„An das Umweltgewissen der Kunden zu appellieren, hat uns beim Retourenmanagement einiges gebracht“
Außerdem bezieht Otto Kundenbewertungen aktiv mit in den Retourenprozess ein. Dies geschieht auf zwei Ebenen. Zum einen fast eine künstliche Intelligenz Begriffe zusammen, die besonders häufig in Rezensionen genannt werden und macht diese in einem Keyword sichtbar. Bei Klick auf dieses Keyword werden alle Bewertungen anzeigt, die das bestimmte Wort enthalten. Zum anderen werden die Rücksendungen sehr aufwendig ausgewertet und die Gründe für Retouren in ein System eingespeist. Erkennt das Tool, dass ein Produkt häufig mit der gleichen Begründung zurückgeschickt wird, schlägt es umgehend Alarm. Auf diese Weise erkennt Otto sehr schnell, wenn beispielsweise eine Charge an Blusen produziert wurde, die an den Armen zu eng sitzt und dem Händler so nur Retouren beschert. „Wenn das System anschlägt, nehmen wir das Produkt dann auch sofort aus dem Shop heraus“, so der Pressesprecher zum Prozess.

Otto hat natürlich auch erkannt, dass sich das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren immer mehr in den Köpfen der Konsumenten festgesetzt hat und dies in die Prozesse des Retourenmanagements mit aufgenommen. Hat ein Käufer mehrere Größen desselben Artikels in den Warenkorb gelegt erscheint ein PopUp-Fenster mit einem Hinweis auf die zusätzlichen Transportwege und Umweltbelastung. So konnte Otto nach eigenen Angaben bereits nach kurzer Zeit die Retouren herabsenken. „An das Umweltgewissen der Kunden zu appellieren, hat uns beim Retourenmanagement einiges gebracht“, resümiert Frank Surholt.
Zalandos Sizing Team und Künstliche Intelligenz
Auch Online-Modehändler Zalando hat eine ganz besondere Strategie entwickelt, damit so wenig Stücke wie möglich nach dem Kauf wieder zurück zum Unternehmen wandern. Dafür arbeiten die Berliner unter anderem mit detaillierten Produktbeschreibungen und Produktvideos, experimentieren aber auch mit Teilkörperansichten, 360°-Ansichten und Größenempfehlungen. Um das zu realisieren, wurde vor einigen Jahren sogar eine eigene Abteilung, das Sizing-Team, im Unternehmen gegründet. Dieses besteht aus Datenwissenschaftlern, Business Developern, Software-Ingenieuren und Fitting Models und befasst sich ausführlich mit Produktgrößen und den richtigen Passformen. Dabei setzt das Berliner Unternehmen zum großen Teil auch auf maschinelles Lernen, um Produkte direkt im Shop mit einem Hinweis zu versehen, sollten diese beispielsweise zu klein oder zu groß ausfallen. Mit dem Thema Sizing will Zalando nicht nur die eigenen Kunden zufriedenstellen und die Retourenquote senken, sondern auch in der gesamten Branche einen Unterschied machen.
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