Gebühren abhängig von Profitabilität des Kunden
Keinen Änderungsbedarf sieht er bei den Retourenkosten, denn kostenlose Retouren hätten sich über Jahre etabliert und damit auch in den Köpfen der Kunden verankert.
Kromer hat dazu einen weiteren Ansatz: „Mittelfristig muss es aber eine stärkere Differenzierung der Versand- und Retourengebühren geben. Hier meine ich nicht Standard- vs. Expresslieferung und auch nicht Same-Day- vs. Next-Day-Lieferung, sondern die Differenzierung nach Kundenprofitabilität und -potenzial. Die Segmentierung der Kunden ist ein Startpunkt, um ,Big Customer Data‘ zielgerichtet in der Logistik anwenden zu können. Im nächsten Schritt kann ich dann jeden Kunden sogar individuell analysieren und steuern.“
Die Express-Lieferung nach Hause ist am zuverlässigsten
Um Lieferzeiten besser einzuhalten, kämen auch alternative Zustellungsoptionen infrage. Click-and-Collect-Modelle kommen laut einer Bitkom-Studie beispielsweise aktuell besser an, als noch vor zwei Jahren. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass Händler nun stark auf diese Modelle setzen sollten, um ihre Waren schneller zur Verfügung zu stellen. Kurt Salmons empirische Untersuchung zeigte, dass Home Deliveries derzeit schneller und zuverlässiger sind als Click & Collect und Click & Reserve. „Zwar bieten viele Händler heute schon ein breiteres Spektrum an Lieferoptionen an, aber die neueren Services wie Click & Collect sind doch häufig noch nicht optimal integriert und ausdefiniert. Wann z. B. wird der Kunde informiert? Was passiert, wenn die Ware nicht abgeholt wird? Wie werden die Bestände gebucht?“ erklärt Kromer.
Ähnliches gelte für zurückgesandte Ware an das Lager, die gegenüber Retouren in die Filiale bislang zuverlässiger ablaufen, weil dieser Prozess schon etablierter sei. Besonders gut funktionieren Expresslieferungen: Diese hätten nicht nur kürzere Lieferzeiten, sondern auch höhere Lieferzuverlässigkeiten. „Sowohl im Lager als auch auf der letzten Meile werden Express-Sendungen gesondert abgewickelt und dafür auch separate, ausreichende Kapazitäten vorgehalten“, begründet dies der Experte.
Kunden wollen Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Schnelligkeit
Doch was erwarten Kunden nun eigentlich von Online-Händlern? Kromers Meinung nach sind die wichtigsten, logistisch relevanten Kaufkriterien für Kunden Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis der Liefergebühren. „Gerade Verfügbarkeit der Ware ist entscheidend in einer Zeit, in der der Wettbewerb nur einen Klick entfernt ist“, sagt er und hat auch einen Lösungsansatz für die Anbieter: „Die Händler müssen dafür Realtime-Transparenz über ihre Bestände haben, und zwar kanalübergreifend. Und sie müssen in der Lage sein, Bestände kanalübergreifend zu nutzen. Nur dann ist es möglich, optimale Fulfillment-Entscheidungen zu treffen, wenn die nächste Kundenorder eintrifft.“
Für ihn bedeutet das konkret, das stationäre und das Online-Geschäft sinnvoll miteinander zu verbinden: „Es gibt keinen Grund, Filialbestände nicht für das Fulfillment von E-Commerce-Aufträgen zu nutzen, wenn z. B. das E-Commerce-Lager leer ist oder der Kunde die Ware in einer Stunde in der Filiale abholen möchte.“ Umgesetzt werden kann dies sowohl durch IT- und Prozess-Optimierungen als auch durch eine gezielte Mitarbeiterführung: „Eine solche kanalübergreifende Integration stellt neue Anforderungen an die IT, z. B. in Form von intelligenten Systemen zur Entscheidungsunterstützung, an die Prozesse (etwa für die Absortierung von E-Commerce-Aufträgen in der Filiale, die ja per Definition erst einmal kein Lager sind) und an die Mitarbeiter, die incentiviert werden müssen, E-Commerce-Aufträge in der Filiale mit der gleichen Priorität zu behandeln“, so Kromer.
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die Zauberwörter wären Entschleunigung ,Retouren mit mindestens 25 % vom Gesamtpreis bis 99,99 Euro belegen ,und in Städten ab ? 30000 ? Einwohnern einen Zentralen Paket- Kurierdienst installieren.
gerade EXPRESS-Lieferu ngen (ausser vielleicht Arzneimittel)ge hören verboten - da Sie dringend benötigte Ressourcen blockieren.
wer das alles schon Gestern haben wollte - soll bitte schön das selber einkaufen gehen /fahren /fliegen ...... .
"Kanal"-übergreifend - dachte erst was haben denn nun die Brexiter mit den Deutschen Lägern zu schaffen - achso zwischen Online und Ladengeschäft. - na im gegenteil - das sollte man absolut vermeiden - den Artikel (wenn vorrätig) verkaufen ja - aber nicht als Onlinekauf !
dann muss man ja die verrückten Online-Bedingun gen erfüllen !
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