Die Deutsche Post AG hat den sogenannten Schutzvertrag mit der Gewerkschaft Verdi verlängert. Die Vereinbarung, die eine Auslagerung von Zustellbezirken an Subunternehmen verhindert, gilt nun bis zum 30. Juni 2029. Damit bleibt die Zustellung im Brief- und Verbundbereich weiterhin in den Händen eigener, tarifgebundener Beschäftigter – ebenso wie die Fahrdienste für Transporte.
Entspannung nach wirtschaftlichem Druck
Noch 2023 hatte Post-Personalvorstand Thomas Ogilvie die Fremdvergabe öffentlich als Option ins Spiel gebracht. Damals verwies das Unternehmen auf hohe Personalkosten und wirtschaftlichen Druck im Deutschlandgeschäft. Inzwischen scheint sich die Lage verbessert zu haben: In einer Investoren-Präsentation vom Mai 2026 erklärt der Konzern, den fehlenden Preisanstieg bei der regulierten Briefpost inzwischen kompensiert zu haben, so Paketda.
Hintergrund: Konflikt mit langer Geschichte
Die Debatte um Fremdvergabe bei der Deutschen Post ist nicht neu. Seit 2015 experimentierte der Konzern mit sogenannten DHL Delivery GmbHs, bei denen Paketzusteller zu niedrigeren Konditionen als im Haustarifvertrag beschäftigt wurden. Das führte zu erheblichen Konflikten mit Verdi und war ein wesentlicher Auslöser des großen Poststreiks im selben Jahr.
2019 vollzog der damalige Konzernchef Frank Appel die Kehrtwende: Rund 13.000 Beschäftigte der DHL-Delivery-Gesellschaften wurden in den Haustarifvertrag der Deutschen Post AG überführt. Als Begründung nannte Appel die bewusste Abgrenzung vom Niedriglohnwettbewerb der Paketbranche.
Verdi fordert branchenweites Subunternehmer-Verbot
Während zahlreiche Wettbewerber weiterhin stark auf externe Dienstleister setzen, hält die Deutsche Post im Brief- und Verbundbereich an ihrem Modell mit eigenen Beschäftigten fest. Verdi wertet die Verlängerung als klares Signal gegen Lohndumping – und geht darüber hinaus: Die Gewerkschaft fordert ein generelles Subunternehmer-Verbot für die gesamte Zustellbranche.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
Kommentar schreiben