Neue DHL-Zusatzgebühr verärgert Händler

Veröffentlicht: 10.04.2025
imgAktualisierung: 10.04.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
10.04.2025
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Logo des Versanddienstleisters DHL, davor ein Mensch mit Handy in Silhouette
rafapress / Depositphotos.com
Für die Zeit vor Weihnachten hat die DHL eine neue Gebühr angekündigt – aus dem Handel regt sich Kritik.


50 Cent pro Paket – diese weihnachtliche Extragebühr der DHL sorgt in der Branche aktuell für Aufsehen. Händlerinnen und Händler sollen die neuen Kosten im Weihnachtsquartal, im Zeitraum vom 24. November bis 7. Dezember 2025, zahlen – und zwar zusätzlich zum ohnehin gewohnten „Peak-Zuschlag“ in Höhe von 19 Cent je Sendung, der seit einigen Jahren im Endquartal zwischen November und Dezember erhoben wird.

Über die konkrete Höhe wollte die DHL zunächst keine genaue Angabe machen. Dass die neue Extragebühr bei 50 Cent pro Paket liegt, hatte der Branchenverband BVOH berichtet. In Summe würden Unternehmen für DHL-Sendungen über einen Zeitraum von zwei Wochen damit 69 Cent mehr pro Paket zahlen. Dagegen regt sich nun Kritik aus der Branche.

Neuer Zuschlag als Strafgebühr und „echte Belastung“ für KMU

Weil die Sondergebühr der DHL insbesondere für kleine und mittelständische Online-Shops zur finanziellen Bürde und „echten Belastung werden“ kann, fordert etwa der BVOH, die geplante Maßnahme der DHL umgehend zu stoppen, berichtet n-tv. 

Wie eine Strafzahlung mute die Extragebühr demnach an. Statt Unternehmen zu einer Extrazahlung zu verpflichten, solle die DHL eher eigene Strukturen optimieren. Im Zuge der Kritik rückt der Verband konkret auch den viel kritisierten Wettbewerbsdruck aus China in den Fokus. In Peak-Zeiten könne beispielsweise überlegt werden, ob man „die Flut der Temu-Päckchen aus Fernost ein paar Tage ruhen lassen“ und nationale Sendungen entsprechend priorisieren könne.

Diskussionen um Preise, Zustellqualität und Kalkulation 

Auch in den sozialen Netzwerken und Foren sorgt der Vorstoß der DHL für Diskussionen unter den Sellern. Für einige sei DHL als Logistikpartner grundsätzlich zu teuer, ist etwa im SellerForum zu lesen. Andere berichten dort von einer wohlüberlegten Aufteilung des Jahres, wobei je nach Saison, Preis und Angebot zwischen verschiedenen logistischen Dienstleistern gewechselt werde. Eine vermehrte Abwanderung zu DHL-Konkurrenten wird unterdessen auch im Forum Onlinehandel bei Facebook vermutet. 

Breit gefächert sind die Meinungen hingegen unter den OHN-Leserinnen und -Lesern: Einerseits wird der DHL in Kommentaren etwa „marktschädliches“ Verhalten vorgeworfen, was gerade in Anbetracht der monopolähnlichen Stellung des Unternehmens kritisiert wird. Häufig moniert werden zudem potenzielle Mängel beim Transport, der Zustellquote oder auch der Zustellgeschwindigkeit durch die DHL – die entsprechende Qualität lasse sich dem Empfinden nach nicht mit den Zusatzkosten in Einklang bringen. Auch die häufigen Preisänderungen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Kalkulation werden als Schwierigkeiten angeführt.

Immer wieder angebracht wird darüber hinaus der Umstand, dass die DHL speziell in Zeiten riesiger Auftragswellen die Preise erhöht, statt Mengenrabatte zu gewähren. In anderen Branchen sei es unvorstellbar, so der Vorwurf, für gut laufende Geschäfte nochmals Zuschläge zu verlangen.

Nicht alle Branchenakteure gehen allerdings mit solchen Kritikpunkten mit. Manche sehen den Aufschrei auch als „künstlich“ und überzogen: Gerade weil die neue Extragebühr nur in einem Zeitraum von zwei Wochen im Jahr erhoben wird, könne sie gut in der Ganzjahresaufstellung einkalkuliert werden. Aus kaufmännischer Sicht sei dies ein normaler Prozess, der nicht für Schwierigkeiten sorgen dürfe.

