Support & Hilfe
Newsletter Bei uns werben

BVOH widerspricht ZSVR: Versandetikett macht Online-Händler nicht zum Erzeuger

Veröffentlicht: 23.07.2026
imgAktualisierung: 23.07.2026
Geschrieben von: Hanna Hillnhütter
Lesezeit: ca. 2 Min.
23.07.2026
img 23.07.2026
ca. 2 Min.
Versandkartons
Erstellt mit KI
Nach der strittigen Auslegung der Zentralen Stelle Verpackungsregister bezieht der Bundesverband Onlinehandel nun Stellung.


Vor einigen Wochen hat die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) mit ihrer Aussage dem Händlerbund gegenüber, dass Online-Händler:innen mit der Verwendung eines Versandlabels zum Erzeuger im Sinne der neuen Verpackungsverordnung werden, für viel Unmut unter Online-Händler:innen gesorgt. Nach der Berichterstattung des Händlerbundes bezieht nun der Bundesverband Onlinehandel Stellung und sagt ganz klar: Ein Etikett macht noch keinen Erzeuger.

Wer gilt als Erzeuger?

Die Verpackungsverordnung (PPWR) spricht davon, dass Händler:innen zum Erzeuger werden können, indem sie entweder Verpackungen unter eigener Marke oder eigenem Namen in Verkehr bringen, oder eine Verpackung so stark verändern, dass die Konformität beeinträchtigt wird.

Die ZSVR geht davon aus, dass das Anbringen eines Versandetiketts bereits genügt, um eine solch starke Veränderung zu begründen. Der Bundesverband Onlinehandel vertritt ebenso wie der Händlerbund eine andere Rechtsauffassung.

Warum ein Versandetikett nicht ausreicht

Die Gründe, warum ein Versandetikett nicht ausreicht, um eine Erzeugereigenschaft zu begründen, sieht der BVOH vor allem in den Leitlinien der Verordnung, sowie in der Verordnung selbst.

Die Kommissions-Leitlinien vom 10. Juni 2026 stellen bei der Erzeuger-Bestimmung auf zwei Kriterien ab: die Rolle bei Entwicklung/Herstellung der Verpackung und die Nutzung des eigenen Namens oder der eigenen Marke. Grund: Der Marken-/Namensinhaber hat regelmäßig die Entscheidungsmacht gegenüber Lieferanten und bestimmt so die Verpackungsmerkmale – zudem soll es pro Verpackung nur einen Erzeuger geben.

Ein gewöhnliches Versandetikett erfüllt diese Kriterien nicht: Es dient nur dem Transport (Empfänger-/Absenderdaten, Sendungsnummern, Barcodes, Vorgaben von Paketdienstleister/Marktplatz) und sagt nichts über Entwicklung oder Herstellung des Kartons aus. Händler haben hier weder Einfluss auf Konstruktion/Material noch Zugang zur technischen Dokumentation.

Auch die PPWR selbst stützt das: Art. 20 nennt Adressierung und Versand ausdrücklich als Pflichten von Fulfilment-Dienstleistern – entscheidend ist nicht die Tätigkeit selbst, sondern ob die Konformität der Verpackung gewahrt bleibt. Art. 24 Abs. 2 setzt sogar voraus, dass Transportverpackungen Platz für Versandetiketten bieten müssen. Versandetiketten sind damit als normaler Bestandteil des Versands vorgesehen – nicht als erzeugerbegründende Handlung.

BVOH fordert ZSVR zur Stellungnahme auf

Der BVOH kritisiert vor allem die extreme Belastung, die durch die Auslegung der Zentralen Stelle auf kleine und mittelständische Unternehmen zukommen würde. Außerdem wird die Wiederverwendung bereits vorhandener Kartons erschwert, was im Widerspruch zu den Zielen der Verordnung steht (Abfallvermeidung, längere Nutzung, Kreislaufwirtschaft).

Der BVOH hat die ZSVR deshalb um eine schriftliche Bestätigung gebeten, dass ein rein logistisches Versandetikett auf einer bereits fertigen Transportverpackung nicht automatisch zur Erzeugereigenschaft des Händlers führt.

Veröffentlicht: 23.07.2026
img Letzte Aktualisierung: 23.07.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
Artikel weiterempfehlen
Hanna Hillnhütter

Hanna Hillnhütter

Hanna hat die juristischen Entwicklungen im Blick – mit Fokus auf Abmahnungen, Wettbewerbsrecht und aktuelle EU-Verordnungen.

