Handel will Zölle für Billigwaren aus China einführen

Veröffentlicht: 04.08.2025
imgAktualisierung: 04.08.2025
Geschrieben von: Hanna Behn
Lesezeit: ca. 2 Min.
04.08.2025
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Das Logo des Online-Marktplatz Temu wird auf einem Smartphone-Bildschirm dargestellt, im Hintergrund ist ein Ausschnitt der Website zu sehen.
MuhammadAlimak / Depositphotos.com
Zollmaßnahmen haben das US-Geschäft von Plattformen wie Temu und Shein geschwächt. Auch hierzulande werden nun strengere Regeln gefordert.


Plattformen wie Temu, AliExpress oder Shein gewinnen in Deutschland immer mehr Marktanteile, während etablierte Marktplätze wie Amazon, Ebay oder Otto eher Kund:innen verlieren. Das führt nicht nur zu einem höheren Warenzustrom an billigen Produkten, sondern erhöht auch den Druck auf hiesige Händler:innen.

„Unsere Händler erfüllen hohe Standards und haften für alles, was sie verkaufen. Bei Direktimporten aus Drittstaaten gibt es keine effektive Haftung. Diese Wettbewerbsverzerrung müssen wir dringend abstellen“, kritisiert Stephan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), im Interview mit t-online. Er fordert deshalb, Zölle gegen die Billigimporte aus China einzuführen. Vorbild seien die USA.

So geht die USA gegen Temu vor

Die USA hatten Ende April eine Reihe von komplexen Zollbestimmungen erlassen, um dem florierenden US-Geschäft der chinesischen Anbieter einen Riegel vorzuschieben. Seit Anfang Mai gilt die sogenannte De-minimis-Regel nicht mehr für Waren aus China, wenn Plattformen diese z. B. systematisch umgehen. So war es Temu und Shein bis dato möglich, Produkte im Wert von unter 800 US-Dollar zollfrei ins Land einzuführen und sie dadurch günstiger an Verbraucher:innen zu verkaufen. Stattdessen kann nun bereits für Sendungen mit geringem Warenwert eine Zollgebühr anfallen.

„Die Folge: Die Temu-App gibt es dort nicht mehr. Das kann auch Teil der Lösung in Europa sein“, meint HDE-Chef Genth. Temu hat bereits etwa 25 Prozent Umsatz sowie etwa ein Fünftel seiner Neukund:innen in den USA eingebüßt, zeigten Analysen von Anfang Mai.

„Temu und Shein den Stecker ziehen“

Etwa 400.000 Pakete würden täglich aus China eintreffen, viele Produkte seien „schlicht Schrott“, so Genth unter Berufung auf Tests von Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest.

Auch für diese sollte zügig die Zollfreigrenze abgeschafft werden. Diese greift in Europa bei einem Warenwert von 150 Euro und soll im Jahr 2028 fallen. Der HDE fordert, dass sie bereits im nächsten Jahr abgeschafft wird. Notfalls müsse man „Temu und Shein den Stecker ziehen, bis diese Plattformen nachweisen, dass sie sauber arbeiten“. Ein Verbot der Plattformen wird auch von einem Großteil deutscher Verkäufer:innen befürwortet. 78 Prozent stimmten dafür, wie eine Bitkom-Umfrage ergab.

Die Bundesregierung unterstützt Maßnahmen gegen die Plattformen und setzte sich u. a. im Rahmen eines Treffens der EU-Finanzminister:innen Ende Juni für eine Reform der Zollunion ein.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 04.08.2025
img Letzte Aktualisierung: 04.08.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Hanna Behn

Hanna Behn

Hanna widmet sich am liebsten den Themen E-Commerce-Trends, Leadership und Unternehmertum.

KOMMENTARE
4 Kommentare
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Jeanette Van Kemper
05.08.2025

