Verpackungsverordnung: Händler sind enorm unvorbereitet

Veröffentlicht: 17.09.2025
imgAktualisierung: 17.09.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
17.09.2025
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ca. 2 Min.
Viele Pakete in Regalen in einer Lagerhalle
belchonock / Depositphotos.com
Nur wenige Händler sind bereits auf die EU-Verpackungsverordnung vorbereitet. Fehlendes Wissen und hoher Aufwand bremsen die Umsetzung.


Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer IML in Zusammenarbeit mit dem Software-Anbieter Logistikbude und der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) sind viele Unternehmen in Handel und Logistik nicht ausreichend auf die Anforderungen der kommenden EU-Verpackungsverordnung (PPWR) vorbereitet. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass gerade einmal zehn Prozent der Unternehmen die grundlegenden Anforderungen bereits erfüllen. Gleichzeitig neigt fast die Hälfte dazu, den eigenen Fortschritt deutlich zu überschätzen.

Ab 2026 ist die PPWR schrittweise umzusetzen und fordert von Unternehmen, ihre Lieferketten transparenter, nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Zu den zentralen Anforderungen gehören verstärkte Wiederverwendung von Verpackungen, eine lückenlose Nachverfolgbarkeit sowie eine verbesserte Datenqualität. Lukas Lehmann vom Fraunhofer IML betont, dass die Verordnung nicht nur Hersteller und Handel betreffe, sie habe auch „direkten Einfluss auf die Logistik. Nachweise, Datenqualität und klare Zuständigkeiten werden unverzichtbar.“

Wissen als strategischer Vorteil

Die Umfrage zeigt auch, dass Wissen ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung der PPWR ist. Rund 70 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sie Leitfäden und Beratungsangebote benötigen, um die Anforderungen zu bewältigen. Wissensorientierte Unternehmen erreichen einen Umsetzungsgrad von 59 Prozent, während mangelnde Informationen diesen Wert auf durchschnittlich 36 Prozent reduzieren.

Hoher Aufwand für die Umsetzung

Zu den häufigsten Hürden zählen hoher Zeit- und Kostenaufwand sowie Unsicherheiten bei der konkreten Umsetzung. Experten empfehlen hier den Einsatz digitaler Mehrwegstrategien und den Aufbau robuster Datenflüsse, um die Anforderungen effizienter zu erfüllen und langfristig von nachhaltigen Prozessen zu profitieren.

„Solange offizielle Leitlinien fehlen, warten viele Unternehmen ab. Aber genau dadurch geht wertvolle Zeit verloren. Unternehmen sollten jetzt die Grundlagen schaffen: saubere Datengrundlagen, klare Verantwortlichkeiten und Transparenz im Verpackungsportfolio. Wer das frühzeitig angeht, kann die PPWR nicht nur erfüllen – sondern daraus echte Vorteile ziehen“, so Lehmann.

Die Studie zeigt nicht nur die Herausforderungen auf, sondern macht auch deutlich, dass Unternehmen, die frühzeitig investieren und sich dem Thema mit strategischem Wissen widmen, klar im Vorteil sein können.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 17.09.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
20 Kommentare
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Ivonne
01.01.2026

Antworten

Aber seh ich das richtig? Wenn ich nach Großbritanien, Japan oder Amerika verschicke, muss ich keinen Bevollmächtigen haben oder lizenzierte Kartons? Find ich ja nett, wie die Europäische UNION keinen Handel untereinander haben möchte. Wofür braucht man das Konzept dann noch?
Redaktion
05.01.2026
Hallo Ivonne,

du müsstest dich natürlich informieren, welches Süppchen die Länder kochen, in welche du versenden willst. Für die gelten zwar nicht die EU-Vorschriften, dafür aber möglicherweise eigene, nationale Vorschriften, an die du dich halten musst.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
Manfred
23.12.2025

