EU-Streit um Wurst & Worte: Wie viel Fleisch muss im Namen stecken?

Veröffentlicht: 08.10.2025
imgAktualisierung: 08.10.2025
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
08.10.2025
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Verwirrter Mann mit Veggiwurst-Verpackung vor einem Regal voller identisch aussehender Würste.
Erstellt mit KI
Die EU plant ein Verbot von Bezeichnungen wie „Schnitzel“ und „Burger“ für Fleischersatzprodukte. Kritik kommt auch aus der Wirtschaft.


Das Europaparlament hat sich mehrheitlich für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, die Begriffe wie „Burger“, „Schnitzel“ oder „Wurst“ für vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte verbieten soll. Die Entscheidung ist noch nicht endgültig und geht nun in die Verhandlungen mit den 27 EU-Mitgliedstaaten. Wie die Länder dazu stehen, bleibt unklar.

Kritik von Verbraucherschützern und wirtschaftliche Folgen

Befürworter argumentieren, das Verbot stärke den Verbraucherschutz und schütze Landwirte. Gegner wie Foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann halten laut dem Spiegel dagegen: Niemand kaufe versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaube, es seien Rinderwürste. Auch Unternehmen wie Aldi Süd, Lidl und Beyond Meat kritisieren das Vorhaben. Laut Branchenvertretern könnte ein Verbot den Verkauf erschweren und insbesondere Deutschland wirtschaftlich schaden. Selbst der Fastfood-Riese Burger King hat sich gegen das Verbot ausgesprochen. Begriffe, wie „Schnitzel“ und „Salami“ böten Verbraucher:innen Orientierung.

Folgefrage: Was wird mit „Vöner“, „Vurst“ und Co.?

Schon jetzt verwenden einige Unternehmen nicht die Bezeichnungen der Vorbilder. Da wird wie beim „Vöner“ oder der „Vurst“ einfach ein V dazu gemogelt; oder man findet gleich kreative Wortschöpfungen, wie etwa Cordon Bleuff (The Vegetarian Butcher).

Mit dem geplanten Verbot stellt sich daher zwangsläufig die Frage, wie solche Kunstwörter künftig bewertet werden. Im Verbraucherschutz geht es schließlich um den Schutz vor Irreführung – aber traut man Verbraucher:innen wirklich nicht zu, beim schnellen Einkauf ein „V“ nicht mit einem „W“ zu verwechseln? Schließlich möchte man ihnen offenbar nicht einmal zutrauen, Produkte, mit dem klaren Zusatz „vegetarisch“ oder „vegan“ als eben solche zu erkennen.

Veröffentlicht: 08.10.2025
img Letzte Aktualisierung: 08.10.2025
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
6 Kommentare
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cf
10.10.2025

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Nur mal so: Wer von euch hat in letzter Zeit beim Kauf von Scheibenkäse mal genau hingesehen ob es tatsächlich Käse ist, oder Analogkäse? Da steht auch nur Käse und der Rest dann im Kleingedruckten. Ich würde aber ein Milchprodukt erwarten wenn ich Käse kaufe - warum, sei einfach mal dahingestellt.
Markus
09.10.2025

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Ist wahrscheinlich von der Fleischindustrie initiiert. Ich denke die Verbraucher haben genug Verstand zu unterscheiden, ob Fleisch drin ist oder nicht. Und falls sie mal das Falsche erwischen ist das nicht lebensbedrohlich – es könnte sogar sein, dass es ihnen schmeckt.
Jules
09.10.2025

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Jeder der sich DAFÜR ausspricht lebt einfach rückständig. 1. Vegetarische Alternativen sind heutzutage Standard. 2. Wer NICHT in der Lage ist, selbstständig den Unterschied zu erkennen, der kippt sich wahrscheinlich auch ScheuerMILCH in den Kaffee. Solche Leute und solche rückständigen Ansichten und Entscheidungen sind der Grund, warum es nach und nach immer schlimmer wird. Ihr seid wahrscheinlich auch noch gegen digitale Buchführung und Digitalisierung im Allgemeinen oder?
Varth Dader
09.10.2025

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Bei so etwas fällt es mir schwer, sachlich zu bleiben :D Herr Methmann hat absolut recht: Wer zum Geier hat schon mal versehentlich Tofu-Würstchen statt Rindswürstchen gekauft? Zudem ist es doch so, dass ja explizit damit beworben wird - auch auf jeder Produktverpackung, dass es sich um ein fleischloses Produkt handelt, Menschen kaufen es ja bewusst, weil sie bewusst danach greifen.
Klaus
09.10.2025

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Na hoffentlich wird dann auch endlich Leberkäse und Lachschinken umbenannt...Als gäbe es nichts wichtigeres.
cf
09.10.2025

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Meinung: Ich finde das Verbot richtig. Ein Schnitzel ist z.B. nunmal spezifiziert als "dünn geschnittene Fleischstücke". Und auch wenn in Leberwurst nur noch sehr wenig Leber enthalten ist, muss dennoch welche drin sein. Wie soll das vegan möglich sein? Und warum sollte die Branche deshalb Verluste haben? Das kann ja nur deshalb sein, weil derzeit Menschen wirklich versehentlich vegane Schnitzel kaufen, weil es unklar auf der Verpackung steht. Ich persönlich mag viele vegane Dinge auch - aber warum hat die Branche offenbar Angst davor offen zu ihren Produkten zu stehen? Wer ein gutes Produkt hat, sollte darauf stolz sein und es nicht unter "falschem Namen" verstecken...