Kritik an Arbeitsbedingungen bleibt laut
Die Arbeitsbedingungen in der Lieferbranche stehen immer mal wieder auf dem Prüfstand. Das führten etwa Streiks bei Gorillas (jetzt Getir) vor gut zwei Jahren eindrücklich vor Augen. Eine Studie der Organisation Fairwork aus dem vergangenen Jahr hatte einigen Lieferdiensten zudem eine mangelnde Ausrüstung für Fahrerinnen und Fahrer bescheinigt.
Auch abseits der Quick-Commerce/Supermarkt-Anbieter sind die Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten Thema. Das illustrieren etwa auch jüngste Proteste rund um den finnischen Lieferdienst Wolt: Mitarbeitende des Personaldienstleisters „Mobile World“, die im Auftrag von Wolt unterwegs gewesen sein sollen, seien von dem Subunternehmen um mehrere Hunderttausende Euro geprellt worden, berichtete etwa Gründerszene. Wolt dementiert eine Zusammenarbeit mit dem Dienst, hatte jedoch in der Vergangenheit mit einigen anderen Personaldienstleistern kooperiert. Solche Partnerschaften gebe es seit Januar 2023 nicht mehr. Ein Unternehmenssprecher räumte dem Bericht zufolge ein, dass man diese beendet habe, „nachdem bei Compliance-Audits unsererseits offensichtliche Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden“.
Die Entlohnung von Angestellten spielt auch bei Lieferando eine Rolle: Die Gewerkschaft NGG setzt sich aktuell für Tarifverträge und somit eine bessere Entlohnung für Angestellte bei dem Dienstleister ein.
In den letzten fünf Jahren habe es nach Angaben der Senatsverwaltung bereits mehrere Schwerpunktkontrollen bei Berliner Lieferdiensten gegeben, immer wieder seien Mängel bei der Einhaltung des Arbeitsschutzes und der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten festgestellt worden. Das sei aber noch nicht genug, kritisierte Wapler: „Die Kontrolldichte ist viel zu niedrig.“ Es brauche mehr Personal und eine unabhängige Beschwerdestelle.
Hinweis: In einer früheren Version des Artikels könnte der Eindruck entstanden sein, dass auch Arbeitsunfälle von Wolt-Angestellten in die Statistik des BGHW eingeflossen sein könnten. Dies ist nicht der Fall, denn diese sind über die BG Verkehr versichert. Der Beitrag wurde entsprechend angepasst.
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