Preiserhöhungen bei DHL: Folgt jetzt die große Kündigungswelle der Geschäftskunden?

Veröffentlicht: 12.06.2025
imgAktualisierung: 12.06.2025
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 6 Min.
12.06.2025
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Mensch mit Telefon vor DHL-Logo
rafapress / Depositphotos.com
Für DHL-Geschäftskunden stehen Neuerungen bevor. Das führt zu heftiger Kritik, Kunden wollen ihre Verträge mit dem Logistiker kündigen.

Zuschläge setzen Händler massiv unter Druck

Wie DHL bereits vor einigen Wochen bekannt gegeben hat, wird es in diesem Jahr neben dem Peak-Zuschlag in den Monaten November und Dezember einen zusätzlichen Peak-in-Peak-Zuschlag von 50 Cent pro Sendung geben. Dieser wird für zwei Wochen, in der Black Week und der Cyber Week, erhoben. Eine heftige Mehrbelastung für Händler. Zwar könnten die Kosten an die Kunden weitergegeben und die Versandkosten erhöht werden, allerdings wäre dies ein riskantes Unterfangen. Der Wettbewerbsdruck rund um die beiden Aktionstage ist ohnehin immens hoch, Unternehmen locken mit zahlreichen Angeboten und Rabatten. In dieser Zeit mit hohen Versandkosten aufzufallen, kann schnell die Kunden vergraulen.

Kaum war diese Nachricht verdaut, gab es auch schon den nächsten Paukenschlag: Ab Juli wird die DHL Group eine Monatspauschale für ausgewählte Geschäftskunden erheben, unabhängig von der Anzahl der eingelieferten Sendungen. Die Höhe der Gebühr fällt allerdings unterschiedlich aus, die Spanne reicht von 7,95 bis zu stolzen 119,95 Euro im Monat. Zwar wurde dafür der Stückpreis pro Sendung teilweise leicht gesenkt, ob Händler im Endeffekt aber günstiger kommen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und sollte individuell geprüft werden.

Besonders die Ankündigung der Monatspauschale scheint bei einigen Geschäftskunden das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. In verschiedenen Kommentarspalten und Foren im Netz regt sich heftiger Widerstand, oft ist die Rede von Kündigungen des Geschäftskundenvertrags. Droht der DHL jetzt eine Kündigungswelle?

So reagieren die Händler auf das neue Preismodell

Sowohl in den Kommentaren der OHN-Artikel als auch in Foren, wie dem Sellerforum, berichten bereits zahlreiche Händler, dass sie ihre Verträge mit der DHL gekündigt haben. Es scheint, als sei für viele Verkäufer das neue Abomodell der letzte Sargnagel in einem eh schon schwierigen Verhältnis mit der DHL Group gewesen zu sein.

„Wir hatten auch so einen kleinen Vertrag, fast ein Jahrzehnt für Warenpost, gelegentliche Packstationsendungen, Kleinpaket. Haben den kürzlich gekündigt. Die Attitüde und die zunehmenden Schlechtleistungen von DHL passen nicht mehr zu uns.“

„Ich habe soeben DHL Paket und DHL Retoure gekündigt. Allerdings ließ DHL die Kündigung im Geschäftskundenportal zum 30.6. nicht zu, sondern erst zum 31.7. Aber einen Monat werden wir die Monatspauschale schlucken. Schade, hier aus Prinzip aussteigen zu müssen, nach 20 Jahren guter Zusammenarbeit mit DHL.“

„Alle Produkte im Geschäftskundenportal wurden am Wochenende durch uns gekündigt, nicht, dass wir noch 120 Euro Monats-Gebühr ab 01.07.25 zahlen sollen. Frechheit, dass wir am Samstag, den 30.05.25 den Brief erhalten haben und somit die Kündigungsfrist fast nicht mehr einhalten konnten ... das Paket bis 1kg wurde zudem 10 Cent teurer, welches wir zu 90 % nutzen … die Preise bei 3 kg, 5 kg, 10 kg usw. wurden um ein paar Cent billiger ... für uns ein weiterer Kostenschlag ins Gesicht ... jetzt gehen auch die restlichen Pakete und Kleinpakete über unsere anderen Dienstleister.“

„Mal sehen ob sich das rechnet, alleine in meinem Umfeld sind am Samstag schon 10 Kündigungen raus gegangen, aber wenn sich das DHL leisten kann.“

