Jeden Morgen das gleiche Spiel: Du öffnest dein Postfach und siehst die Flut an Mails, die sich ungefragt hereingeschlichen hat. Irgendwo ganz unten zwischen dem Rabattgutschein von „Schrott24“ und dem Betreff „Brauchst du wirklich keine zweite Waschmaschine?“ fragst du dich: Wie zur Hölle bin ich in diesen Verteiler geraten?
Wo ist denn der Datenschutz, wenn man ihn mal braucht?
Es gibt Gesetze, die sich auf den ersten Blick anhören wie eine Erlösung. Der Versand von Newslettern ist streng reglementiert. „Einwilligung erforderlich“, „Daten schützen“, „Recht auf Privatsphäre“ – klingt alles super. Auf dem Papier. Praktisch sieht die Sache allerdings dezent anders aus. Mein Postfach – und vermutlich auch deins – wird trotzdem jeden Tag aufs Neue geflutet.
Mal ehrlich: Wann hast du zuletzt wirklich bewusst irgendwo den Haken gesetzt, um den Newsletter von „Super-Schnäppchen GmbH“ zu abonnieren? Vermutlich nie. Vielleicht hast dich an einem windigen Gewinnspiel beteiligt, bei dem du „nur schnell deine Mail-Adresse eingeben musst“. Zack, die Maschinerie läuft.
Digitale Dauerbeschallung und Newsletter ohne Ende
Selbst wenn man akribisch darauf achtet, immer die richtigen Häkchen zu setzen (oder sie eben nicht zu setzen), findet die nächste Welle von Mails garantiert ihren Weg ins Postfach. Man kann es auch niemanden verübeln: Die Welt ist ein Haifischbecken, und manchmal greift man eben zu jedem Rettungsring. Unternehmen sehen sich also verständlicherweise gezwungen, kreative Wege zu finden, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Und der Datenschutz gibt ihnen auch entsprechende Werkzeuge an die Hand: berechtigtes Interesse und Bestandskundenwerbung heißt das Ganze. Wunderschöne, flexible Konzepte, die Firmen dazu nutzen, uns völlig legitim auf den Geist zu gehen.
Daher kommen die Mails. Woche für Woche. Monat für Monat. So eine Durchsetzungskraft ist fast schon bewundernswert, wenn es nicht so nervig wäre. „Kein Problem", heißt es ja. „Du kannst dich doch jederzeit abmelden.“ Ja, theoretisch schon.
Digital Detox? Viel Glück dabei!
Ab und zu rappelt es mich dann doch und ich versuche mich von meinem digitalen Ballast zu befreien. Man klickt auf den unscheinbaren „Abmelden“-Link (natürlich in der kleinsten Schriftgröße, die die Menschheit je gesehen hat, hellgrau auf weißem Untergrund) und landet auf einer kryptischen Seite, die einen fragt: „Bist du sicher, dass du unseren großartigen Newsletter nicht mehr erhalten möchtest?“ – Jaha!
Manche Anbieter wollen sogar noch ein Passwort wissen – welches man sich garantiert nicht gemerkt hat, weil man sich ja nie für den Newsletter angemeldet hat oder von der Webseite überhaupt auch noch nie in seinem ganzen Leben gehört hat. Und wenn man dann endlich durch alle Hürden durch ist, dauert es. „Es kann bis zu zehn Tage dauern, bis deine Abmeldung wirksam wird.“ Zehn Tage!? In einer Welt, in der ein Post von Kim Kardashian in Sekunden um die Welt geht, dauert es also zehn Tage, dich von einem Newsletter zu befreien? Verdammt, was ist das hier? Eine toxische Beziehung?
Newsletter-Wildwest
Wie ist es möglich, dass wir fast täglich über Abmahnungen berichten, über Bußgelder in Millionenhöhe und mein Postfach sich denkt: „DSGV…, was?“. Ich weiß, besonders für kleine Unternehmen ist der Newsletter ein essenzieller Teil ihres Marketings, um im digitalen Zeitalter überhaupt wahrgenommen zu werden. Ich würde es genauso machen. Aber bloß, weil ich vor drei Jahren mal irgendwo ein Paar Socken gekauft habe, will ich nicht jahrelang mit Infos über Winterjacken und Skiausrüstung bombardiert werden. Verständlich, oder?
Es gäbe auch elegantere Wege: Wenn ich das Gefühl habe, meine Wünsche und Interessen werden wirklich respektiert, statt mit Angeboten zugespammt zu werden, dann öffne ich vielleicht sogar gerne die eine oder andere E-Mail – anstatt sie ungelesen in den Papierkorb zu befördern.
Yvonne Bachmann
Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.
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