Reform gefordert: EU-Zoll kann Billig-Paket-Flut nicht bewältigen

Veröffentlicht: 12.02.2026
imgAktualisierung: 12.02.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
12.02.2026
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Zollkontrolle von Paketen
stockasso / Depositphotos.com
84 Prozent der E-Commerce-Importe aus China gelten als gefährlich. Die EU-Zollbehörden sind überfordert – Experten fordern eine Reform.


EU-Zollkontrollen offenbaren eklatante Sicherheitslücken bei E-Commerce-Importen: Mehr als die Hälfte von rund 20.000 überprüften Spielzeugen und Elektronikartikeln erfüllte im vergangenen Sommer die EU-Vorgaben nicht, 84 Prozent der im Labor getesteten Produkte wurden als gefährlich eingestuft. Besonders stark betroffen sind Sendungen aus China – und das bei rasant wachsendem Paketaufkommen, das bestehende Kontrollkapazitäten deutlich überfordert. In den vergangenen Jahren haben entsprechende Kontrolle mehrfach ähnliche Ergebnisse geliefert.

Täglich erreichen über 12 Millionen Pakete die EU, 2024 summierten sich die Sendungen auf 4,6 Milliarden Sendungen. Über 90 Prozent davon stammen aus China. Im Juli 2025 lag der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr bei 36 Prozent. Gleichzeitig bleibt die Prüfquote nahezu wirkungslos: Lediglich 0,008 Prozent aller Pakete werden kontrolliert – angesichts der enormen Zahlen kaum verwunderlich.

Paketpauschale greift zu kurz

Die Konsequenz zeigt sich in den Ablehnungszahlen: 2024 verweigerten Behörden die Einfuhr von 48.139 Artikeln aus China – ein Plus von 180 Prozent gegenüber 2022. Trotz dieser Zunahme wirkt die Kontrolle angesichts des Volumens wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Die ab dem 1. Juli 2026 geplante 3-Euro-Pauschale für Kleinsendungen adressiert nach Einschätzung der Unternehmensberatung SKR AG allenfalls das Symptom, nicht die Ursache. Gebühren ohne verlässliche Daten, klare Zuständigkeiten und effiziente Prüfprozesse verpuffen in der Masse, heißt es.

Gefordert sei ein struktureller Neustart der Zoll- und Marktüberwachung: eine EU-weite digitale Zollplattform, die Vorabmeldungen verpflichtend macht, einheitliche, maschinenlesbare Produktdaten bereitstellt und Prüfgrundlagen zwischen Zoll und Marktaufsicht harmonisiert. So ließen sich riskante Sendungen automatisiert identifizieren, Ressourcen zielgerichtet einsetzen und die Nachverfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts hinweg sicherstellen.

Zollreform notwendig

SKR fordert eine Zollreform mit folgenden Kernpunkten:

  • Verbindliche digitale Voranmeldungen für alle Drittlandssendungen
  • Einheitliche Produktdatenstandards, inklusive Sicherheits- und Konformitätsangaben
  • Gemeinsame Daten- und Prüfgrundlagen für Zoll und Marktüberwachung
  • Risikobasierte, KI-gestützte Auswahlverfahren zur Bündelung von Kontrollen
  • Transparente Rückverfolgbarkeit und klare Verantwortlichkeiten entlang der Lieferkette

Angesichts eines E-Commerce-Marktes, der in Paketzahlen explodiert, brauche die EU einen Systemwechsel weg von stichprobenartigen, analogen Abläufen hin zu digital vernetzten, skalierbaren Kontrollen. Nur so ließen sich Verbraucher schützen, faire Wettbewerbsbedingungen sichern und die Integrität des Binnenmarkts in Zeiten globaler Plattformlogistik bewahren.

Temu kooperiert mit Dekra: Mehr Produktsicherheit im Marktplatz

Temu, einer der Hauptadressaten der Kritik, will indes auch selbst dafür sorgen, sein Image zu verbessern und weniger Konflikte mit den europäischen Zollbehörden zu riskieren. Der Marktplatz arbeitet künftig mit Dekra zusammen, um Produktsicherheit und Compliance auf dem Marktplatz zu stärken. Dekra übernehme dabei unabhängige Tests für ausgewählte Elektro- und Elektronik-Kategorien wie Autoelektronik und Haushaltsgeräte. Die Services werden direkt im Seller Center eingebunden, sodass Händler Zertifizierungen nahtlos beauftragen können, teilt Temu mit.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 12.02.2026
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

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3 Kommentare
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KI
18.02.2026

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Meinung: Das Versagen der Aufsicht: Ein weiteres System am Abgrund Jahrelanges Wegschauen und die völlige Ignoranz gegenüber der digitalen Handelsrealität haben ein Sicherheitsvakuum geschaffen, das unsere Märkte mit gefährlichem Schrott flutet. Während Politiker und Behörden sich in wirkungslosen Scheinlösungen wie der Drei-Euro-Pauschale verlieren, bleibt die tatsächliche Kontrolle bei einer Quote von fast null Prozent ein schlechter Scherz. Es ist ein Schlag ins Gesicht jedes steuerzahlenden Bürgers, dass die Verantwortlichen für dieses eklatante Staatsversagen keinerlei Konsequenzen fürchten müssen, sondern stattdessen ihre Karrieren in gesicherten Pensionen ausklingen lassen. Trotz erdrückender Beweise für systematische Gefährdungen durch Importe aus Drittstaaten bleibt der Schutz der Verbraucher bloße Rhetorik, während die Bürokratie sich in ihrer eigenen Gemütlichkeit einrichtet. Wer Leistung ohne Haftung erbringt, hat den Bezug zur Realität längst verloren – auf Kosten unserer Sicherheit und eines fairen Wettbewerbs.
Matze
18.02.2026

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Scheinbar wollen die Menschen es. In allen Internetforen nachzulesen das Sie es bewusst so kaufen. Kein Wunder also mit den ganzen Regulierungen das immer mehr dieses übergriffige Nanny-Europa nur noch verabscheuen. PS hier bei uns kann man die Sachen in jedem Hyperstore kaufen mitten in Europa. Das man nicht alles kontrolliert führt dazu das weniger an Dummheit sterben
Jay
13.02.2026

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Wer hätte es gedacht - das war ja absolut überhaupt nicht vorhersehbar, dass es so kommen wird. Wer hätte gedacht, dass die Strafpauschale zu kurz greift? Das hätte ich ja NIE erwartet. Man fragt sich manchmal echt, welche realitätsfremden Leute so nen Quatsch beschließen und entscheiden. Jeder der wirtschaftliche Entscheidungen treffen darf, sollte erstmal nen "Wirtschaftsführerschein" machen müssen, dass so ein Rotz gar nicht erst zur Abstimmung kommt.