Antworten

Wir haben mit unserem kleinen Onlineshop jetzt schon die meisten EU-Länder rausgenommen. Die restlichen werden im kommenden Jahr folgen, da wir den Lizensierungswahnsinn nicht umsetzen geschweige denn bezahlen können werden. Wir haben als einziges EU-Land vor Jahren schon in Österreich eine notarielle Vollmacht an ein Unternehmen erteilen müssen. Das war ein wochenlanger Aufwand. Ein Lizensierungsunternehmen hat uns abgeraten, alle relevanten EU-Länder lizensieren zu lassen, weil ganz einfach für die wenigen Pakete, die wir dahin versenden, die Kosten zu hoch sind. Wir haben uns vor 5 Jahren günstig mit Kartons eingedeckt. Die meisten Größen würden uns noch Jahre lang reichen. Aber jetzt sollen wir die entsorgen? Wie umweltschonend.
Michael Graen
22.12.2025

Antworten

Warum einfach, wenn´s auch kompliziert geht. Der einfache Weg wäre alle Verpackungshersteller und Importeure zur Kasse zu bitten, die schlagen dann etwas auf den Produktpreis auf und schon ist das Thema erledigt. Dann fallen aber leider einige Arbeitsplätze bei den Meldestellen, Lizenzierungsstellen, Registrierungsstellen... weg. Wir kaufen keine Kartonagen, weil wir die Verpackung wiederverwenden, machen aber trotzdem bei Lizenzero unsere Meldung.
Nicolas
22.09.2025

Antworten

Habe das letzte mal vor 3 Jahren Kartons gekauft und diese nach Maß für meine Regale nach Vorbild fertigen lassen. Sind also reine Interne Gebrauchsgegenstände, die nie eine Versandstelle zu sehen bekommen. Für den Versand habe ich das Glück, auf dem Gelände wo sich das Lager befindet Versandverpackungen in ausreichender Menge, Größe und Qualität zu bekommen. Ich zahle also jetzt schon die Verpackungsverordnung für Materialien, die schon einmal lizensiert wurden. Kleine Kartons gab es zu tausenden von einem Kosmetikhersteller in unbenutzter Qualität. Diese reichen bis an mein Lebensende, trotzdem darf ich die Lizensieren. Produktsicherheit, schön und gut, habe bei Neuware auch lieber alles gecheckt. Ich verkaufe teilweise Artikel, die aus Ländern stammen, die seit 30 und mehr Jahren nicht mehr existieren! Hersteller? Aus Tarngründen nicht ermittelbar, sind meist Behördenartikel. Emailadresse als Kontakdaten? Die wussten doch damals noch nicht was eine email ist, geschweige denn ein Internet. Kommt das in's Fenster gegen die Mücken? Antiquitäten? Die Sachen darf man glaube ich erst nach 100 Jahren so bezeichnen. Die EU hat dann halt das nachsehen, da geht dann nichts mehr hin. Habe alleine im 50m Umfeld 12 Firmen die das genauso handhaben. Manche Kunden machen einen Kurztrip nach Berlin und stecken die Sachen dann in ihren Koffer. Der muss ja noch nicht lizensiert werden, oder irre ich mich da jetzt. Kann inzwischen einige verstehen, die sagen, das Bürgergeld reicht und machen die Buden einfach dicht. Lecko mio, popo blanco!
llamaz
21.09.2025

Antworten

Es gibt schlichtweg gar keine Möglichkeit zur Vorbereitung. Als Händler habe ich überhaupt nicht die Möglichkeit Hersteller dazu zu bringen mir zu verraten aus welchen Bestandteilen z.B. die Produktverpackung besteht. Es ist auch gar nicht wirtschaftlich sinnvoll das zu erfassen. Ich hab in den meisten EU Ländern zweistellige Kilobeträge an Müll, es ist billiger einfach das Produktgewicht in jeder Kategorie als Müll anzumelden als tatsächlich die Einzelbestandteile zu erfassen. Das ist für Kleinunternehmen schlichtweg Wahnsinn was da abgeht. Jemand der Elektrogeräte mit Batterien verkauft muss um EU weit verkaufen zu können 78 notariell besuftragte Müllbevollmächtigte bestellen. Für viele ist die Vorbereitung, dass sie ihre Mitarbeiter entlassen und ihr Unternehmen abwickeln.
Tomtech
20.09.2025

