EU beschließt neue Mehrwertsteuer-Regeln: Online-Marktplätze in der Pflicht

Veröffentlicht: 13.02.2025
imgAktualisierung: 13.02.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
13.02.2025
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Euro-Banknoten
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Die EU hat Änderungen an der Mehrwertsteuerrichtlinie festgelegt. Für Händler soll es einfacher werden, Marktplätze bekommen neue Pflichten.


Das EU-Parlament hat am Mittwoch Änderungen an der Mehrwertsteuerrichtlinie gebilligt. Die Handhabe der Mehrwertsteuer im Online-Handel wird sich damit künftig deutlich ändern. Bis 2030 soll die Richtlinie umgesetzt werden. Große Online-Marktplätze müssen dann die Mehrwertsteuer selbst abführen, wenn die Händler:innen dies nicht tun. Dies werde einer Marktverzerrung ein Ende setzen, da ähnliche Dienstleistungen in der traditionellen Wirtschaft bereits der Mehrwertsteuer unterliegen, heißt es in einer Mitteilung des Parlaments. Mit der Neuregelung ende der Preisvorteil von Marktplätzen durch Steuervermeidung.

Mit den Änderungen an der Richtlinie sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen entlastet werden. So wird den Mitgliedstaaten etwa die Möglichkeit eingeräumt, KMU von der neuen Mehrwertsteuerregelung zu befreien. Da allerdings die wenigsten Marktplätze kleine oder mittlere Unternehmen sind, dürfte diese Befreiung nicht viele betreffen.

Digitalisierte Mehrwertsteuermeldepflichten

Wirklich bedeutsam für alle Online-Händler:innen: Mit dem Update der Richtlinie sollen Mehrwertsteuermeldepflichten für grenzüberschreitende Transaktionen bis 2030 vollständig digitalisiert werden. Unternehmen können dann elektronische Rechnungen für grenzüberschreitende B2B-Transaktionen ausstellen und die Daten automatisch den jeweiligen Steuerbehörden melden. Dies soll die Behörden in die Lage versetzen, Mehrwertsteuerbetrug effektiver zu bekämpfen.

Entlastung mit Mehrwertsteuer-One-Stop-Shop

Damit an dieser Stelle nicht das nächste Bürokratiemonster entsteht, sondern tatsächlich eine Entlastung für Händler:innen eintritt, sollen die Online-Mehrwertsteuer-One-Stop-Shops gestärkt werden. Die Idee: Grenzüberschreitend tätige Unternehmen sollen ihren Mehrwertsteuerpflichten über ein einziges Online-Portal und in ihrer jeweiligen Muttersprache nachkommen können. Ob das funktioniert wie geplant, wird sich zeigen müssen.

Die Aktualisierung der Mehrwertsteuerrichtlinie ist bereits seit 2022 in Planung und gehört zum EU-Paket „Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter (ViDA)“. Mitgliedstaaten werden nach Berechnungen der EU-Kommission bis zu elf Milliarden Euro an entgangener Mehrwertsteuer pro Jahr zurückerhalten. Unternehmen sollen durch die Neuerungen jährlich über vier Milliarden Euro an Compliance-Kosten und fast neun Milliarden Euro an Registrierungs- und Verwaltungskosten einsparen.

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Veröffentlicht: 13.02.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
8 Kommentare
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SW
15.02.2025

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Wegen dem Verpackungsmittelgesetz habe ich meinen Verkauf nur noch auf landesweit umgestellt und habe dadurch auch entsprechend weniger Umsatz, eigentlich zu wenig. Doch ich könnte nicht für jedes einzelne Land die gesetzlichen Vorschriften erfüllen, rein finanziell unmöglich bei jeweils nur wenigen Sendungen im Jahr in einige andere EU-Länder und verwaltungstechnisch ein No-Go für mich als Einzelhändler. Das Verpackungsmittelgesetz hat den freien Handel innerhalb der EU für kleine Händler kaputt gemacht, vielen Dank an die EU und dass dieses Problem für kleine Selbstständige mit vergleichsweise wenig Umsatz komplett ignoriert wird. Man muss als eine Person den gleichen Wust an Verwaltungarbeiten aufbringen wie ein großer Händler mit vielen Mitarbeitern und ganz anderen Möglichkeiten. Man hätte wenigsten Versandmengengrenzen berücksichtigen müssen, beim Mwst. Gesetz tut man das doch auch. Das eigentliche Problem der Abfallbeseitigung verstehe ich und auch, dass jedes Land möglichst viel dafür tun möchte, doch der Aufbau solcher Hürden für Händler innerhalb der EU ist ungerecht. Grenzabbau war gestern und ist nur noch eine schöne Idee, zersplittert von Gesetzen zur Unterdrückung des freien Handels. Sammelklage gegen die EU? Ich wäre dabei.
carsten
19.03.2025
Die einzelnen EU-Länder verfolgen eine Politik, die auf den Schutz des stationären Handels ausgerichtet ist. Dies zeigt sich in der Ablehnung des grenzüberschreitenden Onlinehandels. Der Onlinehandel wird durch die Verpackungsverordnung reguliert, was jedoch zu komplexen Verwaltungsprozessen führt, da für jedes der 27 EU-Länder eine separate Registrierung erforderlich ist. Eine praktikable Lösung könnte darin bestehen, eine Freigrenze von 20 Paketen pro Jahr pro Land einzuführen.
cf
14.02.2025

