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Attestpflicht ab Tag 1 könnte Fehlzeiten verlängern

Veröffentlicht: 26.08.2026
imgAktualisierung: 26.08.2026
Geschrieben von: Michael Pohlgeers
Lesezeit: ca. 3 Min.
26.08.2026
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ca. 3 Min.
Krankschreibung
mobilinchen / Depositphotos.com
Die Regierung will eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag einführen. Das könnte die Fehlzeiten aber verlängern.


Mit der geplanten Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag will die Bundesregierung die vermeintlich steigenden Fehlzeiten aufgrund von Krankheit eingrenzen. Doch eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des Sozialverbands VdK zeigt, dass die Annahmen hinter der von der Regierung angestrebten Maßnahme nicht zutreffen. Außerdem zeigt die Umfrage, dass die geplante Attestpflicht sogar das Gegenteil bewirken und Fehlzeiten verlängern könnte.

Demnach geben 21 Prozent der Befragten an, sich vorsorglich für einen längeren Zeitraum krankschreiben zu lassen, um nicht erneut zum Arzt zu müssen. 60 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass sich ihr Verhalten nicht durch die Neuregelung ändern würde. 14 Prozent sagten dagegen, dass sie sich eher krank zur Arbeit schleppen würden, um nicht zum Arzt gehen zu müssen – also mit verringerter Leistung und einem höheren Ansteckungsrisiko für Kolleginnen und Kollegen.

„Wer Beschäftigte zwingt, schon am ersten Tag zum Arzt zu gehen, riskiert, dass sich Menschen krank zur Arbeit schleppen oder sich vorsorglich länger krankschreiben lassen“, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Das wäre das genaue Gegenteil dessen, was die Reform angeblich erreichen soll, und schadet am Ende allen: den Beschäftigten, den Betrieben und den ohnehin überlasteten Arztpraxen.“

„Ausdruck eines tiefsitzenden Misstrauens“

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Regierung deuteten in der Vergangenheit immer wieder mehr oder weniger subtil an, dass viele Beschäftigte sich krankmelden würden, weil sie keine Lust auf Arbeit hätten. „Man sitzt auf der Bettkante und überlegt: Passt das heute?“, sagte etwa der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn laut Zeit. Wer aber nicht wirklich krank sei, aber gezwungen sei, zum Arzt zu gehen, „entscheidet sich dann im Zweifel vielleicht doch fürs Arbeiten“, so Spahn. Auch Merz selbst monierte BR24 zufolge, dass die Deutschen im Schnitt 14,5 Tage im Jahr krank seien und fragte: „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“

Auch mit dieser Annahme, auf der die neue Regelung beruht, räumt die VdK-Umfrage offenbar auf: 73 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben an, sich bislang ausschließlich dann krankgemeldet zu haben, wenn sie eindeutig krank und nicht arbeitsfähig waren. Nur drei Prozent der Befragten gaben an, sich schon einmal krankgemeldet zu haben, obwohl sie komplett gesund waren.

VdK-Präsidentin Bentele bezeichnet die Annahme, dass viele Beschäftigte sich aus Faulheit krankmelden würden als „Ausdruck eines tiefsitzenden Misstrauens gegenüber Millionen ehrlicher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“. Wer den Leuten einen „massenhaften Missbrauch von Krankmeldungen unterstellt, täuscht bewusst“, so Bentele weiter.

Beschäftigte gegen Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Die Regierungspläne, auch die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, um den Krankenstand einzudämmen, lehnt die Mehrheit der Beschäftigten deutlich ab. 61 Prozent sprechen sich dagegen aus, nur 29 Prozent der Befragten sind für die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Bundeskanzler Merz kritisierte die telefonische Krankschreibung scharf und sieht in ihr einen Grund für den aus seiner Sicht hohen Krankenstand.

Allerdings gehen nur 0,8 bis 1,2 Prozent der Krankschreibungen nach aktuellen Zahlen des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf die telefonische Krankschreibung zurück. „Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen bestätigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt“, erklärte Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbands im Januar laut Zeit.

Krankenstand sinkt, aber Fehlzeiten steigen

Die aktuelle Entwicklung des Krankenstands ist im ersten Halbjahr 2026 leicht rückläufig. So sank der Gesamtkrankenstand um 5,3 Prozent, allerdings stieg die durchschnittliche Dauer eines Krankheitsfalls auf 9,7 Tage. Als häufigste Ursache für Fehlzeiten von Beschäftigten zählen dabei erstmals psychische Erkrankungen, die mit durchschnittlich rund 28 Tagen deutlich längere Ausfallzeiten verursachen.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 26.08.2026
img Letzte Aktualisierung: 26.08.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Michael Pohlgeers

Michael Pohlgeers

Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.

KOMMENTARE
2 Kommentare
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cf
28.08.2026

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Manchmal wundert man sich - heute im Newsletter des Bundestages gab es die Antwort auf die zuvor gestellt Frage zu den Fehltagen in der Bundesregierung - sie "nehmen sich mit ihrer Krankenquote knapp 10% der Jahresarbeitszeit frei" und haben auch selber festgestellt, dass es nicht in allen Bereichen identisch ist. Komisch, aber wir sind alle faul... Hier die Details: https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1206098
cf
27.08.2026

Antworten

Mich würde mal die Krankenquote im Bundestag und Bundesrat interessieren. Vielleicht ist ja wie häufig zunächst ein "kehren vor der eigenen Tür" angesagt?