Kostenexplosion und Bürokratieaufwand: Ebay startet Petition gegen geplante Händler-Pflichten

Veröffentlicht: 23.04.2024
imgAktualisierung: 23.04.2024
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 5 Min.
23.04.2024
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ca. 5 Min.
Ebay auf Bildschirm hinter einer Lupe
© ibphoto / Depositphotos.com
Kommt es zu einer Gesetzesänderung, könnte es eng für den internationalen Verkauf werden. Ebay startet eine Petition, die sich für seine Händler:innen starkmacht.


„Sicherung des Zugangs kleiner Unternehmen zum europäischen Binnenmarkt für kleine Unternehmen durch effiziente Regulierung für die Abfallwirtschaft“ – so betitelt Ebay etwas sperrig seine Petition, die auf die Chancen und Rechte kleiner Händler:innen abzielt. Was hat es damit auf sich und sollte man sich beteiligen? Hier kommen die Antworten.

Worum geht es in der Petition?

Dass bestimmte gesetzliche Regelungen unnötige Hindernisse für Händler:innen schaffen und einem freien Handel sogar zuwiderlaufen, ist kein Geheimnis. Unter anderem haben sich Unternehmen mit ihren Elektrogeräten bei der Stiftung ear und ihre Verpackungen bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister zu registrieren. Tun sie dies nicht, droht mittlerweile das Aus auf dem jeweiligen Marktplatz (sogenannte Marktplatzhaftung).

Und genau da will die EU nun ansetzen und das Ganze auf den internationalen Verkauf erweitern. Aktuell ist eine neue Richtlinie in Vorbereitung, die kleine und mittlere Unternehmen verpflichten würde, vor dem Verkauf und Versand über die Grenze hinweg vergleichbare Pflichten wie die gerade erwähnten im jeweiligen Zielland umzusetzen (sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung beziehungsweise Extended Producer Responsibility, kurz: EPR). 

Man müsste sich also bei jedem EPR-System in jedem EU-Land registrieren, in das man versendet. Dieser Vorgang muss für jede neue Produktkategorie und jedes einzelne EU-Land, in dem ein Verkauf abgeschlossen wird, wiederholt werden – mit dem entsprechenden Aufwand und den Kosten, versteht sich. Eine zentrale Lösung wie im Steuerrecht mit seinem „One-Stop-Shop“-System (kurz: OSS) gibt es nicht.

Kurz zusammengefasst: Um online innerhalb der EU verkaufen zu dürfen, müsste jedes kleine Unternehmen eine separate EPR-Registrierung für jeden Zielmarkt und für jede von der EPR betroffene Produktkategorie einholen. Online-Marktplätze sollen dazu verpflichtet werden, von ihren Shops proaktiv einen Nachweis über die Einhaltung dieser Vorschriften einzuholen. Kommt man dem nicht nach, drohen erneut Sanktionen wie Account-Sperrungen.

Verkauft ein deutscher Online-Shop beispielsweise nach Frankreich, muss er sich in Frankreich als Unternehmen registrieren und seine Abgaben leisten (wir berichteten). Vor einem Verkauf nach Frankreich müsste der Shop also künftig auch gegenüber Ebay (oder jeder anderen genutzten Plattform wie Amazon oder Kaufland) mittels einer Nummer nachweisen, dass er in Frankreich registriert ist. Ebay rechnet vor, was allein aufgrund der Registrierung an Kosten und Aufwand anfallen könnte: „Nach Schätzungen unseres Dachverbands Ecommerce Europe können sich die Kosten für die Einhaltung der EPR für ein kleines Unternehmen, das Zugang zum gesamten Binnenmarkt haben möchte, auf bis zu 140.000 € sowie 39 Arbeitstage pro Jahr belaufen.“

Was fordert Ebay mit der Petition?

Damit das eben beschriebene Szenario abgeschwächt wird, fordert Ebay, auf andere Mittel und Wege der fairen Abfallverantwortung zurückzugreifen. Folgende drei Säulen schlägt Ebay mit der Petition vor:

  • Die Pflichten werden über eine zentrale Registrierungs- und Meldestelle erfüllt (z. B. in Form eines speziellen EU-Portals vergleichbar mit dem OSS).
  • Einführung von Ausnahmeregelungen für Kleinstunternehmen und/oder Regelungen für Produktabsatzmengen (Gelegenheitsverkäufe).
  • Online-Marktplätze wie Ebay sollen Shops unterstützen und Waren auf vereinfachte Weise bei EPR-Organisationen anmelden dürfen.

Warum bemüht sich Ebay gerade bei diesem Thema so stark?

Ziel der EU ist es, den Verkauf innerhalb der EU so reibungslos und attraktiv wie möglich zu machen. Allerdings sieht die Praxis anders aus und viele Shops schrecken vor der Internationalisierung zurück. Das hier erwähnte Projekt der EU beweist: Diese Skepsis ist begründet. Jeder Kauf, der nicht getätigt wird, bedeutet somit sowohl für das jeweilige Unternehmen als auch den Marktplatz weniger Umsatz. Der freie Warenverkehr innerhalb des EU-Binnenmarktes, wie er eigentlich angestrebt wird, wäre somit eine Farce.

