CDU fordert Schluss mit „Lifestyle-Teilzeit“ – Experten warnen

Veröffentlicht: 26.01.2026
imgAktualisierung: 26.01.2026
Geschrieben von: Hanna Hillnhütter
Lesezeit: ca. 3 Min.
26.01.2026
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Person arbeitet, Wecker im Vordergrund
coffeekai / Depositphotos.com
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, will der Wirtschaftsflügel der CDU das Recht auf Teilzeit stark einschränken.


Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) will den Fachkräftemangel bekämpfen, indem das Recht auf Teilzeit eingeschränkt werden soll. „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“, heißt es in einem Antrag, der Ende Februar auf dem Bundesparteitag beschlossen werden soll. Kritik bekommt der Wirtschaftsflügel der CDU auch von Kollegen aus der eigenen Partei. 

Zahl der Erwerbstätigen in Teilzeit steigt

Die Zahl der Erwerbstätigen, die in Teilzeit arbeiten, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Im zweiten Quartal 2025 hat die Quote mit über 40 Prozent ein Rekordhoch erreicht, wie die Tagesschau berichtete. Gerade in Branchen wie Pflege und Erziehung ist die Teilzeitquote stark gestiegen. Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, während lediglich 12 Prozent der Männer in Teilzeit arbeiten. Dabei ist die Erwerbstätigkeit von Frauen seit dem Jahr 2005 um 15 Prozentpunkte von gut 59 Prozent auf 74 Prozent gestiegen, so das Statistische Bundesamt. Der Anstieg der Teilzeitquote geht mit dem Anstieg der Erwerbstätigkeit insgesamt einher. Ein Großteil der Teilzeitbeschäftigten war zuvor nicht erwerbstätig. Gerade die Erwerbstätigkeit von Müttern ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. 

Recht auf Teilzeit 

Bisher hat jeder Arbeitnehmer in Deutschland grundsätzlich das Recht auf Teilzeitarbeit, wenn das Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate bestanden und der Arbeitgeber mehr als 15 Beschäftigte hat. Mit dem Vorschlag der CDU soll dieses Recht eingeschränkt werden. Der Rechtsanspruch auf Teilzeit soll dann nur noch mit einer „besonderen Begründung“ bestehen, wie unter anderem die Tagesschau berichtete. Dazu gehören etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder die berufliche Weiterbildung.

„Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“, äußerte sich die MIT-Vorsitzende Gitta Connemann. „Freiwillige Teilzeit aus Gründen der individuellen Lebensgestaltung“ dürfe nicht dauerhaft durch den Sozialstaat abgesichert werden. 

Kritik auch von Parteikolleg:innen

Kritisiert wird der Vorschlag auch aus den eigenen Reihen, so etwa von Dennis Radtke, Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft: „Mit einer solchen Einschränkung zäumen wir das Pferd von der falschen Seite auf“, so Radtke. Damit mehr Leute von Teilzeit in Vollzeit wechseln, müssten nach Radtke zunächst die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege verbessert werden. 

Die Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten äußert bereits jetzt Gründe für die Teilzeit. Knapp die Hälfte der betroffenen Frauen betreuen Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Etwa zehn Prozent der Teilzeitbeschäftigten würden bereits jetzt gerne mehr arbeiten, finden allerdings keine Stelle. 

Einschränkung könnte zu weniger Beschäftigung führen

Ökonomen warnen zudem davor, dass eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit gerade zu weniger Beschäftigung führen könnte, wie der Spiegel berichtete. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, gab zu bedenken, dass eine Einschränkung des Rechts den Unternehmen und der deutschen Wirtschaft großen Schaden zufügen könnten. Die Beschäftigung würde sich dabei eher reduzieren, anstatt erhöhen, da der Vorschlag stark gegen die Wünsche der Arbeitnehmer geht. 

