Kauf auf Rechnung nur mit Briefzwang? E-Commerce schlägt Alarm

Veröffentlicht: 17.11.2025
imgAktualisierung: 17.11.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
17.11.2025
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Mann mit Smartphone und Kreditkarte in den Händen
Milkos / Depositphotos.com
Ein SPD-Vorschlag zur Verbraucherkreditrichtlinie sorgt für Aufregung: Kauf auf Rechnung soll nur noch mit Briefbestätigung möglich sein.


Ein Vorhaben der SPD-Bundestagsfraktion sorgt für erhebliche Besorgnis im deutschen E-Commerce. Nach Informationen der Wirtschaftswoche hat die Partei vorgeschlagen, dass Verbraucher:innen vor einem Kauf auf Rechnung oder per Ratenzahlung schriftlich per Post bestätigen müssen, dass sie die möglichen finanziellen Risiken verstehen. Ziel dieser Maßnahme sei es, Überschuldung zu vermeiden, heißt es. Zu weiteren Details will sich die SPD bislang nicht äußern.

Verbraucherkreditrichtlinie in den Startlöchern

Hintergrund des Vorschlags ist die EU-Verbraucherkreditrichtlinie, die bis zum 20. November 2025 in nationales Recht umgesetzt werden soll – und im kommenden Jahr dann greifen wird. Diese neue Regelung könnte weitreichende Konsequenzen für den deutschen Online-Handel haben. Neben Ratenkäufen betrifft sie auch den Kauf auf Rechnung, der in Deutschland eine der beliebtesten Zahlungsarten darstellt.

E-Commerce schlägt Alarm

Branchenexperten betonen, dass die geplanten Änderungen nicht nur den Handel erschweren könnten, sondern auch bei Kund:innen auf Widerstand stoßen dürften. Unternehmen wie Zalando und Otto haben sich bereits kritisch geäußert. Sie befürchten, dass die schriftliche Bestätigungspflicht den Online-Handel unnötig verkomplizieren und Verbraucher:innen dazu bewegen könnte, auf andere Zahlungsmethoden zurückzugreifen – vornehmlich solche von US-amerikanischen Anbietern. Eine Pflicht zur postalischen Bestätigung lasse sich „aufgrund des Medienbruchs nicht umsetzen“, heißt es von Otto.

Das Problem des Medienbruchs sieht auch Kai Pochmann, Business Line Lead bei Riverty, der Payment-Tochter des deutschen Bertelsmann-Konzerns: „Wer Verbraucher wirklich schützen will, muss CCD2 online umsetzen – genau da, wo die Menschen sich aufhalten, einkaufen und bezahlen. Eine Bestätigung per Post ist nicht zeitgemäß und ein Rückschritt für digitale Zahlungen.“

Zusätzlich warnen Experten vor einer zunehmenden Bürokratisierung, die sowohl für Händler:innen als auch für die Kundschaft eine erhebliche Belastung darstellen würde. Gleichzeitig könnte die neue Regelung internationalen Zahlungsanbietern, vor allem aus Nicht-EU-Ländern, in die Hände spielen, da diese unter Umständen von den Vorgaben nicht betroffen wären. Noch ist unklar, ob bei der Umsetzung der Richtlinie Ausnahmen für den Rechnungskauf möglich sein werden. „Wie groß der Spielraum dafür ist, ist ebenfalls Gegenstand der laufenden Diskussionen“, so SPD-Politikerin Nadine Heselhaus.

Digitalisierung oder Briefzwang?

