Große Reedereien liefern nur noch humanitäre Güter
Das gilt etwa für den dänischen Reedereikonzern Maersk: „Da die Stabilität und Sicherheit unseres Betriebs direkt und indirekt schon durch die Sanktionen beeinflusst wird, werden neue Maersk-Buchungen über See und Land nach und von Russland vorübergehend ausgesetzt“, zitiert die Tagesschau eine Mitteilung des Konzerns. Demnach laufe man russische Häfen „bis auf Weiteres“ nicht an. Man werde die Geschäfte wieder aufnehmen, wenn das Unternehmen wieder Stabilität und Sicherheit gewährleisten könne.
Ähnlich reagierte auch Kühne+Nagel: Alle Sendungen nach Russland würden mit sofortiger Wirkung ausgesetzt – sowohl im Luft- und See- als auch im Lkw-Verkehr, wie DPA/Fashionunited berichtet. Derartige Entscheidungen trafen laut Tagesschau außerdem Ocean Network Express (ONE) aus Singapur und die Schweizer Reedereigruppe MSC. Weiterhin befördert werden allerdings humanitäre Hilfsgüter bzw. Pharma- und Gesundheitsprodukte. Maersk erklärte, dass dies in der eigenen „sozialen Verantwortung“ liege, man wolle die Bevölkerung „trotz aller Komplikationen und Unsicherheiten“ unterstützen.
Auch die Hamburger Reederei Hapag-Llloyd hat vergangene Woche die Buchung von Frachten in die Ukraine und Russland gestoppt. Der Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA nehme keine Container mehr an, die aus Russland kommen oder dorthin gehen sollen – das gelte ebenfalls für jene Ladung, die per Bahn, Binnenschiff oder Lkw befördert werde, wie der Spiegel berichtet. Sämtliche Warentransporte aus dem Hamburger Hafen nach Russland müssten zudem wegen der aktuellen Sanktionen eine Einzelgenehmigung des Zolls erhalten und seien nur dann erlaubt. Auch in Rotterdam und Antwerpen würden keine Container mehr von und nach Russland abgefertigt. Auf diese Weise wollen die Hafenbetreibergesellschaften verhindern, dass ohnehin knappe Containerkapazitäten nicht noch weiter schrumpfen.
Die Europäische Union soll Schiffen aus Russland zudem bereits mit einem Einlaufverbot in hiesige Häfen gedroht haben, so die Tagesschau. Allerdings gilt dies – anders als im Luftverkehr – noch nicht. Die Reedereien reagieren daher somit derzeit auf eigene Faust. „Die EU kann nicht beschließen, dass Häfen nicht angefahren werden“, erklärte ein Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR), dies müssten also die EU-Mitgliedsstaaten beschließen. Großbritannien hat bereits entsprechende Verbote für russische Schiffe erlassen.
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