Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gerät zunehmend in die Kritik deutscher Unternehmen, die sie als Hindernis für Digitalisierung und Innovation sehen. Die Regelungen, die ursprünglich den Schutz personenbezogener Daten stärken sollten, stellen in der Praxis laut vielen Betrieben vor allem eine Belastung dar.

Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom sprechen sich 79 Prozent der Unternehmen für eine Reform der DSGVO auf EU-Ebene aus. Besonders auffällig: 71 Prozent der Befragten fordern eine Lockerung der Vorschriften, da insbesondere die strikten Dokumentationspflichten und Einwilligungsregelungen als problematisch wahrgenommen werden. Die Kritik richtet sich vor allem gegen den hohen Aufwand, den der Datenschutz mit sich bringt. Ganze 97 Prozent der Unternehmen bewerten diesen als erheblich, während 72 Prozent die deutschen Vorgaben als überzogen empfinden.

Bürokratie und Unklarheiten als zentrale Herausforderungen

Ein zentrales Problem, das immer wieder genannt wird, sind die unklaren Anforderungen der Verordnung. Diese führen nicht nur zu Unsicherheiten, sondern auch zu einem enormen bürokratischen Aufwand, der viele Unternehmen überfordert. 85 Prozent der befragten Betriebe äußern den Wunsch nach einfacheren und verständlicheren Vorgaben. Weniger Bürokratie und mehr Klarheit könnten nach Ansicht vieler Unternehmen helfen, die DSGVO praxisnäher zu gestalten und sie besser in den Unternehmensalltag zu integrieren.

Ein weiteres Anliegen betrifft die Anpassung des Datenschutzes an neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI). Hier sehen viele Unternehmen dringenden Handlungsbedarf, da die aktuellen Regelungen häufig nicht mit modernen technologischen Entwicklungen Schritt halten können. „Datenschutz muss verständlich und anwendbar sein“, fordert Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. Ihrer Meinung nach sollte der Datenschutz nicht als Innovationsbremse fungieren, sondern vielmehr als ein Rahmen, der Unternehmen unterstützt und zukunftsgerichtetes Arbeiten ermöglicht.

Reformdruck wächst

Der zunehmende Reformdruck zeigt, dass die Unternehmen eine deutliche Veränderung der Regulierungen erwarten. Gerade in einer Zeit, in der digitale Transformation und Innovation von entscheidender Bedeutung sind, sehen viele Betriebe die Notwendigkeit, Datenschutzvorgaben flexibler und praxistauglicher zu gestalten. Es bleibt abzuwarten, wie die EU und die nationalen Gesetzgeber auf diese Forderungen reagieren werden.

Klar ist jedoch: Ohne Anpassungen wirken die Anforderungen der DSGVO weiterhin als Hemmschuh für die Digitalisierung. Vor einigen Wochen hat die EU-Kommission bereits Änderungen angekündigt. Diese stoßen allerdings auf teils massive Kritik von Datenschützern.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com