Briefzustellung in jetziger Form steht auf der Kippe
Nach Abschluss der Tarifverhandlungen im März, durch die Zusteller:innen künftig höhere Löhne erhalten, muss es sich für den Konzern noch einmal mehr lohnen, auch trotz abnehmender Briefmengen die Postzustellung zu bewerkstelligen. Dass es mehr Verbundzustellung geben wird, löst aber wohl nur einen Teil der Schwierigkeiten. Denn generell sind die Kosten für die Briefzustellung hoch. Um dies abzufangen, wurde Anfang 2022 das Briefporto erhöht, aber auch mehr Zeit für die Zustellung oder, ebenfalls in diesem Zusammenhang, etwa auch ein Aus für die Briefflieger gefordert. Die Flugzeuge seien im Einsatz, um sicherzustellen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen 80 Prozent der Briefe am Tag nach dem Einwurf ausgeliefert werden. Diese letztgenannte gesetzliche Regelung sei aus Kostensicht ohnehin problematisch. „Das Anspruchsniveau an unsere Dienstleistung führt zu enorm hohen Kosten“, erklärte Post-Chef Frank Appel dazu im November des vergangenen Jahres. Seitens der DPVKOM führe diese in Gewerkschaftskreisen „Zwei-Klassen-Zustellung“ genannte Veränderung der Brieflaufzeiten nicht unbedingt zur Entlastung der Arbeitnehmer:innen. „Nur die Zeitpunkte, zu denen Sendungen zugestellt werden müssen, ändern sich“, so DPVKOM-Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus kürzlich bei ServusTV. Das führe eher zu einer weiteren Arbeitsverdichtung: „So ist ein gewisser Druck vorhanden, die anfallenden Sendungsmengen an bestimmten Tagen auszuteilen.“
Vorgaben und Prozesse in der Briefzustellung scheinen bei Personalengpässen hin und wieder zu Problemen zu führen, wie sich etwa im Herbst des vergangenen Jahres zeigte. Damals hagelte es für die Post überdurchschnittlich viele Beschwerden über die Briefzustellung. Grund war nach Angaben des Konzerns u. a. ein krankheitsbedingter Personalausfall. Währenddessen wurden beispielsweise Paketsendungen priorisiert, da diese aus logistischen Gründen nicht zurückgehalten werden können – aber auch, weil die Prozesse im Paketbereich eben nicht so komplex wie im Briefgeschäft seien, hieß es damals von Thomas Schneider, Bereichsvorstand Betrieb bei Post & Paket Deutschland.
Im jüngsten Tarifstreit mit den Gewerkschaften hatte die Deutsche Post auch damit gedroht, das Briefgeschäft auszugliedern, sollte man nicht von den hohen Forderungen abweichen. Für den Fall, dass kein Unternehmen die Briefversorgung wirtschaftlich durchführen kann, gebe es aber das Postgesetz. „Solche Ankündigungen spielen mit den Ängsten der Menschen, sind aber völlig unbegründet“, erläutert der Paketverband BIEK zu dem Sachverhalt. „Wenn der Markt nicht funktioniert, dann kann die Bundesnetzagentur ein Unternehmen beauftragen – auch die Deutsche Post –, das die Versorgung dann übernehmen muss und die Kosten dafür ausgeglichen bekommt.“
Verbundzustellung: Ist die Post im Wettbewerbsvorteil?
Der BIEK, der Kurier-, Express- und Paketdienstleister wie Hermes, DPD oder GLS vertritt, hat indes andere Kritikpunkte an dem Zustellmodell – nämlich in Hinblick auf einen fairen Wettbewerb. Die Paketsparte DHL nimmt für die Verbundzustellung die Infrastruktur der Briefsparte der Deutschen Post in Anspruch. Die Verbundzustellung sei grundsätzlich „ökonomisch vernünftig, da mit dieser Praxis Effizienz- und Nachhaltigkeitsaspekte einhergehen“, erläutert der Verband auf Nachfrage. „Weil aber im Paketmarkt intensiver Wettbewerb zu anderen Marktteilnehmern besteht, ist es erforderlich, dass die Inanspruchnahme der Briefinfrastruktur zu Marktpreisen erfolgt. Alles andere wäre wettbewerbsverzerrend, denn die Briefinfrastruktur wird durch staatlich genehmigte Briefporti finanziert. Wenn sie von der Paketsparte unentgeltlich mitbenutzt wird, entsteht ein ungerechtfertigter Kostenvorteil gegenüber den Wettbewerbern“, gibt der Verband zu bedenken. Die Post könne ihre Kosten im „wettbewerbsintensiven“ Paketmarkt über das Briefporto refinanzieren und Preise anbieten, die nicht alle entstehenden Kosten decken würden – etwas, dass der Konkurrenz nicht möglich sei. „Die Verbundzustellung eröffnet der Deutschen Post also Quersubventionierungsmöglichkeiten“, so der BIEK. Diese müssten beseitigt werden, so die Forderung.
