Hohe versteckte Kosten
Du sagst, Retouren seien kein „weicher KPI“, sondern ein direkter Profitkiller – wo genau entstehen die größten versteckten Kosten?
Eine Retoure verursacht im Fashion-E-Commerce im Durchschnitt rund 20 bis 25 Euro Kosten pro Paket. Diese entstehen entlang der gesamten Rücksende-Kette.
Wirtschaftlich lassen sich die Kosten grob in vier Bereiche einteilen: Versand, Prozess, Material und Wertverlust.
Zum einen entstehen Versandkosten durch den Rücktransport der Ware zum Händler sowie gegebenenfalls durch einen erneuten Versand bei Umtausch.
Hinzu kommen Prozesskosten entlang der Bearbeitung der Retoure – etwa durch Wareneingangsprüfung, Aufbereitung und Wiedereinlagerung im Lager. Auch außerhalb der Logistik entstehen Aufwände, beispielsweise durch Serviceanfragen zur Retoure, Reklamationen oder Rückerstattungen, die vom Customer Service bearbeitet werden müssen. Darüber hinaus fallen teilweise Transaktionskosten in der Zahlungsabwicklung an, etwa bei Rückerstattungen über Payment-Provider.
Ein weiterer Teil entfällt auf Materialkosten, etwa für Verpackung oder Versandlabels.
Besonders relevant ist schließlich der Wertverlust der Ware. Wenn Artikel durch eine Retoure verspätet wieder verkaufsfähig sind, sinkt oft der erzielbare Preis – etwa wegen Saisonalität oder notwendiger Rabattierungen. Hinzu kommen Verluste durch verschmutzte oder beschädigte Ware, verlorene Rücksendungen oder missbräuchliche Retouren, etwa wenn Pakete leer oder mit falschem Inhalt zurückgesendet werden. In der Praxis zeigt sich dabei immer wieder, dass Wertverluste und verzögerte Wiederverkäuflichkeit der Ware erheblich unterschätzt werden.
Ein weiterer wirtschaftlicher Effekt ist Kapitalbindung: Das Geld wurde dem Kunden bereits zurückerstattet, während die Ware erst wieder verkauft werden muss. Gerade bei hohen Retourenquoten bindet das erhebliche Liquidität im Warenbestand.
Wie groß die wirtschaftliche Dimension ist, zeigt ein Beispiel: Ein Händler mit 250 Mio. Euro Nettoumsatz, 150 Euro durchschnittlichem Warenkorb und 50 Prozent Alpha-Retourenquote verursacht bei 20–25 Euro Kosten pro Retoure jährliche Retourenkosten von rund 33 bis 42 Mio. Euro. Jeder Euro weniger Retourenkosten schlägt sich dabei direkt als zusätzlicher Ergebnisbeitrag nieder.
Im Modebereich sprechen wir von 20–25 Euro Kosten pro Retoure. Warum sind diese Kosten in vielen Unternehmen kaum transparent im Reporting sichtbar?
Der Hauptgrund ist, dass sich die Kosten einer Retoure über viele verschiedene Kostenstellen verteilen.
Ein Teil entsteht in der Logistik, ein anderer im Customer Service, weitere Effekte zeigen sich in der Zahlungsabwicklung, im Warenbestand oder in Form von Preisabschlägen und Abschriften. Im Reporting tauchen diese Kosten deshalb häufig fragmentiert in unterschiedlichen Budgets auf – statt als klarer, konsolidierter Kostenblock „Retouren“.
Das führt dazu, dass viele Unternehmen ihre Retourenquote sehr genau kennen, aber deutlich weniger Transparenz über die tatsächlichen Gesamtkosten pro Retoure haben.
Gerade deshalb wird das wirtschaftliche Potenzial der Retourenoptimierung häufig unterschätzt.
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