„Einige Geschäftskunden ziehen bereits Konsequenzen und wechseln den Anbieter. DHL verkauft eine scheinbare Preissenkung – mit versteckten Mehrkosten.“

„Ist natürlich im Verhältnis ein Witz mit den Preissenkungen... egal Kündigung ist schon raus.“

„Ich bezahle definitiv keine Pauschale in der Höhe von 1000€ pro Jahr an DHL,
da wechsele ich eher den Anbieter!“

„Aber gut, nun wird der Monat Juni 2025 mit DHL unser letzter sein. Bin mal gespannt wie viele ‚Kleinfirmen‘ ie sich noch um solche ‚Peanuts‘ kümmern und sich die ungerechtfertigte ‚Pauschale‘ ebenso nicht gefallen lassen.“

„Da ich es aber ohnehin nicht einsehe ein Abo zu zahlen ebenso wenig einen Peak-in-Peak-Zuschlag (ich glaube die sind an nem Zombie vorbeigelaufen), habe ich heute meinen gesamten Vertrag zum 01.07.25 gekündigt und bin wieder bei DPD.“

„Nachdem wir jetzt mit DPD einen guten Preis haben aushandeln können, wurde DHL Paket gekündigt. Schade, aber was da die letzten Jahre passiert ist, war jetzt nicht mehr hinnehmbar.“

„Meine Bestätigung der Kündigung kam heute auch per Mail. Ich habe alles von DHL Ende Juni auslaufen lassen.“

Besonders von Kleinversendern wurde auch zur Debatte gestellt, ob es nicht besser wäre, den Geschäftskundenvertrag zu kündigen und Paketmarken – wie Privatkunden – über die Webseite zu buchen, um so den ganzen neuen Zuschlägen aus dem Weg zu gehen.

Kein Versand mit DHL: Kommt es zur Kundenflucht?

Wer seinen Vertrag mit der DHL Group kündigt, steht allerdings vor zwei wichtigen Fragen: Auf welchen Dienstleister greife ich stattdessen zurück und wie reagieren meine Kunden, wenn die DHL als Zustelldienst plötzlich wegfällt? Besonders mit Blick auf die letzte Frage scheinen sich die Händler aber keine allzu großen Sorgen zu machen.

„Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass ein Kunde eine Bestellung abbricht, weil nicht DHL angeboten wird. Und für die Kunden, die unbedingt DHL haben wollen, weil z.B. Packstation oder Filialabholung gewünscht ist, kann man ja trotzdem DHL anbieten für einen eigenen (angepassten / evtl. mischkalkulierten) DHL Kurs (Versand dann mit Privat-Label).“

„Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass man weniger verkauft, nur weil man mit diesem Saftladen nicht mehr verschickt?! Hin und wieder gibt es Kunden, die scheinbar noch in der Vergangenheit leben und meinen, dass DHL besonders gut wäre. Die sterben aber wohl doch nach und nach aus....“

„Sicher nicht, auch wenn ein paar Packstation oder Filialfreunde wegfallen. Wir erleben immer öfter, dass gebeten wird, nicht mit DHL zu versenden. Hängt allerdings sicher auch von der Region usw. ab.“

Hermes, DPD oder GLS: Gibt es echte Alternativen zum Marktführer?

Obwohl die Kritik über DHL in den letzten Jahren immer lauter geworden ist, dominiert der Bonner Konzern weiterhin mit großem Vorsprung den deutschen Paketmarkt. Könnten die Wettbewerber rund um Hermes, DPD und Co. nun von der möglichen Kündigungswelle der DHL-Geschäftskunden profitieren? Ein Blick auf die Reaktionen zeigt: Die Chancen stehen nicht schlecht.

