Angriff auf die Spediteure: Amazon startet eigenen Frachtdienst

Veröffentlicht: 10.02.2022
imgAktualisierung: 22.06.2022
Geschrieben von: Markus Gärtner
Lesezeit: ca. 3 Min.
10.02.2022
img 22.06.2022
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Amazon-Lkw
© photobyphm / Shutterstock.com
Amazon startet mit Global Logistics einen eigenen weltweiten Frachtdienst und greift zum Start mit Tiefpreisen die Branche an.


Aufruhr in der Logistik-Branche: Amazon nimmt sich ein weiteres Geschäftsfeld vor und will mit dem eigenen neuen Frachtdienst Amazon Global Logistics die Ware der Händler auch auf der ersten Meile transportieren, wie das Handelsblatt berichtet.

Amazon kann somit den weltweiten Waren-Transport seiner Marktplatz-Händler übernehmen. Dafür will das Unternehmen unter anderem Kapazitäten in fremden Containerschiffen und Frachtflugzeugen buchen. Im Amazon-Verkäuferportal Seller Central wird der Umfang erläutert: „Amazon Global Logistics unterstützt Sie dabei, Ihren Lagerbestand mit Versand durch Amazon weltweit an Amazon-Logistikzentren zu versenden. Sie können von China aus Sendungen in das Vereinigte Königreich, nach Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien per See- (Container-Komplettladungen und Container-Teilladungen) und Luftfracht versenden. Das Programm bietet auch den Versand in die USA an.“ Zunächst wird der Service nur in Festlandchina und Hongkong angeboten, soll aber bald auf Produktionsorte in Indien, Vietnam und Thailand erweitert werden. Amazon bietet neben dem reinen Transport auch weitere Dienste wie einen Palettierungsservice und die Zoll-Abfertigung.

Amazon greift mit Tiefpreisen an

Amazon will dabei zum Start wohl „Discounterpreise“ offerieren – und dürfte somit für viele Speditionsunternehmen eine mächtige Konkurrenz werden. „Die von den Speditionen aufgerufenen Preise unterbietet Amazon massiv“, sagt die Zollexpertin und Wirtschaftsjuristin Francine Dammholz im Handelsblatt. Amazon kann durch seine Marktmacht und das mögliche Volumen für sich gute Bedingungen mit Reedereien aushandeln. Hinzu kommt, dass die Frachtraten wegen der Probleme durch die Corona-Pandemie erheblich gestiegen sind – das könnte Importeure noch mehr zu dem neuen Herausforderer treiben.

Mehr zum Thema: Fulfillment, Flugzeuge und fahrende Roboter – So vielfältig ist Amazons Logistik

Amazon-Händler zahlen weniger Frachtkosten

Für Händler könnte der Transport ihrer Waren aus den Produktionsorten in Fernost und Co. deutlich billiger werden – die Frachtkosten könnten unter Umständen nur noch halb so hoch sein, schätzen Experten laut t3n. Die genauen Preise für Amazon Global Logistics variieren je nach Versandort, Zielort und Gewicht. 

Amazon nimmt mit dem neuen Geschäftszweig einen weiteren Teil der Lieferkette in die eigenen Hände. Auf der letzten Meile zum Endkunden hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits immer weiter aufgerüstet und sitzt etablierten KEP-Diensten im Nacken, wie auch Amazon Watchblog berichtete. Doch die aufstrebende neue Frachtmacht sehen nicht alle als große Gefahr. Sebastian Klauke, bei der Otto Group Konzern-Vorstand für E-Commerce, erklärte dazu bei einem Mediengespräch zu den Otto-Zahlen: „Es ist nicht inkonsequent, dass das passiert, ich rechne daber nicht damit, dass das die Marktdynamik absehbar superdoll verändern wird.“ Die Otto Group habe im Bereich Spedition keine dahingehenden Pläne, so Klauke.

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Veröffentlicht: 10.02.2022
img Letzte Aktualisierung: 22.06.2022
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Markus Gärtner

KOMMENTARE
2 Kommentare
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Anil Toptas
11.10.2022

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Markus M.
11.02.2022

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Es wird keine Branche geben, die Amazon nicht angreifen wird. Wann werden das alle verstehen? Immer das gleiche. Zunächst lässt man Firmen für sich arbeiten. Zu extrem günstigen Konditionen werden sie abhängig (aufgrund des Volumens von Amazon) und zu Wasserträgern degradiert, bevor man ihnen den Todesstoß versetzt und selbst in die Branche einsteigt.