Klar ist: Sollte sich der SPD-Vorschlag tatsächlich im Gesetz finden, dürfte die Kritik laut werden. Eine derartige Verkomplizierung geht an der Realität im Online-Handel vorbei und widerspricht darüber hinaus auch den Zielen der Bundesregierung. Im Zuge der Digitalisierungsoffensive sollen Schrifterfordernisse, wo immer möglich, abgeschafft werden. Ein Briefzwang beim Rechnungskauf wäre das genaue Gegenteil.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 17.11.2025
img Letzte Aktualisierung: 17.11.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
8 Kommentare
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Klaus
25.11.2025

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Was soll der Schwachsinn? Haben unsere gewählten Politiker nicht mehr alle beisammen? Gehen die Firmen dann zu US-Zahlungsanbietern? Was wird als nächstes verkompliziert? Was wird uns Bürgern als nächstes Verboten? Warum beabsichtigt die Politik Online-Geschäftsmodelle zu sabotieren und zu ruinieren? Beabsichtigt ide Politik noch mehr Menschen in die Sozialhilfe zu drücken, um sie dann zu drangsalieren?
Michi
22.11.2025

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Der Gedanke mit dem Umsatz-boostern bei der Post ist mir auch als erstes gekommen. Mei o Mei! Wie weltfremd das Ganze doch ist. Man darf gespannt sein, welche Auswüchse einem da noch präsentiert werden...
Gabi
22.11.2025

Antworten

Und wie soll das dann der Händler machen, wenn die Kunden per PayPal zahlen und dort Ratenzahlung oder nach 30 Tagen zahlen eingeben....frage für einen Freund. Nein im Ernst, es wird dem Onlinehändler das Leben nur schwerer gemacht, es macht keinen Spaß mehr.
Kerstin
20.11.2025

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Was soll der Quatsch denn? Wir haben einige Kunden, die grundsätzlich nicht per Paypal, AmazonPay o.ä. kaufen möchten oder können. Der überwiegende Teil unserer Kunden ist im gehoberen Alter und die sind mit Kauf auf Rechnung aufgewachsen und zahlen auch zuverlässig. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil das nicht versehen wird und vom Kauf absieht. Mal ganz davon abgesehen, dass die Brieflaufzeiten teilweise eh unterirdisch sind und man als Verkäufer jeden Brief erstmal zuordnen muss, natürlich digitalisieren, egal unser Hauptgeschäft ist schon lange nicht mehr der eigentliche Verkauf. Aber macht ja nichts, es boomt ja eh überall und ein bisschen mehr Papierkram macht dann auch nichts mehr aus *lächel*
SD
18.11.2025

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Haben wir heute den 1. April ?
Dirk
18.11.2025

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Wie weltfremd ist die SPD denn? Das darf doch nicht wahr sein, dass so ein Vorschlag in 2025 noch ernsthaft in Erwägung gezogen wird. Wir (Onlinehandel) werden zumindest keine Briefe empfangen und senden. Irrsinn liebe SPD. Denkt mal nach !
Ralf
18.11.2025

Antworten

Ich kenne keine Partei die so Welt- und Alltagsfremd geworden ist, wie die SPD. Da können selbst die Grünen nicht mehr mithalten. Da hatte es ja irgendwo noch einen Sinn. Aber immerhin Briefpost und nicht einen Aussendienst Mitarbeiter der persönlich mit den Formularen zum Unterschreiben vorbeikommen muss. Da stellt sich die Frage, ob da ein Geldköfferchen oder Vorstandsposten gewechselt hat, damit bei der Deutschen Post die Briefmenge sich weiter erhöhen kann. Denn eine weitere Gewinnsteigerung wird für die die Deutsche Post wird schwierig, noch mehr Personal entlassen und höhere Preise und schlechteren Leistung um die Aktionäre zufriedenzustellen, wird da nicht mehr drin sein. Die Frage ist aber, ob ein einfacher Brief reicht oder doch ein Zustellnachweiß benötigt wird. Bei manchen Vorschlägen die aus der Politik kommen, könnte man wirklich Korruption vermuten. Deswegen kommen wir ja auch hier im Land nicht mehr weiter.
cf
17.11.2025

Antworten

Wer das vorgeschlagen hat, hat doch sicher einen Deal mit der Post... Und das bei der langen Brieflaufzeit.... Es müsste dann aber per Einschreiben Persönlich mit Unterschrift erfolgen (als Nachweis). Am besten könnte man das auch für alle Einkäufe machen. Wenn ich demnächst bei Aldi an der Kasse bezahlen will, dann schicken die mir den Bon per Post und wenn ich diesen Kauf bestätigt habe, dann darf ich danach die Ware im Laden abholen.