„Ich habe auf jeden Fall auch schon Mitbewerber kontaktiert auch wenn wir nur ein Zwerg sind, kann ja nicht sein, dass DHL jedes Jahr mit neuen Preisen um die Ecke kommt.“

„Ja die werden immer frecher… wird zeit das es endlich echte Mitbewerber gibt.“

„Das kann ich aus Empfängersicht bestätigen. Wenn ich die Wahl habe, wähle ich bei gleichen Versandkosten irgendeinen anderen Paketdienst als DHL – dauert halt länger, da die hier auf der letzten Meile sehr unzuverlässig geworden sind und mir der DHL-Paketshop ebenfalls nicht zusagt. Ist natürlich regional unterschiedlich, aber vom Ranking (Qualität in puncto Lieferung + Paketshop) her bei mir: 1 DPD, 2 Hermes, 3 GLS, 4 DHL, 5 UPS.“

„Vor allem DPD und GLS nach meinen Erfahrungen selten mehr als einen Werktag Zustelldauer. Und geringe Quote von "Zerdeppern" , Kundenkontakt und Service, da hab ich mit GLS noch die besten Erfahrungen.“

„Ähnliche Pauschalmodelle gibt es bei anderen Paketdienstleistern schon länger, wenn auch unter anderen Namen. Allerdings reicht deren Servicequalität bei Weitem nicht an die von DHL heran, zumindest im Endkunden-Bereich. DPD als Beispiel, schafft es oft nicht einmal die Klingel zu bedienen. Solange kein Wettbewerber das Qualitätsniveau von DHL erreicht, wird das Unternehmen seine starke Marktposition weiterhin gewinnbringend ausnutzen, auch wenn ich das selbst auch nicht gut heiße.“

„Hermes erhöht immer wieder die Preise, DPD hat seitenweise Zuschläge und ein immer größer werdenden Energiezuschlag (aktuell 31 %), GLS hat kundenspezifische Zuschläge von Energie, Monatliche Grundgebühr, Privatkundenzuschlag, Peak bis zum WiegeService ist da alles möglich, aber in der Regel bekommt man nicht alle, nur ein paar (oder keine, dann ist der Paketpreis halt höher).“

„Ich bin ja seit gut 20 Jahren bei GLS. Hatte immer mal wieder einen Wechsel, bin aber immer wieder bei GLS gelandet. Hier jedenfalls hatte ich persönlich die wenigsten Proleme. Die Preise sind allerdings – wie bei allen – nicht mehr so toll, gerade eben auch, weil größere Pakete nach Volumen berechnet werden. Aber insgesamt gesehen komme ich eben mit GLS am besten zurecht.“

„Wir verhandeln gerade mit DPD. Von denen haben wir erstmals mal ein Angebot nach Gewichtsklassen bekommen, nicht nach Dimensionen, was für uns nicht tragbar/umsetzbar war... Aus dem Stand heraus deutlich günstiger als DHL.“

„Wisst Ihr ,wer sich am Ende totlacht und der große Gewinner ist? Amazon!“ 

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 12.06.2025
img Letzte Aktualisierung: 12.06.2025
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KOMMENTARE
8 Kommentare
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S.Köster
14.06.2025

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DHL braucht immer mehr Kohle für die Aktionäre und vor allem zur Abdeckung der wahnsinnigen Ineffizienz. Jede Projektgruppe der 8. Klasse einer beliebigen Realschule würde das System innerhalb 3 Monaten komplett aufräumen und die Kosten massiv senken. Keine Ahnung warum die offensichtlich nur noch vollkommene Amateure mit Schwierigkeiten in kausalen Zusammenhängen beschäftigen und parallel dann wieder Support mit dümmlicher Arroganz, die sich gewaschen hat. Wir versenden auch lieber mit einem anderen Dienstleister, die Zustellqualität und Geschwindigkeit bei DHL ist ja schon seit langem ganz unten. Wir haben DHL eigentlich nur genutzt, weil bislang noch einige Kunden glaubten, der Laden taugt etwas. Inzwischen haben wir eher nachfragen, ob wir nicht mit anderen Paketdienstleistern iefern können. Naja, die fühlen sich noch groß und mächtig. Das Top-Management hat offenbar auch nicht wirklich viel Bildung, sonst wüsste man ja, wie sich solche Umgehensweisen rächen. VW hat sich auch so benommen... Ist natürlich egal, wenn du genug in den wenigen Jahren abzocken kannst....
Pusches
14.06.2025