„Eines unserer Hauptziele bei Ebay ist die Unterstützung und Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), die ihr Geschäft durch die Erschließung neuer Märkte in der EU und weltweit ausbauen möchten“, kommentiert Ebay daher seine Bemühungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Ebay gegen Nachhaltigkeit ausspricht. Im Gegenteil, steht Ebay gerade für die Reduktion von Abfall, indem der Marktplatz dazu beiträgt, dass gebrauchten Produkten ein zweites Leben geschenkt wird.

Sollte man sich an der Petition beteiligen?

Die geplanten Änderungen, das lässt sich nicht diskutieren, bedeuten enorme Kosten und einen erheblichen Bürokratieaufwand. Zwar wird es genügend Dienstleister geben, die diese Mammutaufgabe nur zu gern übernehmen und daran kräftig verdienen werden. Leidtragend werden jedoch die Verbraucher:innen, die Shops und schließlich auch die Marktplätze sein, denn ein Versand beschränkt auf das eigene Land könnte dem E-Commerce als solches schaden. Die Forderungen von Ebay sind daher durchaus nachvollziehbar und ein solider Kompromiss.

Die Teilnahme an der Petition ist daher für alle Online-Shops ratsam, die in andere EU-Länder verkaufen und ihre Verantwortung einsehen, sie jedoch auf dem geplanten Wege nicht erfüllen können oder wollen.

Wo und wie kann ich teilnehmen?

Um die politischen Entscheidungsträger zu überzeugen, startete Ebay eine Petition, die hier unterzeichnet werden kann. Zur Teilnahme sind nur wenige Angaben wie Name oder Anschrift erforderlich.

Wie geht es nach der Petition weiter?

Ebay wird diese Petition den Verantwortlichen vorlegen, die die EPR-Gesetzgebung mitgestalten, heißt es in einem Mailing an Ebay-Shops. „Damit möchten wir uns an der aktuellen Debatte um diese Richtlinie beteiligen und in Ihrem Sinne Einfluss nehmen.“ Im Idealfall werden die Gesetzespläne nun überdacht und so wie oben skizziert nicht weiter verfolgt.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 23.04.2024
img Letzte Aktualisierung: 23.04.2024
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
16 Kommentare
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dirk
24.09.2025

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Durch das EU-Berufsverbot für Kleinunternehmer in die EU zu verschicken, einfach Bürgergeld beantragen, Privat verkaufen und mit Amt abrechnen, oder auf eine deutsche Regierung warten, die mit diesem EU-Schwachsinn bzw. Verbrechen aufhört
dirk
06.05.2025

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Es MUSS Bagatellgrenzen für Kleinstunternehmen geben, es kann nicht sein, dass es 101000 mal leichter ist nach Borneo zu verschicken als nach Polen
dirk
06.05.2025

Antworten

Ich kann jetzt meinen Shop schliessen, weil mir die EU-Länder fehlen, bin Kleinunternehmer und kann nicht 12000 Euro dafür bezahlen, dass ich kleine gebrauchte Pappkartons durch die Gegend schicke. Gut, ist politisch so gewollt. Man hat einfach die Bagatellgrenzen für Kleinstmengen, für Kleinunternehmen gekillt. Na denn, privat verticken und gut ist.
dirk
06.05.2025

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selbst für grössere Unternehmen ist die PPWR kranker Mist, wahnsinnige Kosten, nur damit andere sich dumm und dämlich verdienen. Es ist einfach so, alle springen auf den online-Zug um richtig fett abzukassieren, darum geht es Leute ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Pappkartons, ich bitte euch, die kommen wieder in den Kreislauf oder es wird Energie daraus gewonnen oder andere Leute benutzen sie wieder zum Verschicken. Wer also will dafür Leute aussaugen? Unfassbar. Wenn man Verwandtschaft hat bei der IHK weiss man Bescheid um was es geht
dirk
06.05.2025

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Seine ganzen Massen privat verkaufen, man wird doch als Kleinunternehmer gezwungen dazu, 12000 Euro in die EU an PPWR Kosten, ohne Bagatellgrenzen, ein Verbrechen ist das. Scheissegal, Plattformen aufsuchen, Zeugs einstellen fertig???? Oder gibt es noch eine Lösung?
jochen
22.04.2025

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was auch noch geht - Privat verkaufen
Franz Voltz
05.07.2024

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Ich kann es nicht verstehen warum ich überhaupt auf gebrauchte Ware EPR Nummern benötige??? Ich meine was ist nachhaltiger als Second Hand??? Nintendo Konsolen CDs DVDs fliegt jetzt alles auf den Müll.
J.L.
26.04.2024

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Mein Versand in das europäische Ausland habe ich auf Eis gelegt. Für die erste Sendung nach Frankreich müßte ich pauschal 80,-€ bezahlen. Und selbst 25,-€ in das benachbarte Österreich wäre neben dem Arbeitsaufwand zuviel. Soviel bezahle ich nicht mal hier in Deutschland, ich bin inzwischen so klein. Freier Handel in der EU ist mit solchen Gesetzen gar nicht machbar...
Wenn wir schon EU sind, dann bitte 1 Meldestelle inkl. OSS für alles EU-weit.
Ach nee, schwierig, da die Bürokraten Arbeitzplätze brauchen, die diese ja mit Ihren Gesetzen schaffen.
Uwe
25.04.2024