Peak-Gebühren als Standard in der Logistik-Branche

Grundsätzlich sind sogenannte „Peak-Gebühren“ in der Logistik keine Neuheit mehr: Geht es in die heiße Phase des Jahres, sind zusätzliche Gebühren für Lagerung, Transport und Zustellung längst zur Normalität geworden. Spätestens zum Black Friday wird mit groß angelegten Rabattaktionen das Weihnachtsgeschäft im Handel massiv angekurbelt. Für die Abfertigung resultierender, horrender Paketmengen benötigen die Paketdienste unter anderem zusätzliches Personal, womit dann auch Preissteigerungen begründet werden.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 10.04.2025
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Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
16 Kommentare
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Sebastian
22.04.2025

Antworten

Das ist einfach nicht mehr normal. DHL verlangt ständig mehr Geld und der Service wird immer schlechter. Bei uns werden die Kleinpaket täglich abgeholt. Dies geschieht durch Subunternehmer. Nun ist es bereits mehrmals vorgekommen, das von heute auf morgen ein anderer Subunternhmer zur Abholung kommt. Teilweise mit privatem PKW, Ohne Ausweis und ohne Scanner. Eine Kommunikation ist aufgrund fehlender Sprachkentnisse teilweise nicht möglich. Und jetzt sollen wir jemandem, den wir nicht kennen, mit dem wir nicht kommunizieren können, der sich nicht ausweisen kann und keinen Scanner hat, unsere Ware im Wert von teils mehreren Tausend Euro anvertrauen. Und dafür möchte DHL dann auch gerne noch mehr Geld. Ist für uns wirklich nicht mehr nachzuvollziehen.
KY
12.04.2025

Antworten

Ich gehe morgens zum Bäcker und der verlangt 10 cent mehr für Brötchen, weil seine Geschäft zu gut läuft und er einen neuen Mitarbeiter einstellen musste. Einfach lächerlich.
Max Sonntag
11.04.2025

Antworten

So, nun mal Butter bei die Fische: Wer wechselt jetzt den Paketdienst? Keiner? Dachte ich mir. 😉 Schönes Wochenende.
Hasi 1412
11.04.2025

Antworten

Leute;Leute.Lasst Euch nicht weiter verarschen.Das sind alles Zusatzeinnahmen für dieses staatliche Unternehmen. Sie bekommen nix auf die Kette mehr.Schaut Euch bitte das Debakel um um die Kleinpakete an.Imer und wie bei allem in diesem Land wird der 2.vor dem 1.Schritt gemacht. Und abgwälzt wird es wieder einmal auf die Klein und Mittelunternehmer.Einfach nur noch traurig in DÄ/ÄH. Aber in die ganze Welt verteileilen und ein Raumfahrtministerium........ und brauchen wir. Euch allen ein schöne WÄ.
Max Sonntag
11.04.2025

