Justizirrtum – noch Hunderte Freisprüche könnten folgen
So zog eben dieser Softwarefehler einen der größten Jusitzirrtürmer in der britischen Rechtsgeschichte nach sich, wie der Guardian zum Vorfall schreibt. Denn die Schuld für die Kassendifferenzen hatte die britische Post Office Ltd. nicht in der Anwendung gesucht, sondern bei den eigenen Beschäftigten. Diese konnten sich die Unstimmigkeiten in der Regel nicht erklären, dennoch stellte das Unternehmen die Software als zuverlässig dar und sah die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Beweispflicht, ihre Unschuld darzulegen. In der Folge mussten viele diese Fehlbeträge privat ausgleichen oder sie wurden wegen Diebstahls, Betrugs und falscher Buchführung verklagt und teilweise zu Gefängnisstrafen verurteilt.
Die Justice For Subpostmasters Alliance (JFSA), ein Bündnis von Aktivisten, das sich im Zuge der Beschuldigungen und Verurteilungen gegen die ehemaligen Angestellten formiert hatte, geht von über 900 Betroffenen aus. In einer Zivilklage mit 555 Klägern hatte die JFSA im Dezember 2019 den Konflikt beigelegt, eine Entschädigungszahlung von insgesamt umgerechnet 66 Millionen Euro wurde vereinbart. Zahlen sollte dies im Übrigen die Regierung, das Unternehmen sei nicht in der Lage gewesen. Jedoch hatte die Post im Zuge der Streitbeilegung kein Schuldeingeständnis getätigt – niemand sei für den Skandal zur Rechenschaft gezogen worden, so die Organisation.
Infolge der Zivilklage beschäftigte sich nun das Berufungsgericht mit 42 Fällen, die von einer Untersuchungskommission eingereicht wurden – und hob schließlich bei 39 ehemaligen Angestellten die Urteile auf. Rund 700 Betroffene könnten laut JFSA nun noch freigesprochen werden.
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