Postverkehr in die USA kollabiert - jetzt springt die UNO ein

Veröffentlicht: 08.09.2025
imgAktualisierung: 08.09.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
08.09.2025
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Viele Pakete auf einem Laufband
ChinaImages / Depositphotos.com
Neue Zollregeln in den USA führen zum Einbruch des internationalen Paketverkehrs. Jetzt bietet der Weltpostverein eine API als Notlösung.


Der internationale Paketversand in die USA ist dem Weltpostverein zufolge massiv eingebrochen. Mit Inkrafttreten der neuen US-Zollregelung ist die Zahl der Sendungen am 29. August im Vergleich zur Vorwoche um 81 Prozent gesunken. Insgesamt haben 88 Postdienstleister weltweit den Versand in die USA ganz oder teilweise eingestellt.  

Mit der Abschaffung der bisherigen Zollbefreiung für Pakete mit einem Wert unter 800 Dollar – der sogenannten De-minimis-Regelung – erhebt die US-Regierung nun reguläre Zollsätze – beispielsweise 15 Prozent für EU-Sendungen oder bis zu 50 Prozent für Pakete aus Indien oder Brasilien. Die Deutsche Post und DHL hatten den Versand in die USA bereits zuvor eingeschränkt.  

Trump: Temu ist schuld

US-Präsident Donald Trump begründet die Maßnahme mit Drogenschmuggel und dem starken Anstieg zollfreier Lieferungen durch Plattformen wie Temu und Shein. Allein nach der Abschaffung der Zollfreiheit für China-Pakete im Mai sank die Zahl dieser Sendungen von vier Millionen auf eine Million täglich. Seitdem seien Zölle in Höhe von 492 Millionen Dollar auf Pakete erhoben worden, so der Spiegel.

Weltpostverein: UNO-Organisation bietet API als Workaround

Nun hat der Weltpostverein (engl: Universal Postal Union, kurz UPU), seines Zeichens eine Unterorganisation der UNO, einen Workaround präsentiert. Weil die UPU für den internationalen freien Postverkehr verantwortlich sei, wurde kurzfristig eine technische Lösung entwickelt, um den Versand in die USA weiter zu ermöglichen, auch wenn 88 Postdienstleister diesen eingestellt haben.

Seit dem 5. September können Postbetreiber über eine API, die in ihre Verkaufssysteme integriert werden kann, auf einen Kostenrechner zugreifen, der es ihnen ermöglicht, die erforderlichen Zölle von den Kunden zu berechnen und einzuziehen. Die neuen Regelungen verlagerten die Verantwortung für die Zollabwicklung erstmals auf die Transportdienstleister oder von der US-Zollbehörde (CBP) zugelassene Parteien. Viele Fluggesellschaften waren nicht bereit oder in der Lage, diese Verantwortung zu übernehmen, was zu erheblichen Störungen führte.

Die UPU werde die sogenannte Delivered-Duty-Paid-(DDP)-Lösung in die Zollanmeldungsplattform integrieren, was eine schrittweise Einführung durch die 176 Postbetreiber ermögliche, die diese Plattform nutzen. Die UPU will die Postbetreiber bei der Umsetzung unterstützen, einschließlich der Anpassung interner Verfahren und der Schulung des Postpersonals.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 08.09.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
4 Kommentare
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Frank Pagenkemper
09.09.2025

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Ist dieses Modell Trump in der Zollpolitik möglicherweise ein Vorbild? Warum wird so etwas nicht in der EU beschlossen? Das hat wahrscheinlich wieder mit der Schwäche Europas zu tun. Um den europäischen Binnenmarkt zu vergrößern und für Investoren interessant zu machen sind viele Staaten aufgenommen worden, die in ihrer Entwicklung nationalistisch statt europäisch geworden sind. Die sind nur in der EU wegen der vielen Zuschüsse, sind aber als Machtfaktor unbrauchbar, denn sie unterminieren die Beschlüsse der EU. Wäre die EU also so hart wie Trump beim Zoll für Kleinsendungen könnte China die EU Staaten ganz leicht auseinandertreiben. Zudem haben die Politiker hier große Angst davor so billige Bezugswege auszutrocknen, denn der Endverbraucher würde wohl sehr wütend sein, wenn sie dort nicht mehr einkaufen könnten. Trump ist das egal, er wurde zwar vor allem von den Verlierern der Globalisierung gewählt. Ihm ist das allerdings herzlich egal, ob die nun für seine radikale Handelspolitik die Zeche zahlen. Mein Herz schreit nach Gerechtigkeit und will dazu ja sagen aber mein Verstand weiß doch genau, dass damit die Ungerechtigkeit noch großer wird.
cf
08.09.2025

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Hm, wenn die Paketzahl aus Drittstaaten so schnell reduziert werden konnte, warum genau macht die EU das nicht auch direkt mit den Billigplattformen, anstatt noch 5 Jahre darüber zu diskutieren? Zoll wird entlastet, Umweltschutz steigt, lokale Händler profitieren...
Markus
08.09.2025
"Mit der Abschaffung der bisherigen Zollbefreiung für Pakete mit einem Wert unter 800 Dollar – der sogenannten De-minimis-Regelung – erhebt die US-Regierung nun reguläre Zollsätze – beispielsweise 15 Prozent für EU-Sendungen" -- Das lese ich immer wieder überall, es ist aber eigentlich falsch. Denn es ist zu unterscheiden zwischen Paketsendungen (so z.B. UPS/FedEx, DHL Express) und den Postsendungen (Päckchen sowie die meisten Kleinwarensendungen bis 2Kg und auch normale DHL Pakete ...halt alles was in USA durch den US Post Service USPS ausgeliefert wird). Für richtige Paketsendungen gilt nun die Ad-Valorem Verzollung z.B. EU mit 15% des Warenwertes. Was aber viel schlimmer (und de-facto damit unmöglich) ist, sind Postsendungen, die ab sofort bis Feb. 2026 mit einer pauschalen Zollgebühr von ab 80 USD (je nach Herkunftsland) je Artikel (!!!) verzollt werden. Erst ab Feb. 2026 gilt dann auch für die Postsendungen die Ad-Valorem Verzollung wie für Pakete.
Sjaak
08.09.2025
Die EU scheint alles gegen die Wand zu fahren: Eigene Händler werden durch zunehmende Bürokratie gegängelt, während chinesische Anbieter ohne Registrierungen wie WEEE, LUCID, ElektroG, BattG, VerpackG oder KrWG ungehemmt und oft noch subventioniert (Versand) in die EU liefern können. Es ist ein Irrenhaus hier.