Alle wissen: In Deutschland wird nichts dem Zufall überlassen – schon gar nicht der Papierkram. Formulare und Vorschriften sind hierzulande quasi Teil der DNA. Doch Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Mit dem jüngsten Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV) sollen zumindest einige Belastungen von Unternehmen genommen werden und die Wirtschaft entlasten. Was sich konkret für Online-Händler verbessert und wie Unternehmen davon profitieren können, erklären wir hier – ganz ohne Behördenjargon.
Kürzere Aufbewahrungsfristen für Unterlagen
Es ist Zeit, den Papierfriedhof zu entrümpeln. Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Aufbewahrungsfristen für Buchungsbelege. Bisher mussten Verantwortliche geschäftliche Dokumente und Buchungsbelege wie z. B. Rechnungskopien, Kontoauszüge und Lohn- und Gehaltslisten zehn Jahre lang aufbewahren. Wer das mal hochrechnet, weiß: Das bedeutet Berge an Papier – oder unzählige Dateien im digitalen Nirvana. Seit dem Jahreswechsel heißt es: Acht Jahre reichen aus! Das bedeutet zwei Jahre weniger Aktenkeller und mehr Platz für Dinge, die wirklich wichtig sind.
Eine jährliche Entlastung von rund 626 Millionen Euro soll dabei herausspringen, die bei der Aktenlagerung und für die elektronische Speicherung eingespart werden könnten.
Digitale Vereinbarungen statt Papierkram
Noch so eine Tradition, die an Deutschlands Gründlichkeit erinnert: Viele geschäftliche Vereinbarungen mussten auch im 21. Jahrhundert immer noch schriftlich erfolgen – mit Tinte und auf Papier. Paradebeispiel war der Arbeitsvertrag. Dank des BEG IV reicht in vielen Fällen jetzt die Textform. Heißt: Ein Vertrag per E-Mail oder sogar ein Klick auf einen digitalen Button ohne eigenhändige Unterschrift genügt. Beispielsweise wurde der Arbeitsvertrag vollständig digital. Das spart Zeit, vereinfacht Prozesse und erspart die verzweifelte Suche nach dem Kugelschreiber, der ohnehin nie da ist, wo er vor wenigen Minuten noch war.
Hotelmeldepflicht: Check-in ohne Papierkrieg
Wer oft geschäftlich unterwegs ist, kennt das Problem: Jedes Mal diese Hotelmeldezettel ausfüllen. Ein nerviges Ritual, das nur von der Frage „Mit oder ohne Frühstück?“ unterbrochen wurde. Die Hotelmeldepflicht für deutsche Staatsangehörige entfiel jedoch und soll Bürgerinnen und Bürger knapp drei Millionen Stunden an Zeit verschaffen.
Deutschland bleibt bürokratisch, aber es wird besser…
Das Bürokratieentlastungsgesetz ist vielleicht kein bürokratischer Frühlingsputz, aber immerhin eine kleine Erleichterung. Kürzere Aufbewahrungsfristen und mehr digitale Prozesse bedeuten hoffentlich: mehr Zeit und Energie für das Wesentliche. Die Verantwortlichen feiern das Gesetz als „größtes Bürokratieabbau-Programm in der Geschichte unseres Landes“. Zugleich ist klar: Weitere Fortschritte beim Bürokratieabbau sind bitter nötig. Nach den Plänen der aktuellen Regierung soll es jedes Jahr ein Bürokratieentlastungsgesetz geben. Ob sich diese Bestrebungen Ende Februar fortsetzen, bleibt abzuwarten.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Yvonne Bachmann
Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.
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