KOMMENTARE
17 Kommentare
Kommentar schreiben

Klaus
04.08.2026

Antworten

Wir haben unser Kleingewerbe eingestellt. Alles nur noch schlimm.
AVDB
27.07.2026

Antworten

Die EU ist nur noch ein reiner, schlechter WItz. Statt Entlastung ist es reine Belastung. PPWR,DSGVO, Cookiebanner, EU Garantielabel, GPSR die ganzen 27.000 (!!!) Bilder die wir auf Amazon hochladen mussten die niemanden interessieren und wie der ganze unsinnige Quatsch heißt den >95% aller Leuten einfach wegklicken oder nicht brauchen. Das ließt sich doch keine Sau durch. Dann noch die Meldungen wie viel Pappe Kunststoff etc. wir in welches Land ausführen...vom kleinsten Fitzel Tesafilm bis hin zum ganzen Karton. Wir haben die Schnauze komplett voll ! Diese Regierung und die EU gehören abgeschafft und in die Tonne gekloppt. Ab August beliefern wir nur noch Deutschland und Österreich und ich bin mir sicher - ganz sicher - in aller kürzester Zeit bald auch nur noch Deutschland. Tschüss !
EC
24.07.2026

Antworten

Alles nur reine Abzocke! Mafiöses Verhalten ist das und man ist dem auch noch ausgeliefert.
Sigi
24.07.2026

Antworten

als Versandetikett wird oft ein mit Versanddaten bedrucktes DINA4 Blatt benutzt, das dann in Versandtasche gesteckt oder mit Klebeband befestigt wird. wie argumentiert dann ZSVR eigentlich?
Markus
24.07.2026

Antworten

ich kann den Wiederspruch zwischen den Meldungen im öffentlich rechtlichen Medien und der Realität unter der wir täglich zu leiden haben nicht mehr ertragen. Öffentlich hört man nur von tollen Reformen die die Wirtschaft entlasten und Wachstum fördern sollen. Unsere Realität ist das ganze Gegenteil. Der einzig wahre Moment, an den ich mich in den letzten Monaten erinnern kann, war ein Ausschnitt aus einer leidenschaftlich vorgetragenen Rede von Fr. Baas, in der Unternehmer als Feindbild bezeichnet wurden das bekämpft werden muss. 10 Sekunden, die aus Versehen das wahre Ziel dieser Regierung offengelegt hat. Na dann wünsche ich allen Deutschen für ein Land ohne Unternehmer toi, toi, toi... Und schöne Grüße an Hr. Klingbeil: unser Problem sind nicht Porsche und Rolex... sondern Steuergesetzte die so kompliziert sind, das weder die Steuerberater, noch die Mitarbeiter vom Finanzamt noch die Betriebsprüfer verstehen. Zum exakt gleichen Vorgang haben wir drei verschiedene, sich widersprechende Aussagen. Man wird in Deutschland ganz schnell völlig unbewusst zum Steuerhinterzieher und Steuerberater schütteln den Kopf und sagen, gegen den Bescheid können Sie natürlich klagen, der ist völlig unbegründet. Zahlen müssen Sie aber trotzdem erstmal, Prozess und Anwaltskosten haben Sie natürlich auch, Prozesse gehen über etliche Jahre. Wenn Sie es sich leisten können empfehle ich dringend den Bescheid einfach zu bezahlen und die Sache zu vergessen. Das nenne ich mal Rechtsstaat...
Helena Ziemann
24.07.2026

Antworten

Es ist langsam, erschreckend, was diese Theoretiker sich immer wieder einfallen lassen, um ihre Daseinsberechtigung zur rechtfertigen, und kriegen auch noch Geld dafür
Dirk
24.07.2026

Antworten

Es ist wie immer, es geht weniger um die Einschränkung von Verpackungsmüll oder für das Klima/Umwelt, sondern nur um Geld.
Claus
24.07.2026

Antworten

Moin, Das wäre schon mal ein Erfolg für alle. Aber es bleibt, daß ich mit meinem Kleingewerbe und für etwa 200 Pakete im Jahr mich überall registrieren muß und den sogenannten "Bevollmächtigten" bezahlen muß. Es dreht sich um einen Betrag von 6-8000 Euro Jahr. Der Versand wird dann eingestellt.
Andy
24.07.2026

Antworten

Wir verwalten uns zu Tode! Noch in paar solcher EU-Streiche und ich hänge mein Geschäft an den Nagel. Wir hören ständig "Bürokratieabbau". Dann wird alibimäßig was abgeschafft und 10 neue Regelungen kommen dazu. Die EU verhindert mittlerweile nicht nur den Freihandel, sie bremst auch massiv die Wirtschaft mit diesen ganzen unsäglichen Regelungen.
Frank Pagenkemper
24.07.2026