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) merkt zudem an, dass ein erheblicher Teil der Teilzeitbeschäftigten dies nicht freiwillig tut. „Wenn alle Teilzeitbeschäftigten ihre Wünsche nach mehr Arbeitsstunden realisieren könnten, entspräche das 1,4 Millionen Vollzeitstellen“, so IAB-Arbeitsmarktexperte Enzo Weber. Weber sieht auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung, als vernünftiges Mittel, um mehr Vollzeitbeschäftigung zu erreichen. 

Kritik auch von der Opposition

Auch Politiker:innen der Grünen und der Linkspartei äußerten scharfe Kritik an dem Vorstoß der CDU. So etwa Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge. Sie kritisierte, dass der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ ein falsches Bild der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen zeichnet. Auch Ines Schwerdtner, Vorsitzende der Linkspartei, spricht sich gegen den Vorschlag aus. In der Rheinischen Post spricht sie von „der nächsten Attacke auf hart arbeitende Menschen, besonders Frauen“.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 26.01.2026
img Letzte Aktualisierung: 26.01.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Hanna Hillnhütter

Hanna Hillnhütter

Hanna hat die juristischen Entwicklungen im Blick – mit Fokus auf Abmahnungen, Wettbewerbsrecht und aktuelle EU-Verordnungen.

KOMMENTARE
8 Kommentare
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Andree
02.02.2026

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Wieder einmal hat man als Politiker nicht weit genug gedacht. Es gibt laufend neue Steuern, damit bestimmte Dinge unattraktiv werden: Fliegen, Alkohol, CO2 Abgabe etc Man verbietet es nicht, man macht es unattraktiv über die Kosten. So ist es hier auch: Wenn man sich ansieht, was alles beim Lohnzettel abgezogen wird sieht man, dass man das Arbeiten unattraktiv gemacht hat. Daran ändert man auch nichts, weil. man die Einnahmen auch ob der riesigen Schulden braucht, zumal die freie Wirtschaft nicht mehr wächst, sondern nur noch der staatliche Wasserkopf.
Daniel Bohnacker
28.01.2026

Antworten

Das muss man schon den Arbeitnehmer überlassen wieviel Geld er zum Leben benötig, wieviel Zeit der Arbeitnehmer aufbringen kann. Arbeitsweg...Sonstige Verpflichtungen....
cf
27.01.2026

Antworten

Wir könnten ja in der Politik anfangen und wir zahlen Politiker nur noch nach Produktivstunden: Wenn im Bundestag Reden ohne Ergebnisse nach der SMART-Formel geschwungen werden, oder einfach nur minutenlang über andere Parteien gelästert wird, dann gilt das als unbezahlte Zeit. Nur noch die echte Produktivzeit wird mit Mindestlohn + Bonus für sinnvolle neue Verordnungen bezahlt. Wer dann noch freiwillig Politiker wird, der will wirklich etwas verändern und nicht nur schnellstmöglich eine gute Altersvorsorge aufbauen....
K.I
27.01.2026

Antworten

Meinung: So wehrt die CDU / CSU also die AfD ab? Ganz im Gegenteil! Es treibt viele blind und dumm dort hin! Mit der AfD ( die nach der nächsten Bundestagswahl an die Regierung kommt) wird es genau die Zustände geben wie jetzt aktuell in den USA! Danke CDU, CSU und SPD! Dann kommt wieder von den "etablierten" Parteien wir müssen das Wahlergebnis erst einmal in Ruhe analysieren! Es ist zu spät! Die aktuelle Bundesregierung ist mit ihrer "Politik" Schuld an diesem chaotischen Zuständen! Wichtig scheint nur noch Selbstbereicherung und das unterstützen der Lobbyisten zu sein! In den USA ist ein 79 jähriger, seniler und verurteilter Straftäter Präsident, in Deutschland ein 70 jährigen Kanzler und Jens Spahn Mitglied des Deutschen Bundestages und Fraktionsvorsitzender. - Gute Nacht Deutschland!
JK
27.01.2026