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@Stephanie Hedtke: Das ist die Registrierungsg ebühr. Wenn man nicht aus Österreich kommt, benötigt man einen Notar, denn die Beauftragung muss durch einen Vertrag erfolgen, dessen Unterschrift notariell beurkundet wird. Das wäre die behördliche Seite. Dann muss man ein Entsorgungsunte rnehmen suchen und an dieses jährlich Gebühren über die tatsächlich entsorgten Verpackungen zahlen. Mit 25 Euro ist da nichts zu machen.
Werner
24.04.2024

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Meines Wissens gilt das Gesetz nur für Händler die Produkte herstellen, erstmals an Verbraucherinne n und Verbraucher in Deutschland verkaufen oder nach Deutschland importieren.
Wenn ich gebrauchte Ware verkaufe trifft nicht von den oben genannten Punkten zu.
Wenn ich z.B. ein Radio aus den 1950er Jahren verkaufe habe ich es weder hergestellt noch erstmals an Verbraucher bzw. Verbraucherinne n verkauft. Nach Deutschland importiert habe ich es natürlich auch nicht.
Ich finde diesen Zusatz schon wichtig
Oder täusche ich mich da ?
Uwe
24.04.2024

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Wie sind nun in Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und Österreich angemeldet. Dänemark kommt nun auch. Riesiger Aufwand bei uns Händlern/Verkäu fern auf der einen und den Behörden auf der anderen Seite. Dazu kommen die ganzen Dienstleister, die die Händler durch den Jungle führen und fleißig Rechnungen dafür schreiben. Alle Beteiligten nutzen Server und verbrauchen Unmengen an Ressourcen. Wertschöpfung entsteht dadurch 0,0. Was machen asiatische Temu und Ali Express Händler mit Direktversand aus China? Ich vermute nix, glaube nicht, dass der Zoll es kontrolliert. Wenn so etwas schon sein muss, warum keine zentrale Clearingstelle, so wie bei OSS? Das Ganze fällt ja nicht vom Himmel, es haben sich ja Menschen ausgedacht. Aus meiner Sicht müsste es sofort gestoppt werden. Es ist ein Skandal, leider offenbar zu Komplex um es in die Öffentlichkeit und Talkshows zu tragen. Ich verstehe, warum UK dies nicht mehr mitmachen wollte.
Oliver
24.04.2024

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Die ganzen Gesetze sind der reinste Schwachsinn. Wozu eine Verpackungsvero rdnung, wer Verpackungen verkauft oder in die EU einführt zahlt und gut ist. Musste hier wieder eine Behörde geschaffen werden um irgendwo Leute unterzubringen.
Mit der Umsetzung wäre Lucid quasi weg und man könnte sich das jährliche angeben und durchrechnen sparen was mich auch wieder unützer weise Zeit und damit Geld kostet.
Wie Michael geht es mir auch, versende noch weniger und dann fehlen mir halt mal wieder 7-8000€ pro Jahr, Dankeschön Deutschland.

An alle jungen Menschen verlasst das sinkende Schiff Deutschland, gibt bessere Länder als unsere.
Roland Baer
24.04.2024

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Unser Fazit: Export einstellen.
Vor dem Brexit hatten wir >20% Export Anteil.
Dann UK eingestellt.
Vor 2 Jahren wegen den Registrierungsk osten Austria.
Demnächst alle anderen Länder außer Nicht EU Land Schweiz, hat aber nur ca. 1%. Anteil.

Bürokratie verhindert für kleine Händler jeglichen Export.
Freihandel nur für Big Player.
Michael
24.04.2024

Antworten

Grenzenlose Korruption. Amazon- Schutz-Gesetze.
Das sind nur die ersten Gedanken die mir einfallen.
Thomas
24.04.2024

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Diese ganzen angeblichen Verkaufsmassnah men sind ein einziger Schwerz. Diese EU-Auflagen sind tödlich für den Verkauf, zumal die Kosten in den meisten Fällen wohl nicht in Relation zum Ertrag stehen. Dann verzichten wir lieber ganz auf den Auslandsversand ---das ist billiger als der Verkauf dahin. Ganz abgesehen von dem ganzen Verwaltungsakt.
Max Sonntag
24.04.2024

Antworten

Die EU Bürokraten haben here Ziele, reißen aber alles Geschaffene mit dem A...llerwertest en wieder ein. Dummheit oder Unvermögen - man weiß es nicht.

Da ein Online-Händler in DE zwar verpflichtet ist, an Kunden in alle EU Staaten zu verkaufen, aber eben keinen Versand dahin anbieten muß, werden wir uns stark überlegen, für die paar EU Kunden eben nur noch Abholung in unserem Lager anzubieten. Das spart dann auch gleich den Aufwand mit dem OSS Verfahren.

Ade EU-Binnenmarkt und Danke an die hochbezahlten EU-Bürokraten.