Antworten

Sehr richtig. Hier wird der gesunde Menschenverstand in Worte gefasst. Eine Eigenschaft, die beim ZSVR sehr unterdurchschnittlich vorhanden ist. Die ZSVR hat Behördencharakter, wird aber nur unzureichend überprüft. Da sind dann jeweils nur andere Behörden, die aber auch von lebensfernen Weltverbesserern besetzt ist. Lediglich dem Bunderechnungshof kann ich mein Vertrauen schenken. Es fehlt eine klare politische ministeriale Zuständigkeit. Und das Ministerium mit Wirtschaftskompetenz sollte die Aufsicht haben. Aber ganu davon abgesehen sollte es politische Forderungen geben diesen Verein einfach dicht zu machen. Andernfalls entsteht hier ein bürokratischer Gigant, der sich immer weiter mit neuen Aufgaben beschäftigt wofür dann tausende Beschäftigte notwengig sind. So füttert sich dann eine Behörde selbst mit Aufgaben. Die Auslegung der EU Richtline durch den ZVSR ist genau ein Symptom dieser Krebskrankheit. Man interpretiert eine Verordnung so, dass sie immer mehr Personal bedarf. Jetzt hat der Laden zwischen 50 und 100 Mitarbeitern. Wer aber so interpretiert der wird 500 bis 1000 oder mehr Mitarbeiter benötigen.
Kropfelder Karin
24.07.2026

Antworten

Diese Verordnung gibt es ja nicht seit Gestern. Warum erst jetzt die Gegendarstellung und der Einwand. Gerade der Kleinstunternehmer hätte sich ein früheres Handeln gewünscht. Hier geht es im Existenzen und Zukunfsorientierung.
Redaktion
27.07.2026
Die Verordnung gibt es tatsächlich nicht erst seit gestern. Der konkrete Anlass für die aktuelle Gegendarstellung ist aber, dass die Zentrale Stelle ihre Auslegung zu diesem Punkt erst jetzt öffentlich kommuniziert hat. Erst dadurch wurde das Ausmaß der möglichen Auswirkungen für viele Händler deutlich. Wir halten es deshalb für wichtig, diese Rechtsauffassung jetzt kritisch einzuordnen und auf die praktischen Konsequenzen aufmerksam zu machen.
Chris
24.07.2026

Antworten

Es ist nicht zu fassen, womit wir uns heutzutage herumschlagen müssen. Als gäbe es nichts Wichtigeres, worum man sich kümmern müsste.
Michael
24.07.2026

Antworten

Wird auch zeit das sich da mal was tut um diesen Schwachsinn einzuschränken! Ansonsten würde ich mir wünschen das der Bundesverband und der Händlerbund für seine Mitglieder mal eine Musterklage raushaut!
Redaktion
27.07.2026
Glaub uns: Wenn wir die Möglichkeit hätten, würden wir diesen Weg für unsere Mitglieder gehen. Das Problem ist, dass Musterklagen gegen Gesetze in Deutschland nicht vorgesehen sind. Und auch die sogenannte Sammelklage ist auf bestimmte Verbraucherfälle beschränkt und kommt hier leider nicht infrage.
cf
24.07.2026

Antworten

Meinung: Warum beschleicht micht wohl das Gefühl, dass die ZSVR nicht zeitnah antwortet, sondern erstmal darauf wartet, dass sich alle aus purer Verzweiflung registriert haben und Jahresgebühren/Pauschalen für die Müllkonzerne abgeführt haben. Wenn dann alle ordentlich gezahlt haben, dann wird es vermutlich Ende August mal langsam eine Antwort geben. Vielleicht würde es ja helfen, wenn mal ein Reporter plötzlich vor der Tür steht und mit laufender Kamera fragt....
Martina
28.07.2026
Vielleicht würde es ja schon helfen, wenn wir Alle es selbst öffentlich machen würden. Die Bevölkerung erfährt diesen Irrsinn doch überhaupt nicht. Ich hatte gestern eine Instagram-Story darüber. . So viele Nachrichten hatte ich die letzten 10 Jahre nicht, Follower wie auch Nichtfollower waren entsetzt. Wir Alle haben es in der Hand die Öffentlichkeit zu informieren. Indem wir nur hier kommentieren, erfährt draußen Niemand was passiert. Also ran an die sozialen Medien. Immer und immer wieder. Und an Zeitungen, zur Not an Barth, Lanz, Fleischhauer und wie die Alle heißen….. Hier hilft nur Öffentlichkeit sonst können bald sehr Viele die Tür abschließen. Bei mir gibt’s morgen den nächsten Insta Beitrag.