Antworten

Hallo Liebe Redaktion, hallo Herr Pech, ich bin immer wieder irritiert, dass der Händlerbund großzügig aber qualitativ sehr gut über die Neuerungen berichtet. Es wäre doch der beste Zusammenschluss von Händlern um der EU mal zu erklären, dass es so von den kleinen Händlern nicht mehr umsetzbar ist. Wir haben doch keine Chance mehr das zu überleben, die einzigen Gewinner sind Amazon, die Abmahnanwälte und Temu....
oejendorfer
19.09.2025

Antworten

Wieder so eine schwachsinnige EU Verordnung die nicht durchführbar ist für uns kleine online Händler. Die EU sollte lieber dafür sorgen, dass in Spanien das Pfandsystem z,B bei Flaschen eingeführt wird. Ganz Mallorca erstickt in Plastikmüll.
Andre
19.09.2025

Antworten

Vollkommen richtig was hier alle schreiben, offensichtlich will man die EU, Deutschland und den gesamten Mittelstand und die Kleinunternehmer komplett ruinieren, dieses Bürokratiemonster ist nicht mehr zu stemmen. Man verbringt nur noch Zeit damit irgendwelche vollkommen sinnfreie Bürokratie abzuarbeiten, welche sich von Leuten ausgedacht wurde, die noch nie im Leben gearbeitet haben. Es dient allein alles nur dazu dieses aufgeblähten Politik und Bürokratieapparat am Leben zu halten und zu ernähren, die Wirtschaft aber wird zerstört. Wer kann wandert aus der EU aus, wer nicht kann geht unter und beantragt Hartz 4, man lebt damit auf jeden Fall deutlich ruhiger. Irgendwann ist auch mal Schluss und der Letzte gibt gegenüber diesen perfiden Methoden alles im Keim zu ersticken, was man sich aufbauen möchte einfach auf. Ich bin jetzt 25 Jahre dabei und die ersten Jahre machten noch Spaß, aber was man daraus nun gemacht hat, ist unerträglich. Nur noch irgendwelcher absoluter Schwachsinn den man machen muss und bis spät in die Nacht dafür arbeiten, ohne die Möglichkeit sich überhaupt noch um das eigentliche Geschäft kümmern zu können. Wäre die Arbeit in Deutschland nicht so unerhört teuer, könnte man dafür ja wenigstens Leute einstellen, jedoch ist dies nicht machbar wegen hoher Kosten die man nicht mehr stemmen kann und weil man auch keine Mitarbeiter mehr findet. Die studieren alle entweder lebenslang mangels Lust auf Arbeit oder sie hartzen gemütlich und arbeiten wenn sie mal für Urlaub, usw. ein wenig mehr brauchen hin und wieder wenn sie Lust dazu haben schwarz. So läuft das hier und alles von der Politik gewollt, niemand rebelliert wirklich dagegen, weil keiner mehr die Kraft dazu hat, angesichts dessen was hier im Land los ist und was man uns alles aufbrummt.
Swen
18.09.2025

Antworten

Als Privatperson finde ich das Zusammenwachsen der EU richtig klasse ! Als Händler ... nun ja, "kotz würg" trifft es wohl am besten :-) Wir versenden schon länger nur noch innerhalb von Deutschland und das werden nach und nach immer mehr werden ...
S. Hochmuth
22.12.2025
Dito. Besonders, da man sich in jedem Land für das VerpackG anmelden muss. Erst wenn ich gefühlt alles im Griff habe, werde ich maximal 1-2 Länder hinzunehmen. Die EU möchte keinen Handel zwischen den EU-Länder von kleinen Unternehmen, sonst gäbe es diesen Schwachsinn nicht.
Achim
18.09.2025

Antworten

Angenommen: Du bekommst von verschiedenen Firmen im Jahr 1000 Karton (Nachverfolgbar) Verwendest davon aber nur die Hälfte wieder, da defekt oder noch im Lager stehen. Und dann bekommst Du eine Rechnung /Strafgebühr weil Du die anderen 500 nicht genutzt hast ? Wer ausser die Großen geht schon verschwenderisch mit seinen Materialien um ?
RW
18.09.2025

