Zu spät, Facebook
Jetzt, plötzlich, hat auch Facebook etwas zum NetzDG beizutragen und die Kritikpunkte sind grundsätzlich nicht einmal falsch. Der Rechtsstaat dürfe eigene Versäumnisse nicht auf private Unternehmen abwälzen. Das stimmt, aber die staatliche Kontrolle wird eingebaut. Das wiederum nur nachträglich, denn die Entscheidungen des Netzwerkes sollen im Nachgang überprüft werden – ein unnötiger Schritt zu viel, möchte man meinen. Facebook kritisiert aber auch die Forderung, dass man hochqualifizierte Mitarbeiter für die Löschung einstellen und deren psychologische Betreuung sicherstellen soll. Angesichts der Missstände, die kürzlich bei Arvato – dem deutschen Dienstleister, der für die Löschungen von illegalen Beiträgen verantwortlich ist – bekannt wurden, ist dieser Kritikpunkt mindestens makaber. Das sollte, wenn überhaupt selbstverständlich und nicht kritikwürdig sein.
Der Spiegel nennt Facebooks Vorstoß zu diesem Zeitpunkt ein Eigentor und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Man hatte Jahre lang Zeit, sich intensiv darum zu bemühen, „den Laden sauber zu halten“ und mit der Politik zusammenzuarbeiten. Dass Maas entsprechende Ideen hat, war bereits Ende 2015 bekannt. Dass es nun so lange dauerte und nun noch kurz vor knapp zu einer gesetzlichen Grundlage kommen soll, muss sich der Minister auf die Kappe schreiben – den Lohn erntet er mit der massiven Kritik an seinem Entwurf. Das soziale Netzwerk hätte sich aber längst viel intensiver um das Problem kümmern müssen.
Wenn es ihm denn wichtig gewesen wäre. Doch deutsche Gesetze sind bei US-Konzernen in der Regel Randnotizen, solange sie nicht selbst davon betroffen sind. Und auch dann nur, wenn es finanziell ans Eingemachte geht. Maas fordert nun Strafen von bis zu 50 Millionen Euro, wenn die Online-Plattformen ihren Löschaufgaben nicht nachkommen und plötzlich ist Facebook das Thema doch wichtig. Man muss abwarten, wie das Gesetz am Ende tatsächlich aussieht (so es denn rechtzeitig kommt), aber das Netzwerk kann sich am Ende nicht beschweren, wenn es dann doch ein bisschen wehtut – oder ein bisschen mehr.
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