die Erfahrung gemacht bei Jeans. Wenn doch die Größe in Inch angegeben ist, so sollte dies auch stimmen. Ist aber leider nicht so. Es kommt ganz darauf an, wo das Kleidungsstück gefertigt wurde. Habe es ganz extrem bei Hemden mitbekommen. Wie kann ein Hemd eines namhaften Herstellers in der Größe S, gekauft in den USA in dessen Shop, passen und das gleiche Hemd, gekauft in D in dessen Shop selbst in L nicht passen??? Deshalb bestellen manche Kunden eben 2 Größen und schauen welche passt.
cf
23.07.2025

Antworten

Wir sollten einfach zu jedem Paket automatisch einen Abholauftrag nach 14 Tagen dazubuchen. Der Paketdienstleister klingelt dann und holt die Ware wieder ab, es sei denn, der Kunde widerspricht dann und unterschreibt, dass er sie wirklich behalten will. Selbstverständlich kann der Kunde dann den Tag und die Uhrzeit (24/7) für die Abholung vorher selber datenschutzkonform auswählen, damit ihm kein Nachteil entsteht und es schön bequem ist. Bei Bedarf trägt der Paketbote den Kunden auch mit einer Sänfte durch die Wohnung um beim Suchen und Einpacken behilflich zu sein.