Antworten

Ich habe über die Seite der EU (Unterstützungsplattform für Unternehmen) eine entsprechende Anfrage dazu gestellt, warum es kein EU-weites Verpackungsregister mit zentraler Abgabe, ähnlich dem one-stop gibt. Hier die "hochqualifizierte" Antwort (vielen Dank für diese tolle Unterstützung): "Unter den verschiedenen Maßnahmen, die zur Überwachung und Überprüfung der Einhaltung der EPR-Vorschriften zu ergreifen sind, können die Mitgliedstaaten spezifische Anforderungen, einschließlich der Registrierung, festlegen, die die Hersteller, die über EPR verfügen, für die entsprechenden Produkte erfüllen müssen. Daher gibt es kein einziges EU-weites EPR-Herstellerregister. Stattdessen gibt es nationale EPR-Herstellerregister, die von den zuständigen Behörden in den Mitgliedstaaten verwaltet werden. Außerdem können die EPR-Herstellerregister je nach den Produkten und den damit verbundenen Abfallströmen, die von den EPR-Systemen erfasst werden, unterschiedlich sein. Es wird daher empfohlen, sich mit den nationalen Behörden in den Mitgliedstaaten in Verbindung zu setzen, um die Links zu den nationalen EPR-Herstellerregistern herauszufinden."
Hendrick
14.02.2025

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Wann wird das Ganze endlich im Bereich Verpackungsmüll und Elektronikschrott umgesetzt? Normalerweise sollten sich alle Händler zusammentun und die EU verklagen, da es unmöglich ist diese Gesetze umzusetzen, weder zeitlich noch kostentechnisch. Kleine Händler werden somit vom EU Markt ausgeschlossen!
TT
14.02.2025

Antworten

ich hab auch keine Hoffnung, dass es hier damit eine Besserung gibt. Ich bin dropshipper und lasse durch meine auch deutschen Hersteller die Ware direkt zum Kunden schicken. Das ist einfach, wenn der Kunde auch in Deutschland sitzt. Sitzt der jedoch in einem anderen Land, z.B. Österreich, schon wird es bescheuert. Versendet der Hersteller in meinem Auftrag nach Österreich und erstellt das VErsandlabel, so bekomme ich eine Rechnung mit 20%. Diese führt dieser dann nach OE ab, ich jedoch, da keine österreicherische Steuernummer zahle das von meinem Gewinn und bekomme ich nicht zurück. Lösung wäre für alle EU Länder eine STeuernummer zu erhalten. Na diese Kosten und die Bürokratie dazu. DAnke nein. Lösung: statt sein Versandlabel, bekommt er meines per email, klebt es auf und schon passt es. Gottseidank gibt es diese steuerrechtliche Lösung. Verstehen tue ich das dennoch nicht.
K.I
14.02.2025

Antworten

Meinung: Weshalb gibt es keine Bemühungen die Abfall und Entsorgungsgebühren über ein einziges Online-Portal in ihrer jeweiligen Muttersprache zu implementieren? Oder ist an dieser Stelle die Müllmafia zu stark?
deutscher Onlinehändler
14.02.2025

Antworten

Im Bezug auf grenzüberschreitenden Handel habe ich jede Hoffnung und jeden Glauben an die EU verloren! Die Mehrwertsteuer ist ja noch das kleinste Übel. Verpackungsmüllgesetze und Elektronikmüllgesetze machen es kleineren Händlern unmöglich diese Kleinstaaterei in der EU zu beliefern. Das haben sich einfach nur dumme Menschen ausgedacht. Es wäre so einfach, indem Land wo der Shop existiert, fällt die Steuer und alle anderen Abgaben an. Wenn der europäische Kunde in einem deutschen Baumarkt etwas kauft, kommt auch keiner auf die Idee, dass der Baumarkt den Elektromüll in dessen Heimat bezahlen muß. Wir fordern eine Gleichstellung Onlinehandel und stationären Handel!
M.G:
17.02.2025
So wie ich das sehe, hat sich bei den Verpackungen die EU nicht durchsetzten können. Die einzelnen Staaten bestehen auf ihren nationalen Lösungen. Bei den Steuern hat eine EU-weite Regelung geklappt. Es ist also nicht Brüssel das Problem, sondern die Kleinstaaterei.