Antworten

Arbeitszwang statt Wirtschaftsfreiheit – Die CDU auf Abwegen Es ist bezeichnend: In einer Zeit, in der der deutsche Einzelhandel und der Mittelstand unter einer Rekordlast aus Bürokratie, Energiekosten und Konsumflaute ächzen, fällt der CDU als „Lösung“ nichts Besseres ein, als die Abschaffung der Teilzeit ins Spiel zu bringen. Dieser neueste Vorstoß ist an Ignoranz kaum zu überbieten. Anstatt die Bedingungen so attraktiv zu gestalten, dass sich Leistung wieder lohnt, setzt man auf Bevormundung. Man verlangt, dass die Menschen länger und mehr arbeiten, während gleichzeitig die staatliche Infrastruktur bröckelt und die Steuerlast jede Extrastunde im Keim erstickt. Besonders bitter stößt dabei die Attitüde von Kanzler Friedrich Merz auf. Wer Unternehmer und Bürger, die unter diesen Bedingungen das Land am Laufen halten, als „larmoyant“ (weinerlich) tituliert, hat den Kontakt zur Basis endgültig verloren. Während der Kanzler in der tiefsten Krise wochenlang abtaucht und sinnhafte Vorschläge aus reinem parteitaktischen Kalkül blockiert werden, wird uns von oben herab erklärt, wir seien zu wenig einsatzbereit. Der Blick über den Tellerrand macht die Misere noch deutlicher: In Argentinien zeigt Javier Milei gerade, was passiert, wenn man das ursprüngliche Konzept der CDU – die Soziale Marktwirtschaft eines Ludwig Erhard – tatsächlich ernst nimmt. Durch Deregulierung und den Fokus auf echte Wachstumsanreize führt er sein Land zurück an die Weltspitze. Und was macht Herr Merz? Er kritisiert Milei deutlich, anstatt sich zu fragen, warum man im eigenen Land die Erhard’schen Prinzipien der Freiheit und Eigenverantwortung längst gegen staatliche Gängelung und Arbeitszwang-Debatten eingetauscht hat. Mein Fazit: Wir brauchen keine Politik, die uns vorschreibt, wie viele Stunden wir zu arbeiten haben, während sie selbst bei den Lösungen für die Krise auf Tauchstation geht. Wir brauchen keine arroganten Zurechtweisungen aus dem Elfenbeinturm. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf echte wirtschaftliche Freiheit – so wie Milei sie vorlebt und wie sie die CDU früher einmal stolz in ihrem Programm stehen hatte.
Mk
27.01.2026

Antworten

Lohnnebenkosten senken. Den Arbeitgebern und Arbeitnehmer mehr finanziellen Freiraum geben. Und man wird sehen das viel mehr Menschen auch viel mehr arbeiten wollen. Ich für meinen Teil habe beschlossen, Teilzeit zu arbeiten und mehr vom Leben zu haben, weil ich nicht mehr bereit war für andere schuften zu gehen. Und somit sind nicht nur Bürgergeldempfänger gemeint, sondern auch all jene die in Berlin und Brüssel sitzen und sich die Taschen füllen.
cf
27.01.2026

Antworten

Im großen Blick ist das alles undurchdacht: Keine Teilzeit, Rente ab 67, mehr Stunden pro Woche Arbeiten und weniger Krank sein. Wirtschaft ankurbeln? Soweit grundsätzlich ok, ABER: 1. Je älter man wird, desto weniger belastbar ist man. Mehr Stunden und spätere Rente = höhere Belastung = öfter Krank. 2. Weniger Teilzeitstellen = weniger Planungsflexibilität in Unternehmen und mehr Arbeitslose, da die Menge an Arbeitskraftbedarf nicht steigt. 3. Keine freien Plätze zur Kinderbetreuung vorhanden = keine Vollzeit möglich 4. Bei Ehepartnern verdient einer etwas besser und nimmt Steuerklasse 3 = das Arbeiten lohnt sich für den/die Partner*in faktisch nicht, da aufgrund der schlechteren Steuerklasse Netto kaum etwas übrigbleibt. Warum also mehr arbeiten?
jk
27.01.2026
Bevor wir über Arbeitszeitverlängerungen reden, müssen wir über eine radikale Entlastung reden. Wer Leistung fordert, muss erst einmal aufhören, sie zu bestrafen!