Der Rhein leidet aktuell unter starkem Niedrigwasser – mit spürbaren Folgen für Transport und Lieferketten. Binnenschiffe können derzeit weniger Ladung aufnehmen als bei höheren Wasserständen, wie Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärt. Amtliche Sperrungen gibt es zwar nicht, doch die Branche passt sich an: „Die Schifffahrt fährt, solange es sicher möglich ist“, so Spieß.
Höhere Transportkosten, mehr Schiffe im Einsatz
Andreas Bartel vom Duisburger Hafen Duisport bestätigt die Probleme: Geringere Ladungsmengen pro Schiff führten zu steigenden Transportkosten entlang der Lieferkette. Gleichzeitig müssten für dieselbe Warenmenge mehr Schiffe eingesetzt werden – bei Niedrigwasser sei deshalb oft sogar ein höheres Schiffsaufkommen auf dem Rhein zu beobachten als unter normalen Bedingungen.
Betroffen sind vor allem Branchen wie Stahl, Chemie und Mineralöl: Die Stahltochter von Thyssenkrupp hat ihre Produktion bereits gedrosselt und die eigene Schubschifffahrt eingestellt, da die Versorgung des Duisburger Werks mit Rohstoffen wie Eisenerz und Kohle beeinträchtigt ist.
Zusätzlicher Druck durch Bahnsperrung
Verschärft wird die Lage durch eine parallele Einschränkung auf der Schiene: Die rechtsrheinische Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden ist wegen Sanierungsarbeiten bis in den Dezember hinein für den Güterverkehr gesperrt und steht damit als Ausweichroute nur eingeschränkt zur Verfügung.
Ökonom Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research sieht darin ein Risiko für die gerade erst anziehende deutsche Industrieproduktion – vor allem in Form höherer Transportkosten und nötiger Anpassungen bei Logistikrouten.
Wie entwickeln sich die Pegelstände weiter?
Florian Krekel, Fachbereichsleiter Schifffahrt bei der Bundeswasserstraßenverwaltung (WSV), rechnet für die kommenden Tage mit weiter fallenden Wasserständen. Ab dem 19. Juli werde zwar ein vorübergehender Anstieg um rund 30 Zentimeter erwartet – allerdings von einem dann noch niedrigeren Niveau aus. Eine grundlegende Entspannung sei erst bei ergiebigen Regenfällen im gesamten Rheineinzugsgebiet zu erwarten, so Krekel. Laut Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) ist in den kommenden Wochen keine nachhaltige Verbesserung der Lage in Sicht.
Längere Lieferzeiten erwartet
Wer Waren transportiert, die (auch teilweise) auf dem Rhein oder auf betroffenen Schienenwegen bewegt werden, sollte mit längeren Lieferzeiten und steigenden Frachtkosten rechnen. Betroffen sind vor allem Rohstoffe und Vorprodukte aus Stahl-, Chemie- und Mineralölindustrie. Wird deren Lieferung verzögert, kann sich das mittelbar auch auf nachgelagerte Lieferketten im Handel auswirken. Bartel verweist zudem auf einen längerfristigen Trend: Der Klimawandel dürfte dazu führen, dass Niedrigwasserphasen künftig häufiger auftreten – ein Grund, Lieferketten frühzeitig auf mögliche Engpässe hin zu überprüfen.
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Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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