„Speditionswesen wird sich drastisch ändern“
Im Nachhinein gibt es natürlich immer Wege, wie man das schlauer hätte machen können. Felix, der Gründer, ist damals mit eisernem Willen wie so ein Duracell-Häschen auf den Markt losgegangen und hat klassisch Klinken geputzt. Mittlerweile klopfen zwei, drei Speditionen die Woche bei uns an, so dass wir den Vertrieb Richtung Speditionen eigentlich eingestellt haben. Die haben gemerkt, wir sind nicht das Schreckgespenst, sondern ein wertvoller Partner für ihr zukünftiges Geschäft. Inzwischen ist jedem klar, dass sich das Speditionswesen ganz drastisch ändern wird in den nächsten Jahren.
OnlinehaendlerNews: Beim Stichwort Schreckgespenst denken die meisten Menschen in der Online-Branche eher an Amazon und Co. Und Amazon testet ja auch in den USA gerade eine Vermittlungsplattform für Frachten. Inwiefern ist das eine Gefahr für euch?
Lasse Landt: Es wäre Hybris zu sagen, das wäre keine Gefahr. Jeder Markt, in den Amazon eintritt, ist in Gefahr. Amazon macht aber alles selbst, mit Amazon will man nicht unbedingt zusammenarbeiten. Bei uns ist der Ansatz ein anderer, wir arbeiten mit freien Partnern und sehen das als Chance, weil wir, wie gesagt, nicht das digitale Schreckgespenst sind.
Wenn man als Logistiker gegen Amazon bestehen will, muss man sich natürlich schon fragen, wie löst man das Online- und Abwicklungsthema? Möchte ich mich als einzelner Spediteur da mit Amazon in den Ring begeben oder hole ich mir die besten Leute aus allen Gebieten und forme eine Allianz?
OnlinehaendlerNews: Ihr wollt in Deutschland weiter wachsen, habt jetzt aber auch den Schritt nach Europa gewagt.
Lasse Landt: Genau, wir können jetzt auch die ersten europäischen Tarife abbilden. Kernmarkt ist aber immer noch der deutschsprachige Raum, allerdings sehen wir mehr und mehr Transporte aus Deutschland in EU-Länder und umgekehrt – neben den offensichtlichen Frankreich, Polen, Benelux auch viel Spanien und Italien sowie Osteuropa von Ungarn bis runter nach Kroatien. Da bringen wir Transparenz in Routen, die auch die großen Logistiker nicht täglich bedienen. Ein Beispiel: Einer unserer Partner fährt zweimal die Woche nach Italien. Wenn ich als Versender jetzt aber nicht dienstags oder freitags fahren lassen will, dann ist selbst dieser große Logistiker nicht mehr der richtige Ansprechpartner. Aber es gibt vielleicht jemanden, der diese Route mittwochs fährt – und den helfen wir zu finden.
Das bedeutet der Name Pamyra
OnlinehaendlerNews: Wie verläuft die Route von Pamyra weiter, wie wollt ihr euer Angebot weiterentwickeln?
Lasse Landt: Auf Angebotsseite wollen wir stärker in die Breite gehen, also auch Spezialgebiete wie zum Beispiel Gefahrgut oder Hygieneartikel abdecken. Da gibt es andere Anforderungen, die können beispielsweise keinen Lkw nehmen, wo vorher Heu drin war etc. Wir haben auch gesehen, dass es einen wahnsinnigen Bedarf nach vernünftigen Tarif-Konfiguratoren gibt. Speditionen haben häufig noch keine digitalen Tools, die es ihnen erlauben, Preise relativ schnell und einfach anzupassen oder vielleicht sogar Automatismen, z. B. für Betriebsferien oder Feiertage anzulegen.
OnlinehaendlerNews: Zum Schluss noch die Frage nach dem interessanten Namen: Ich muss bei Pamyra immer an die durch den syrischen Bürgerkrieg bekannte Stadt Palmyra denken. Wie ist euer Name entstanden?
Lasse Landt: Die Namensgebung fand tatsächlich wenige Monate vor dem Einfall des IS in Palmyra statt. Drei Monate später wäre der Name sicher ein anderer geworden.
Unser Hintergrund ist aber ganz witzig. Pamyra ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus „Pa“ für Palette und Nikolaus von Myra – das ist der Nikolaus, den wir kennen, der aber auch Schutzpatron der Handlungsreisenden war. Myra.de wäre dann aber zu kurz gewesen.
OnlinehaendlerNews: Vielen Dank für das Gespräch!
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