Antworten

"Nicht alle Branchenakteure gehen allerdings mit solchen Kritikpunkten mit. Manche sehen den Aufschrei auch als „künstlich“ und überzogen: Gerade weil die neue Extragebühr nur in einem Zeitraum von zwei Wochen im Jahr erhoben wird, könne sie gut in der Ganzjahresaufstellung einkalkuliert werden. Aus kaufmännischer Sicht sei dies ein normaler Prozess, der nicht für Schwierigkeiten sorgen dürfe." Schön, dass Sie meine Sichtweise und Argumentation in den Kommentaren zu dem vorangegangen Artikel erwähnen. 😊 Und für alle, die diesen nicht gelesen haben und nun erneut das große Aufregen anfangen: Wer regelmäßig und nicht nur während der Aktionswochen Pakete verschickt, der sollte mal seine Versandkosten übers Jahr durchrechnen und die durch den Zuschlag verursachten Mehrkosten ermitteln. Wer jetzt mehr als 2Ct Mehrkosten pro Paket ausgerechnet hat, dem gebe ich ein Bier aus. Glaubste nicht? Na schau mer mal. Wer jede Woche ein Paket verschickt... 52 Paket pro Jahr : 52 Wochen = 1 1 x 2 Wochen = 2 Pakete 2 x 0,50 € = 1,00 € Mehrkosten 1,00 € : 52 Pakete pro Jahr = 0,019 € Mehrkosten pro Paket Wer 1.000.000 Pakete im Jahr verschickt... 1.000.000 : 52 Wochen = 19.230 Pakete pro Woche 19.230 Pakete x 2 Wochen = 38.460 Pakete 38.460 x 0,50 € = 19.230,00 € Mehrkosten 19.230,00 € : 1.000.000 Pakete = 0,019 € Mehrkosten pro Paket Verrückt, oder? Wer will mir jetzt erzählen, dass diese 2 Cent kalkulatorisch nicht unterzubringen sind? 🤔
Robert
12.04.2025
Es ist schön, dass Sie die Kalkulation gut beherrschen, aber darum geht es in diesem Fall nicht. Unabhängig davon, wie gering eine Preissteigerung auch ausfällt, stellt sich immer die Frage, ob sie gerechtfertigt ist und ob sie einen erkennbaren Mehrwert bietet. Das ist hier jedoch nicht der Fall.
Michaela
11.04.2025

Antworten

Zusätzliches Personal zu Hochzeiten? Das ist ein Witz. DHL baut Stellen ab anstatt neu einzustellen. Leute lasst Euch nicht irreführen von DHL. Diese Zuschläge sind ein schönes Zusatzeinkommen für den DHL Konzern sonst nichts.
dirk
11.04.2025

Antworten

Es ist nach wie vor, nicht nachvollziehbar, warum sich bei höherer Paketmenge Zuschläge erhoben werden müssen. Schließlich bedeuten mehr Pakete auch mehr Umsatz, und dass bei der Bewältigung von höheren Mengen prozentual höhere Kosten entstehen, sei erstmal in Frage zu stellen. Stattdessen ist die saisonale Auslastung von Personal und Anlagen ja nun seit Jahren bekannt, und kann durch gezieltes Personal- und Urlaubsmanagement gesteuert werden. In anderen Branchen ist es schließlich auch normal, dass ez.B. in Boomzeiten Urlaubssperre gibt. Und es ist ja nun auch nicht so, dass extra Verteilzentren gebaut werden, die nur im November und Dezember betrieben werden und den Rest des Jahres leer stehen. Völlig inakzeptabel ist zudem, wie im letzten Jahr, wenn dann trotz Peak-Zuschlag Meldungen über erhebliche Verzögerungen in der Zustellung kommen - aufgrund von Personalmangel!
Michael
11.04.2025

Antworten

Wenn ich es richtig in einem vorherigen Bericht gelesen hatte, wird dieser Abzocke Zuschlag wegen dem Black Friday eingeführt!? Kleine Händler wie wir die keine Black Friday Angebote raushauen, sondern zu diesem zeitpunkt nur dem normalen Tagsgeschäft nachgehen, werden mit dieser Strafgebühr benachteiligt - das ist nicht rechtens! Da sollte man vielleicht prüfen ob da rechtliche Schritte angebracht wären. Bis hin zum wechsel des Versanddienstleisters! Es zeigt sich ja schon beim Peakzuschlag der auch nur reine Abzocke ist, das sich dadurch díe Versandzeit nicht ändert, sondern eher noch länger dauert.
Rommi
11.04.2025

Antworten

Es ist doch schöner, wenn man Billigprodukte die in sehr vielen Fällen die Menschen und die Umwelt in Fernost schädigen, bevorzugt behandelt, da ja auch viel Umsatz generiert wird. Da kann man die heimischen Unternehmen, besonders die kleinsten und kleinen doch vom Markt drängen. Nebenbei, der Service wird bei jeder Erhöhung der Endsumme nicht besser, die Prozentzahlen die monatlich angezeigt werden, gehen immer weiter Richtung Süden. Leider fehlt es an Alternativen.
cf
11.04.2025
Hallo, "leider" ist aufgrund des Weltpostvertrags bei den ganzen ausländischen Billigprodukten kein nennenswerter Umsatz für die Paketdienste drin. Sie sind verpflichtet die Pakete zuzustellen...
cf
11.04.2025

