Der internationale Paketversand in die USA ist dem Weltpostverein zufolge massiv eingebrochen. Mit Inkrafttreten der neuen US-Zollregelung ist die Zahl der Sendungen am 29. August im Vergleich zur Vorwoche um 81 Prozent gesunken. Insgesamt haben 88 Postdienstleister weltweit den Versand in die USA ganz oder teilweise eingestellt.  

Mit der Abschaffung der bisherigen Zollbefreiung für Pakete mit einem Wert unter 800 Dollar – der sogenannten De-minimis-Regelung – erhebt die US-Regierung nun reguläre Zollsätze – beispielsweise 15 Prozent für EU-Sendungen oder bis zu 50 Prozent für Pakete aus Indien oder Brasilien. Die Deutsche Post und DHL hatten den Versand in die USA bereits zuvor eingeschränkt.  

Trump: Temu ist schuld

US-Präsident Donald Trump begründet die Maßnahme mit Drogenschmuggel und dem starken Anstieg zollfreier Lieferungen durch Plattformen wie Temu und Shein. Allein nach der Abschaffung der Zollfreiheit für China-Pakete im Mai sank die Zahl dieser Sendungen von vier Millionen auf eine Million täglich. Seitdem seien Zölle in Höhe von 492 Millionen Dollar auf Pakete erhoben worden, so der Spiegel.

Weltpostverein: UNO-Organisation bietet API als Workaround

Nun hat der Weltpostverein (engl: Universal Postal Union, kurz UPU), seines Zeichens eine Unterorganisation der UNO, einen Workaround präsentiert. Weil die UPU für den internationalen freien Postverkehr verantwortlich sei, wurde kurzfristig eine technische Lösung entwickelt, um den Versand in die USA weiter zu ermöglichen, auch wenn 88 Postdienstleister diesen eingestellt haben.

Seit dem 5. September können Postbetreiber über eine API, die in ihre Verkaufssysteme integriert werden kann, auf einen Kostenrechner zugreifen, der es ihnen ermöglicht, die erforderlichen Zölle von den Kunden zu berechnen und einzuziehen. Die neuen Regelungen verlagerten die Verantwortung für die Zollabwicklung erstmals auf die Transportdienstleister oder von der US-Zollbehörde (CBP) zugelassene Parteien. Viele Fluggesellschaften waren nicht bereit oder in der Lage, diese Verantwortung zu übernehmen, was zu erheblichen Störungen führte.

Die UPU werde die sogenannte Delivered-Duty-Paid-(DDP)-Lösung in die Zollanmeldungsplattform integrieren, was eine schrittweise Einführung durch die 176 Postbetreiber ermögliche, die diese Plattform nutzen. Die UPU will die Postbetreiber bei der Umsetzung unterstützen, einschließlich der Anpassung interner Verfahren und der Schulung des Postpersonals.

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