Die Deutschen bestellen im Schnitt 63 Pakete im Jahr – Tendenz steigend. Doch parallel dazu steigt auch die Zahl der Beschwerden über Zustelldienste. Im Netz häufen sich Klagen über verpasste Lieferungen, falsche Ablageorte oder lange Wartezeiten. Im ersten Halbjahr haben die Beschwerden über die hiesigen Zustellunternehmen erneut ein neues Rekordhoch erreicht.
Ein Team von Sat.1 hat deshalb die fünf größten Anbieter – DHL, Hermes, UPS, DPD und GLS – auf die Probe gestellt. In mehreren Tests wurden Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit, Preisgestaltung und Serviceleistungen untersucht.
Test 1: Wer bringt das Paket bis an die Tür?
Beim Zustelltest in Hamburg mussten die Paketboten Pakete in den fünften Stock ohne Aufzug liefern. Dabei wurden die fünf Unternehmen jeweils drei Mal auf die Probe gestellt. Das Ergebnis war ernüchternd: Von 15 Sendungen wurden nur sieben tatsächlich an der Wohnungstür übergeben. Hermes stach dabei positiv hervor: Alle drei Pakete landeten direkt beim Empfänger. DHL, DPD und GLS dagegen lieferten nur vereinzelt bis ganz nach oben – oft landeten die Sendungen direkt im Paketshop, teilweise ohne Klingeln. UPS fiel beim Test komplett durch und verweigerte sogar im direkten Kontakt mit dem Kunden den Weg in den fünften Stock. Keines der drei Pakete wurde direkt zugestellt, alle landeten in einem Paketshop
Fazit: Hermes ist hier klarer Sieger. DHL stellt nur ein Paket direkt zu und nennt die Ergebnisse „enttäuschend“. Einen Totalausfall in diesem sehr kleinen Test mit nur drei Paketen leistete sich UPS – keine einzige persönliche Zustellung. Das Unternehmen zeigte sich nach den schlechten Resultaten „schockiert“ und kündigte Gespräche mit seinen Fahrern an.
Test 2: Das Paketwettrennen über 1.000 Kilometer
Im großen Tempo-Test zwischen Sylt und dem Tegernsee zeigte sich ein differenziertes Bild. Das Team von Sat.1 schickte jeweils drei identische Pakete mit den fünf Zustelldiensten auf eine über 1.000 Kilometer lange Reise quer durch Deutschland. In drei Testläufen war Hermes meist am schnellsten, dicht gefolgt von GLS. DHL landete in allen Durchgängen auf den hinteren Plätzen, während UPS besonders schwach abschnitt: In einem Fall brauchte das Unternehmen fast eine Woche und holte das Paket auch nicht am bestellten Tag ab. Obwohl DHL eingestand, dass „Platz vier weh tut“, halten viele Kunden dem Marktführer dennoch die Treue.
Durchschnittliche Laufzeit der Pakete:
- GLS: 77 Stunden
- Hermes: 82 Stunden
- DPD: 97 Stunden
- DHL: 102 Stunden
- UPS: 170 Stunden
Test 3: Preise und Gewichtslimits
Welcher Dienstleister aber punktet in Sachen Preis? Auch hier wurden die Unternehmen auf die Probe gestellt und die Gebühren für den Versand von leichten Sendungen, zerbrechlichen Gegenständen sowie schweren Waren verglichen.
Bei leichten Sendungen punktete die DHL mit dem günstigsten Basistarif, allerdings ohne Versicherung oder Sendungsverfolgung. Bei schweren Paketen offenbarten sich deutliche Unterschiede: Nur GLS und UPS transportieren Sendungen bis 40 Kilogramm, allerdings zu sehr unterschiedlichen Preisen (20 Euro bei GLS, über 40 Euro bei UPS). Beim Versand zerbrechlicher Waren lagen die Kosten zwischen 6,70 Euro (GLS) und 7,69 Euro (DHL).
Leichte Sendungen (bis 2 kg, 35×35×10 cm):
Schwere Sendungen (35 kg):
Zerbrechliche Sendungen:
- GLS: 6,70 €
- DPD: 6,90 €
- Hermes: 6,99 €
- UPS: 7,49 €
- DHL: 7,69 €
Preisfazit: Wer günstig schwere oder zerbrechliche Pakete verschicken will, fährt mit GLS am besten. DHL bietet zwar den billigsten Basistarif, verlangt für die volle Leistung aber einen Aufpreis.
Test 4: Lieferzeitversprechen im Praxistest
Alle Paketdienste versprechen ihren Kunden, dass Sendungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums ankommen – das sogenannte Lieferzeitversprechen. Aber wird dieses auch eingehalten? Sat.1 hat zusammen mit einem Hamburger Online-Händler einen großangelegten Test durchgeführt: Insgesamt 750 Pakete (jeweils ein Drittel mit DHL, Hermes und UPS) wurden versendet und genau geprüft, ob sich die Dienstleister an ihre Versprechen halten.
Der Vergleich zeigt: Alle drei getesteten Anbieter – DHL, Hermes und UPS – hielten ihre Lieferzeitversprechen ein. Hermes war im Schnitt am schnellsten (1,2 Tage), gefolgt von DHL (1,5 Tage) und UPS (1,8 Tage). Besonders bemerkenswert: UPS stellte zwar am langsamsten zu, lieferte aber mit Abstand die meisten Pakete persönlich beim Empfänger ab – ein klarer Gegensatz zu dem bereits beschriebenen Minitest mit drei Paketen.
Obwohl DHL nicht an der Spitze lag, ergab eine interne Kundenumfrage des Händlers, dass der Bonner Logistiker weiterhin der Kundenliebling ist: 80 Prozent der Käufer bevorzugen DHL als Zustellunternehmen.
Test 5: Paketshops – das Rückgrat der Branche
Immer wichtiger werden Paketshop. Inzwischen betreiben alle Dienstleister in Deutschland derartige Shops, die Dichte variiert allerdings deutlich: UPS betreibt rund 4.200 Annahmestellen, GLS etwa 8.900, DPD 9.000, Hermes 17.000 und DHL mit über 22.000 das dichteste Netz. Hermes betonte im Bericht, dass man seinen Kunden gerne mehr Paketshops anbieten möchte, der Logistiker allerdings aktuell keine weiteren Partner findet.
Fazit: Kein Sieger auf ganzer Linie
Die Tests zeigen:
- Hermes ist die Überraschung: schnell und zuverlässig an der Haustür, aber weniger beliebt bei Kunden.
- GLS punktet im Tempo und Preis-Leistungs-Verhältnis.
- DHL enttäuscht zum Teil in den Tests, bleibt aber unangefochtene Nummer eins bei den Kunden.
- DPD bleibt blass: solide, aber ohne Glanz.
- UPS leistet sich zwar große Patzer – vor allem im Mini-Haustürtest und beim Tempo – überrascht aber beim großen Test zu den Lieferzeitversprechen hinsichtlich der Haustürzustellungen.
Ausblick: Haustürlieferung wird Premium
Die Analyse zeigt: Kein Paketdienst liefert in allen Kategorien Spitzenwerte. Hermes überzeugte bei der Haustürzustellung und Geschwindigkeit, GLS im Tempo, DHL bleibt trotz Schwächen der Kundenliebling, UPS punktete mit persönlicher Übergabe, und DPD rangiert preislich zwischen den großen Rivalen. Experten erwarten, dass die klassische Haustürzustellung künftig immer stärker zum Premium-Produkt wird – während Paketshops und Packstationen weiter an Bedeutung gewinnen.
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