Antworten

Es reicht mal mit den ständigen neuen Verordnungen. Sollen wir verkaufen oder nur noch Verordnungen abbarbeiten? Man kann nur hoffen, dass diese aufgeblähte System in sich zusammenbricht, denn nur noch die großen Händler werden überleben. Zudem wird man doch jetzt schon abgezockt. Für gebrauchte Verpackungen, die man wiederverwendet, muss man erneut Lizenzgebühren zahlen. Wenn eine Verpackung mehrfach verwendet wird, muss diese jedes Mal neu lizenziert werden, obwohl diese gar nicht entsorgt wird? Wo gibt es soetwas? Ich würde auch gern mal eine Leistung mehrfach in Rechnung stellen. Eine Mafia ist das und nichts Anderes! Die Politik sollte Gesetze schaffen, die nicht zur Abzocke einladen.
Lars
18.09.2025

Antworten

" Zu den zentralen Anforderungen gehören verstärkte Wiederverwendung von Verpackungen" Das ich nicht lache. Das widerspricht ja genau dem, dass die Verpackungen, an Endkunden nun alle entsprechende Kennzeichnungsbedingungen erfüllen müssen. Da die EU-Kennzeichnungspflicht aber NICHT für Verpackungen im B2B-Bereich gilt, müssen wir also alle Verpackungen, die wir geliefert bekommen wegschmeißen und durch Neue (Konforme) ersetzen.
Cui bono?
18.09.2025

Antworten

In den Medien wird schon länger von der ausufernden Bürokratie berichtet, die der Wirtschaft und vor allem Kleinbetrieben sowie Einzelunternehmen die Luft abschneidet. Will die Politik der EU den freien Handel und Wettbewerb europäischer Unternehmen nun fördern oder unterbinden? Die Blase der Politiker muß wohl endlich platzen, damit sie in der Realität ankommen.
Alex
18.09.2025

Antworten

Was für exorbitant Vorteile kann ich denn als Händler aus diesem Technokratiemonster ziehen? Bitte um konkrete Aussagen.
cf
18.09.2025

Antworten

Meinung: Solange die großen Hersteller und Konzerne keine Daten haben, werden wir kleinen Händler keine Chance haben. Als ich neulich bei einem Lieferanten nach deren Nachhaltigkeitskonzept gefragt habe, habe ich nach 3 Wochen eine pauschale Werbebroschüre erhalten und die Antwort, wenn das nicht genügt, dann könne man mir nicht helfen. Als kleiner Händler hat man Null Marktmacht um da irgendwas zu bewegen - insbesondere nicht bei ausländischen Herstellern. In sofern gibt es für die kleinen eh nur 3 Alternativen: 1. Die Verordnung wird von der EU noch kurz vor Start angepasst (wie in letzter Zeit so oft), 2. Die Hersteller liefern die Daten, 3. Wir können keine Daten bereitstellen, werden Abgemahnt und machen den Laden dann halt zu.
Yildiz
18.09.2025
Du hast vollkommen recht. Mir geht es genauso.
Sjaak
17.09.2025

Antworten

Warum sind wir wohl nicht gut vorbereitet? Weil jede Woche eine neue Verordnung kommt und kaum Zeit fürs Tagesgeschäft bleibt. Ohne zusätzliches Personal, das sich um neue Gesetze und Regelungen kümmert und die ständigen Änderungen überblickt, ist das nicht mehr zu stemmen. So macht das keinen Spaß mehr. Wenn das so weitergeht, hänge ich den Job an den Nagel und beantrage Bürgergeld.
MP
24.09.2025
Ich habe bereits Anfang des Jahres - nach über 20 Jahren - das Handtuch geschmissen. Es ist ja nach einem gewissen Zeitraum nicht nur eine Frage der unnütz verlorenen Zeit und des verlorenen Geldes sondern auch der ruinierten Nerven und der schlaflosen Nächte. Derweil liegen die Verantwortlichen für vielerlei Unsinn in ihren Betten und träumen von neuen Verordnungen die ihre Daseinsberechtigung legitimieren soll.