Antworten

So richtig verstehen tue ich das nicht letztendlich kommt doch alles aus China was wir als Verbraucher für ein Apfel und ein Ei kaufen können und das ist doch auch furz egal ob das Klamotten sind oder alles andere. Ich kann auch nach Trigema gehen und mir da ein T-Shirt oder Poloshirt für den X fachen Preis kaufen das ist dann halt in Deutschland produziert aber wer kann sich das denn leisten? Es geht hier mal wieder die Politik viel zu weit und ich hoffe nur dass sie sich von den Händlern nicht instrumentalisieren lassen. Aber man ist ja schon dabei Jetzt wird die Qualität von Temu und Co. schlecht gemacht. Doch dabei handelt es sich Um genau die Produkte wo 90 % der Artikel am Markt herkommen nämlich aus China Pakistan und so weiter nur halt mit dem unterschied dass sich die Händler dazwischen drängen und als Wiederverkäufer fungieren wollen Halt als Stufe dazwischen die eigentlich keiner braucht. Das verteuert die Ware nur und wirft die Bevölkerung Dir sich immer weiter auf splittet in Arm und Reich enorm zurück denn die können sich jetzt nichts mehr leisten wenn solche Gesetze dann entstanden sind. Also ich bin bisher mit Temo, Shein und aliExpress gut gefahren. Na klar manchmal ist auch ein wenig Schund dabei Aber in der Summe ist es immer noch weniger als die Hälfte als wenn ich beim deutschen Händler kaufe. Was ist das für ein komisches Wirtschaftssystem was darauf basiert dass man da noch eine Person ein Unternehmen zwischen setzt Um dann letztendlich den gleichen Artikel zu verkaufen das ist doch keine Wertschöpfung das ist keine Effektivität und mich als Ingenieurin widert sowas einfach an. Sollen doch diese Händler Leute die so überflüssig sind wie ein Kopf doch lieber etwas vernünftiges lernen Wie Krankenpfleger Arzt Oder Halt irgendwo als Handwerker die händeringend gesucht werden fungieren. Oder aber Als Wissenschaftler oder ähnlich Deutschland wieder stark machen aber doch nicht so bitte schön sich da wie eine Made im Speck einfach dazwischen zwingen sowas nennt man Kuckucks Verhalten wer will denn sowas? Wie blöd und unempathisch muss man sein Um sowas zu tun?
Alex
05.08.2025
Gott schick Hirn.
S.
07.08.2025
Es besteht scheinbar auch eine signifikant hohe Nachfrage nach Deutschlehrkräften ...
dirk
05.08.2025

Antworten

Die De-minimis-Grenze ist doch gar nicht das Problem. Was soll das bringen, wenn die Temu-Import-Päckchen theoretisch um 33% Zoll und Steuern teurer werden (12% China-Standard-Zollsatz plus 19% EUSt.) Dann kostet das Billig-Kleidchen statt 12 halt 16 Euro. Nur - wer soll das kontrollieren und abrechnen? Schon jetzt kann der Zoll ja nicht mal einen Bruchteil der Sendungen kontrollieren. Zudem umgehen Temu und Shein derartige Probleme bereits mit lokalen Zwischenstationen, in dem Sie große Sammel-Sendungen per Luftfracht an deutsche Lager schicken, und von da geht es dann als DHL-Kleinpaket innerdeutsch weiter. Wenn der Zoll einen solchen Sammel-Import abfertigen würde - sagen wir mal dieses übliche China-Block-Paket Größe 60x40x40cm, das 50 kleine Einzelbestellungen enthält, tw. mit mehreren Produkten, fertig als Bestellung konfektioniert in Polybeuteln, außen mit Barcode pro Bestellung, so dass sie nur noch neu mit deutschem Versandlabel versehen werden müssen - wie wollte der Zoll so eine Sammel-Sendung in der Realität kontrollieren, selbst wenn dem eine ordnungsgemäße Zollanmeldung beiliegt - eben eine Liste mit 150 verschiedenen Kleinartikeln in 80 verschieden TARIC-Produktgruppen... Die korrekte Abrechnung würde wahrscheinlich einen ganzen Arbeitstag dauern... Na, Herzlichen Glückwunsch! Ja, vielleicht würde das die Billig-Flut für eine gewisse Zeit etwas bremsen, aber über kurz oder lang, wird der nächste China-Händler mit neuem Konzept und neuer Strategie auf der Matte stehen. Viel schlimmer ist die Art und Weise, wie diese Plattformen den Kunden ihre Produkte aufdrängen, mit verheißungsvollen Gewinnspielen (Tablet umsonst usw.), Umsonst-Aktionen, immer größere Rabatte - und dabei jegliche EU-Gesetze ignorieren. Nicht nur, dass es bei vielen Produkten kaum ausreichende Detail-Informationen gibt (Materialzusammensetzung usw.), dass bei vielen Produkten das Widerrufsrecht ausgeschlossen wird (z.B. grundsätzlich bei reduzierten Artikeln, wobei natürlich eigentlich alles reduziert ist), in den letzten Schritten bis zum Kaufabschluss sieht man nicht mehr, was man eigentlich gerade kauft und zu welchem Preis (es gibt keine Übersicht als letzten Schritt), und was man als kostenlose Dreingabe bekommt, auch Lieferzeiten etc. sind eigentlich nur grobe Hinweise. GPSR? Was ist das? Verbraucherverbände versuchen zwar dagegen vorzugehen, aber im Vergleich zu dem, was deutsche und europäische Händler einhalten müssen, müsste man Temu & Shein sofort verbieten.