Die Deutsche Post widerspricht dieser Auffassung. „Der Vorwurf der Quersubventionierung ist so alt wie falsch“, führt ein Unternehmenssprecher aus. „Nicht nur die reale Ergebnisentwicklung im Segment Post & Paket Deutschland widerspricht dieser. Auch die Bundesnetzagentur hat bei der Entgeltgenehmigung wiederholt die Kostenzuordnungen der einzelnen Segmente bei der Deutschen Post im Detail überprüft und noch nie eine Quersubventionierung festgestellt.“ Es stehe den Wettbewerbern im Paketbereich frei, neben Paketen auch Briefe im ländlichen und stadtnahen Raum zuzustellen, ergänzt der Konzern.
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Jüngst erntete das Zustellkonzept wegen eines neuen Vorstoßes der Deutschen Post erneut Skepsis in Hinblick auf den Wettbewerb. So sprach sich der Logistiker für eine einheitliche CO₂-Kennzeichnung für Pakete aus. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben vertrat etwa die Auffassung, dass die Post durch die Verbundzustellung gegenüber reinen Paketdiensten im Vorteil sei. Der Paketverband, der regelmäßige Berichte über den CO₂-Fußabdruck begrüßt, hält die Idee der Post, einen Durchschnittswert als Grundlage für ein CO₂-Label festzulegen, für ungeeignet. „Da Durchschnittswerte kaum etwas aussagen, sind sie intransparent. Zudem muss bei einer CO2-Kennzeichnung klar sein, was gekennzeichnet wird. Eine CO₂-Kennzeichnung, wie sie von der Deutschen Post vorgeschlagen wird, beinhaltet auch Briefe statt nur Pakete. Es werden also Äpfel mit Birnen verglichen. Das E-Fahrzeug der Deutschen Post, der Streetscooter, wurde z. B. von vornherein für die Verbundzustellung von Brief und Paket eingesetzt. Demgegenüber transportieren die Wettbewerber nur Pakete.“
Nach dem Bekanntwerden der Pläne der Deutschen Post im vergangenen Jahr war die Verbundzustellung „ein Dauerthema“ auf der Aktionärsversammlung der Deutschen Post im Mai 2022, schrieb damals etwa Heise. Die nächste ordentliche Sitzung ist am 4. Mai 2023 – und man darf insofern gespannt sein, wie sich das Thema weiter entwickeln wird.
Mehr Verbund – weniger Haustürzustellung
Seit 2017 ist der Anteil der Verbundzustellung stetig gestiegen und soll weiter wachsen. Noch im Jahr 2025 soll der Anteil sogar auf bis zu 90 Prozent steigen. Das ist ein massiver Ausbau, denn zuletzt wurde noch ein Zielwert von 70 bis 75 Prozent kommuniziert. Nachdem vor allem in ländlichen Gebieten im Verbund zugestellt wurde, soll dies nun auch auf Städte ausgeweitet werden. Das könne dazu führen, dass Briefe nicht wie bisher in vielen größeren Städten oftmals mit dem Fahrrad ausgetragen werden, sondern die Zusteller:innen in Lieferfahrzeugen unterwegs sind. Um die Verkehrssituation nicht zu stark zu strapazieren, sollen Haltepunkte einführt werden. Gleichzeitig plant die Deutsche Post, die Haustürzustellung zu reduzieren.
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Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag wurde im Februar 2025 um aktuelle Entwicklung zur Verbundzustellung ergänzt.
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Es wird auf den Knochen der Zusteller ausgetragen ,Hauptsache die Kohle stimmt
Und im Verbund geht es auch nicht nur um Briefe und Pakete ,es ist auch die ganze Werbung von Haus zu Haus ,so das am manchen Tag die Arbeit nicht geschafft wird ......und das Ende vom Lied ....Krankheit ,neue Kräfte springen ab .....
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sonst würden nicht weniger briefe in der post sein.
es ist alles nur der absichtliche weg, weg mit der briefpost.
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