Antworten

Was hier leider nicht beleuchtet wurde ist der Punkt, dass DHL gerade tausende von Mitarbeitenden entlässt um sich dann mit der Zusatzgebühr darüber auszulassen, dass ja dann extra Personal benötigt würde. Das ist (sorry für die direkte Wortwahl) asozial. Wir wollen in Europa das Thema Nachhaltigkeit und Menschenrechte stärken. Solche Unternehmensstrategien sind aber genau das, was heutzutage niemand mehr braucht. Vielleicht müssten die Entscheidungsträger mal ihre Plätze für eine jüngere Generation räumen. Ich hätte kein Problem damit, wenn DHL die Paketpreise ganzjährig noch EINMALIG um 20 cent pauschal für alles erhöht, dafür die Mitarbeitenden weiterbeschäftigt und mindestens für 1 Jahr dann die Preise genau so stabil lässt. Damit würden alle gewinnen. Wir Shopbetreiber können unsere Preise kalkulieren, die Qualität bei DHL wird besser, da ja genug Personal da ist und es ist endlich mal eine nachhaltige Geschäftsstrategie.
ll
06.05.2025
Mal einen Gang runter. DHL entlässt nicht tausende von Mitarbeitern sondern Stellen werden nicht neu besetzt - ist ein großer Unterschied. Es gibt viele alte "Postler" welche eigentlich nur rumsitzen... die braucht man auch nicht neu zu besetzen. Es gibt ein Straßennetzwerk das von der DHL selbst das ganze Jahr über betrieben wird. Wenn tatsächlich in dieser Zeit doppelt so viel verkauft wird von den Onlinehändlern - dann wird auch der doppelte Platz dafür benötigt. Da halten die Frächter die Hände auf. Da halten die Personaldienstleister die Hände auf, da halten Saisonarbeiter die Hände auf. Gerade auf einem Markt, wo es ohnehin x-tausende LKW Fahrer zu wenig gibt. Die Sortieranlagen? Die schaffen es... Die Zusteller? Die vermutlich auch weil sich die Stopp-Zahl nur marginal erhöht. (auch wenn es eine harte Zeit ist) Ich bekomm halt statt einem Paket 2. Der Mitbewerb? Der wird die Mengen der Versender die zu dieser Zeit wechseln gar nicht stemmen können... Ich versteh das eigentlich schon, dass aus diesen Gründen diese Spitzenkurve etwas abgeflacht werden soll/könnte - aber dann bitte für alle - auch für ausländische Postgesellschaften!
K.I
11.04.2025

Antworten

Meinung: " Nicht alle Branchenakteure gehen allerdings mit solchen Kritikpunkten mit. Manche sehen den Aufschrei auch als „künstlich“ und überzogen" die befürworten auch massive Aufschläge auf ihre Lebensmittel zu Ostern, Grillsaison, Weihnachten, im Sommer auf Eis und vor allem Getränke usw. Es gibt immer viele Besserwisser bei den Branchenakteuren! Ist in der Politik mit der AFD genau so!
Hasi
11.04.2025
Und??? Wer bezahlt den letzten Satz???
Paul
11.04.2025

Antworten

„ Für die Abfertigung resultierender, horrender Paketmengen benötigen die Paketdienste unter anderem zusätzliches Personal, womit dann auch Preissteigerungen begründet werden.“ Solche Aussagen kann nur jemand treffen, der von Wirtschaft gar keine Ahnung hat. Gestiegene Menge bedeutet zwar steigende Kosten wegen mehr Personal, aber auch gleichzeitig gestiegene Einnahmen/ Umsatz. Mit Optimierung der Prozesse und Abläufe kann das Potential für Gewinnsteigerung abgeschöpft werden. Wenn man sich jedoch die mittlerweile vorherrschenden Zustände in der Zustellung bei DHL anschaut, stellt man schnell fest, dass für die Verantwortlichen schnell der Eindruck entstehen könnte, dass man bereits am Optimierungsmaximum angekommen ist - die Komplexität lässt keine Transparenz mehr zu. Es bleibt also nur ein Weg übrig: Umsatz- und Gewinnsteigerung durch höhere Preise!