Verpackungsgrößen: Wer die Wahl hat, ...
Packzeit, Materialverbrauch, Kundenerlebnis, Stabilität – alle Faktoren zum gleichen Maße zu bedienen, ist fast unmöglich. Worauf sollten Händler den Fokus legen?
Aus der Erfahrung vieler erfolgreicher Kundenprojekte kann ich sagen, dass es in den häufigsten Fällen gelingt, diese Faktoren in Einklang zu bringen. Dazu gehört eine ganzheitliche Analyse aller verpackungsrelevanten Bereiche und, basierend darauf, eine strukturierte Umsetzung der identifizierten Handlungsfelder.
Auf den Punkt gebracht, bedeutet das als Fokus für die Händler: 100 Prozent Qualität und Effizienz in allen internen Belangen, 100 Prozent Erfüllung von Kundenanforderungen und 100 Prozent positive Kundenerlebnisse.
Warum gibt es immer wieder Fälle, in denen Verpackungen zu groß ausfallen?
Aus meiner Sicht sind speziell die großen Versender zu einseitig fokussiert auf vermeintlich effiziente Packprozesse. Die Auswirkung ist ein stark standardisiertes Verpackungssortiment mit „zu wenig“ differenzierten Verpackungsgrößen. Gleichzeitig scheinen „Ausreißer“ im Produktsortiment zu wenig berücksichtigt zu werden. Ausreißer bedeuten besonders große, lange, schwere, sensible Produkte.
Außerdem scheinen die Verpackungssortimente auf mehrteilige Bestellungen ausgerichtet zu sein. Diese Auftragskombinationen sind zwangsläufig schlechter zu planen, so dass die bereitgestellte Verpackungsgrößen nur einen bestmöglichen Kompromiß darstellen können.
Aus meiner Sicht werden zunehmend Bestellungen einzeln und per Smartphone von Kunden abgeschickt. Das führt dazu, daß es immer mehr Einzelbestellungen geben wird (und gibt), auf die die aktuellen Verpackungsgrößen nur wenig ausgerichtet sind. Ohne Anpassung der Verpackungssortimente wird das zukünftig zu noch mehr Luft in der Verpackung führen.
Wie schafft man es, die ideale Verpackungsgröße zur Hand zu haben? Welche Prozesse sind für effiziente Verpackungen vielleicht außerdem wichtig?
Für die Festlegung „idealer“ Verpackungsgrößen benötigt es eine systematische Produktanalyse, um das Produktsortiment entsprechend zu clustern. Die Cluster werden beispielsweise nach den Produktgrößen, Produktsensibilität, Produktgewichten etc. ausgerichtet. Zusätzlich erfolgt die Analyse der Bestellungen der einzelnen Kundengruppen auf Basis einer Vergangenheitsbetrachtung und unter Berücksichtigung zukünftiger Trends (siehe oben, zunehmende Einzelbestellungen durch Smartphones).
Auf Basis der Cluster werden die Verpackungsgrößen definiert. Dabei ist zu beachten, die richtige Feinjustierung hinsichtlich der Anzahl an Verpackungsgrößen zu erreichen.
Die beiden Extreme wären:
- Eine Verpackung für alle Produkte: geringste Verpackungsvielfalt, aber größter Materialverbrauch und meiste Luft in der Verpackung
- Für jedes Produkt eine Verpackung: geringster Materialverbrauch und geringste Luft in der Verpackung, aber größte Verpackungsvielfalt
Natürlich wird es trotzdem Bestellungen geben, die die bestehenden Verpackungsgrößen nicht komplett ausfüllen. In diesen Fällen helfen sogenannte flexible Verpackungsgrößen. Die bekannteste Ausführung dazu sind Riller an den Seiten der Versandkartons, um in der Höhe variabel zu sein. Je nach Auftragsmengen gibt es auch halb- und vollautomatische Anlagen, um die Verpackung näher ans Produkt zu bekommen.
3 goldene Regeln von Ihnen zum Abschluss?
- Frühzeitig an die Verpackung denken.
- Das Thema Verpackung nicht unterschätzen.
- Regelmäßige Überprüfung/Bereinigung bestehender Verpackungssortimente und deren Prozesse.
Vielen Dank für das Gespräch!
Dipl. Ing. (FH) Michael Bodemer ist Inhaber der lieferanten- und materialunabhängigen Verpackungsberatung Bodemer. Durch mehr als 14 Jahre Beratungstätigkeit kann er mit der ganzheitlich ausgerichteten Beratung zahlreiche erfolgreiche Optimierungsprojekte bei namhaften Kunden vorweisen. Gemeinsam mit seinem interdisziplinären Team umfasst die Beratungsleistung die Themenbereich Sortimente, Prozesse, Logistik, Vermarktung und Beschaffung.
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