DHL-Packstation: Empfang ohne Anmeldung – Betrug mit Ansage?

Veröffentlicht: 10.07.2025
imgAktualisierung: 10.07.2025
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 3 Min.
10.07.2025
img 10.07.2025
ca. 3 Min.
Man holt Paket aus Packstation
defotoberg / Depositphotos.com
Die DHL testet aktuell den Paketempfang bei ihren Packstationen ohne vorherige Registrierung. Öffnet das Kriminellen Tür und Tor?


Mit den Packstationen bietet die DHL ihren Kunden eine gute Möglichkeit, Sendungen rund um die Uhr zu verschicken und zu empfangen. In den letzten Jahren hat der Logistiker massiv am Ausbau der Paketstationen gearbeitet, aktuell sind es fast 15.000 in ganz Deutschland. Bis 2030 soll die Anzahl auf 30.000 verdoppelt werden. Statt der teuren Haustürzustellung versucht die DHL, den Versand an eben diese Stationen immer attraktiver zu machen.

Dafür startet der Zustelldienst jetzt einen Pilotversuch, um die Nutzung der Paketkästen noch einfacher zu machen: Bei ausgewählten Online-Shops können sich Kunden ihre Bestellungen an Packstationen schicken lassen, ohne sich vorher bei der DHL registrieren zu müssen. Stattdessen gibt man bei der Bestellung lediglich die Adresse der gewünschten Packstation ein und wenn die Sendung eingetroffen ist, wird eine E-Mail mit einem Code verschickt, der an Packstationen mit Bildschirm gescannt werden kann. Ein aufwändiges Anmeldeverfahren entfällt damit.

Händler befürchten Anstieg von Betrugsfällen

Was für Kunden eine echte Erleichterung darstellt, bereitet Händlern allerdings Kopfschmerzen. Viele befürchten durch diese Methode einen Anstieg der Betrugsversuche. Da für die Nutzung der Packstation keine Registrierung mehr erforderlich ist, kann die wahre Identität des Kunden einfach verschleiert werden. Besonders beim Kauf auf Rechnung bietet dieses Verfahren Betrügern ein leichtes Spiel. Wie zahlreiche Kommentare unter dem Ursprungsartikel zeigen, stehen die Händler der neuen Methode eher skeptisch gegenüber:

„Wir konnten sofort dutzende Gründe und Beispiele nennen, wie auf diesem Weg, ohne Registrierung, noch besser betrogen werden kann. Am Ende bleibt der Händler auf dem Schaden sitzen und DHL lehnt aus Datenschutzgründen Infos zu Empfängern ab. Und bei Lieferungen auf Rechnung sollte man davon auf jeden Fall die Finger lassen.“

„Eigentlich ein sehr guter Gedanke. Allerdings wird dadurch der Kauf über das Internet immer anonymer. Und das ruft Betrüger auf den Plan. Die Kombination von Rechnungskauf mit Identitätsdiebstahl ermöglicht so auch noch die anonyme Annahme des Pakets. Schon jetzt hatten wir bei 10% des Rechungskaufs dieses Betrugsmuster, bei dem die Pakete dann unter 'falschem' Namen aus der Packstation / Postfiliale abgeholt wurden.“

Wer bleibt auf einem möglichen Schaden sitzen?

„Eigentlich ist es recht klar, wer die Verantwortung trägt: die Betrüger. In der Praxis ist es aber so, dass die Betrüger kaum greifbar sein werden. Betroffene Händler können die Kosten jedenfalls nicht bei dem scheinbaren Kunden einfordern, denn: Dieser ist nie Vertragspartner geworden. Lediglich seine Daten wurden missbraucht. DHL selbst wird wahrscheinlich auch keine Haftung übernehmen. Im Ergebnis sollten Händler, die Betrug fürchten, Maßnahmen ergreifen. So kann der Rechnungskauf bei Lieferungen an Packstationen ausgeschlossen werden. Stattdessen kann auf sichere Bezahlmethoden, wie etwa die Zahlung auf Vorkasse, zurückgegriffen werden, um das Betrugspotential zu verringern“, erklärt Sandra May, Volljuristin beim Händlerbund.

Das sagt die DHL

Wie die DHL uns gegenüber betont hat, kommt man mit dem Pilotversuch dem Wunsch vieler Geschäftskunden nach, die sich vermehrt eine vereinfachte Registrierung für den Packstationsservice gewünscht haben. Dabei steht es aber jedem Händler frei, ob er diese Option seinen Kunden anbieten möchte. „Wir weisen unsere Geschäftskunden explizit darauf hin, dass beim Versand an Packstationen ohne Registrierung die Sorgfalt für korrekte Daten beim Versender liegt und empfehlen zum Beispiel, nur bereits bezahlte Ware zu verschicken“, so eine Sprecherin des Unternehmens zu den möglichen Risiken. „Selbstverständlich arbeiten wir eng mit unseren Kooperationspartnern zusammen und sind während der Umsetzung im engen Austausch. Auch während des Pilottests gelten die regulären Haftungsregeln von DHL Paket und unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen.“

Außerdem verweist der Logistiker darauf, dass der Online-Bestellbetrug bereits viel früher anfängt als beim Versand. „Wir weisen alle Privatkundinnen und Privatkunden daher darauf hin, dass sie mit ihren Daten und Passwörtern im Internet sehr sorgsam umgehen und bei Verdacht auf Bestellbetrug Strafanzeige bei der Polizei erstatten“, warnt das Unternehmen.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 10.07.2025
img Letzte Aktualisierung: 10.07.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
Artikel weiterempfehlen
Redaktion

Redaktion

KOMMENTARE
3 Kommentare
Kommentar schreiben

Frank2
14.07.2025

Antworten

Zitat: "Stattdessen kann auf sichere Bezahlmethoden, wie etwa die Zahlung auf Vorkasse, zurückgegriffen werden, um das Betrugspotential zu verringern" Die Zahlungsdienstleister werden sehr wahrscheinlich diese Versandart nicht unterstützen und schlussendlich wird entweder das Projekt kein Erfolg weil hier der einzige sichere Weg der Vorkasse die Überweisung ist oder die Händler bleiben auf den Kosten sitzen. Wobei es auch beim regulären Versand an Wohnadressen aufgrund von schlampiger Arbeitsweisen hier zu einer gewissen Fehlerquote kommt die aber wesentlich geringer sein dürfte...
Sigi
11.07.2025

Antworten

so so, die Geschäftskunden hätten sich das gewünscht. Ausschluß von Packstationen bei der Bestellung nutzt nichts: ich bestelle an eine konrete (geklaute) Adresse und leite das Paket im nachhinein an Packstation um - den tollen Service bietet DHL bereits an. in Kürze neu: gegen aufpreispflichtigen Obolus an DHL kann Geschäftskunde die Lieferung / Umleitung an eine Packstation bei Packeterstellung ausschliessen.
cf
11.07.2025

Antworten

Ein Punkt sollte noch bedacht werden, der quasi schon im Beitrag durchklingt: Zitat "... und wenn die Sendung eingetroffen ist, wird eine E-Mail mit einem Code verschickt..." Hierzu müssen die Kunden beim Kauf jedoch ihre Einwilligung zur Weitergabe der E-Mail Adresse zwingend geben, da die Mailadresse nicht ohne Zustimmung weitergegeben werden darf. Wenn Kunden die Einwilligung nicht geben, erhalten sie keinen Code von DHL und somit kommt die Ware irgendwann als "nicht abgeholt" zurück. Also auch wieder eine Sonderbedingung die irgendwie im Bestellprozess abgefangen werden muss....