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Die Kündigung bei DHL ist bereits raus. Die ganzen verstecketen Preiserhöhungen wie Haustürzustellung in verschiedenen Ländern (+ca 5EUR pro Paket !) Ökopauschalen, Zuschläge etc lassen sich im normalen Geschäftsbetrieb einfach nicht zuverlässig kalkulieren. Prinzipiell lege ich gefühlt bei jedem Versand was dazu. Das macht bei 700-1000 Paketen schon was aus. Die Intransparenz der Abrechnungen stört mich schon lange. Eine Anzeige beim Versand was das Paket nun genau kostet wäre das Einfachste. Ein Blick auf die Gewinne von DHL 2024 hat dann den Ausschlag zur Kündigung gegeben. Es ist nicht so dass DHL schlecht arbeiten würde, Sie sind einfach zu teuer mittlerweile. Ich teste nun mal mit GLS. Einfache Rechnung: Paketpreis +20% Zuschläge + Umstzsteuer. Das bekomme ich auch noch im Kopf hin ;o). Wir werden sehen !
Daniel
14.06.2025

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Es ist schade, dass DHL diesen Weg geht. Die Monatspauschale war der Grund, weshalb ich damals von DPD zu DHL gewechselt habe. DPD hat diese schon lange und vor ein paar Jahren gerade verdoppelt. Daraufhin habe ich zu DHL gewechselt. Aufgrund der niedrigeren Paketpreise bei DPD ist es jetzt wieder günstiger dort und ich werde wieder zu DPD zurück wechseln. Schade. Der Kundenservice ist bei beiden leider gleich schlecht. Es geht nur über den Preis.
Catrin
13.06.2025

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Ich bin schon im Herbst zu DPD gewechselt, weil ich mir DHL nicht mehr leisten kann und will! Ich zahle als kleines Unternehmen mit gemischten Paketen einfach über 10€ pro Paket pauschal (individuell hätte sich noch weniger gelohnt) und bei DPD komme ich nicht mal beim schwersten Paket über 10€. Als ich DHL kündigen wollte rief man mich an und wollte mich noch emotional unter Druck setzen, weil ihre Mitarbeiter ja alle nicht aufs Amt gehen müssten zum Aufstocken - haha, wer's glaubt! Als ob die Boten den selben Tarif bekommen, die sind doch alle nur noch Subunternehmer von Subunternehmern. Mein ehemaliger Abholer hat nen abgerockten Sprinter, als der kaputt war kam er mit seinem privaten Auto, nem Kombi, weil "es nicht anders geht" - das kannst dir nicht ausdenken.
Uwe
13.06.2025

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Auch ich werde kündigen. Bin aktuell noch am verhandeln. Gewinnen wird auch Amazon. Lege gerade Artikel die ich bisher nir im lokalen Lager hatte bei Amazon an und werde dann halt darüber versenden. Als lokales Versandunternehmen schwanke ich noch zwischen einem direkten Vertrag mit DPD und einem Versanddienstleister. DHL ist zu gierig geworden.
Anna
13.06.2025

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Ihr hättet gerne noch im Beitrag erwähnen können wie man den DHL Geschäftskundenvertrag einfach und unkompliziert kündigt. DHL ist in diesem Punkt wenig hilfreich.
JL
13.06.2025

Antworten

So wie wir das lesen Betrifft die Monatliche Zahlung nur Paket ohne Kleinpakete oder Warenpost. Somit haben wir auch DHL Paket, Retoure und DHL International gekündigt. Nur mal zur Info; wer nicht in Juli versendet mit DHL Paket, bekommt auch keine Monatspauschale berechnet, zumindest ist das so zu lesen. Kleinversender, sollten mal bei https://shiparound.de anklopfen. Wir fahren hier mit DHL günstiger wie mit dem eigenen Vertrag (den wir daher seit gut 2 Jahren so gut wie nie Nutzen), speziell International. Zumindest bei uns ist durch eine DHL und Post umstellung ein Drame enstanden. Da ich meine Briefe avisiert bekomme über die DHL App muss ich mich schon Fragen wie es sein kann das ein Brief vun unserer Gemeinde am 5.6. bei DHL/Post eingelesen wurde, jedoch bis gestern 12.6. nichts angekommen ist. Bedauerlicherweise ist dies kein Einzelfall, teilweise bekommen ganzen Strassenzüge Wochenlang keine Post, Tageszeitungen werde 3-4 Tage später geliefert etc. Klar jetzt ein Extremfall, ändert aber natürlich nichts für die Betroffenen.
Frank
13.06.2025

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Habe ebenfalls gekündigt als der Brief ankam und von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Wurde von DHL dann angerufen und der Typ fragt dann nach dem Grund. Er bestätigte mir den Termin zum Juli hin, (Mail kam kurz darauf) und meinte, dass gerade sehr viele Kündigen würden und die Mail etwas dauern kann.