Viele DHL-Kunden berichten aktuell wieder über sehr lange Laufzeiten, sowohl bei Briefen als auch bei den Paketen. Bereits Anfang April haben wir darüber berichtet, dass das DHL Kleinpaket bei vielen Händlern für schlechte Stimmung sorgt, da es immer wieder zu Verzögerungen kommt und die Reklamationsquote in die Höhe treibt. Im Juli waren es dann auf einmal die Briefe, die teilweise wochenlang bis zum Empfänger benötigten.

Aktuell scheint es Probleme bei verschiedenen Produkten zu geben. Verkäufer berichten im Sellerforum über lange Lieferzeiten sowohl bei Groß- und Maxibriefen als auch beim Kleinpaket.

Geduldsspiel belastet Händler

Wie lange Sendungen tatsächlich unterwegs sind, ließe sich nach Angaben betroffener Unternehmer in vielen Fällen nicht abschätzen – zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen ist offenbar alles dabei. Um Laufzeiten zu testen, greifen einige Seller sogar zu ungewöhnlichen Maßnahmen, wie sich aus den verschiedenen Kommentaren entnehmen lässt.

„Hallo, derzeit häufen sich wieder die Beschwerden bei Briefen (Maxi, Großbrief) über lange Laufzeiten. Privat kann ich es auch nachvollziehen.“

„Ja, Laufzeiten teils erheblich zu lang, aber ich bin mittlerweile schon froh, wenn es überhaupt ankommt.“

„Ich habe mir selbst zu Testzwecken einen Brief geschickt – weil ich es eigentlich noch nie hatte, dass ich wochenlang gar keine Post im Briefkasten hatte – noch nicht mal Dialogpost, gar nix. Das ist sehr ungewöhnlich.“

„Zwischen einem Tag und vier Wochen ist alles dabei.“

„Ich versende seit 12 Jahren und hatte noch nie diese Probleme. Auffällig, die Probleme gibt es exakt seit der Portoerhöhung und seit Genehmigung von längeren Laufzeiten. Die tatsächlichen Laufzeiten sind jedoch eine Katastrophe.“

„Warte gerade auch seit 10 Tagen auf einen Großbrief =O“

„Hier auch Probleme ohne Ende mit den Laufzeiten der Groß/ Maxibriefe sowie den KP.“

Ist die Ferienzeit schuld an den langen Laufzeiten?

Interessanterweise scheinen besonders die Sommermonate die hiesigen Paketdienste hierzulande immer mehr unter Druck zu setzen. Neben dem Personalmangel, welcher die Betriebe ohnehin schon belastet, fallen in den Sommermonaten durch die Urlaubszeit zusätzlich Mitarbeiter aus. Anders als in der sendungsreichen Vorweihnachtszeit wird aktuell aber kein zusätzliches Personal eingestellt. Fallen durch Urlaub und Krankheit also Mitarbeiter aus, verschärft sich die angespannte Personalsituation weiter.

Ein weiterer Grund für lange Laufzeiten könnte eine wenig bekannte Einschränkung im Straßenverkehr sein: das Ferienfahrverbot. Dieses besagt, dass zwischen dem 1. Juli und dem 31. August an Samstagen von 7:00 bis 20:00 Uhr auf bestimmten Autobahn- und Bundesstraßen keine gewerbliche Nutzung von Lkw über 7,5 Tonnen erlaubt ist. Davon sind auch Paketdienste betroffen.

Händler hadern mit der Situation

Verkäufern nützen all diese Erklärungen im täglichen Geschäft allerdings kaum etwas. Sie müssen sich mit verärgerten Kunden herumschlagen, die aufgrund der langen Lieferzeiten der Ware im schlimmsten Fall ihre Bestellungen widerrufen, ein erheblicher Umsatzverlust für Händler.

„Ist es bei euch auch so, dass die Post 14 Tage und länger braucht? Ist echt nervig die Kunden bei Laune zu halten und die Erstattungsanfragen haben sich gefühlt in den 2 Monaten verzehnfacht.“

Dennoch können Verkäufer aktiv verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Kundenzufriedenheit zu sichern und negative Auswirkungen zu reduzieren:

1. Transparente Kommunikation

  • Frühzeitige Information: Kunden sollten bereits im Shop oder im Check-out auf mögliche längere Lieferzeiten hingewiesen werden.
  • Sendungsverfolgung bereitstellen: Ein Tracking-Link gibt Kunden das Gefühl, jederzeit den Status zu kennen.
  • Proaktive Updates: Wenn sich eine Sendung verzögert, sollte der Händler aktiv informieren, statt die Kunden im Unklaren zu lassen.

2. Optimierung der Logistik

  • Mehrere Versanddienstleister nutzen: So können Engpässe bei einem Anbieter umgangen werden.

3. Kundenzufriedenheit sichern

  • Kulanzregelungen: Kleine Gutscheine, Rabatte oder Gratisartikel können Ärger abmildern.
  • Erreichbarer Kundenservice: Schnelle Antworten auf Rückfragen reduzieren Frust.
  • Alternative Lieferoptionen: Abholung im Laden, Same-Day-Delivery in Städten oder Paketstationen anbieten.

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