Messung der Praxistauglichkeit durch CUELA
Ziel der Analyse war es, einen realistischen Vergleich der Belastungen des Muskel-Skelett-Systems der Kommissionierer zwischen der heute üblichen Kollikommissionierung in einem Warenverteilzentrum nach dem Person-zur-Ware-Prinzip und den neu entwickelten Arbeitsplätzen von SSI Schäfer nach dem Ware-zur-Person-Konzept zu erhalten. Für diese Ermittlung wurde die vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) entwickelte „Computerunterstützte Erfassung und Langzeitanalyse von Belastungen des Muskelskelettsystems“, kurz CUELA, als Verfahren angewendet und die Dauerbelastung am Arbeitsplatz ermittelt und zertifiziert. Für die Ermittlung der Daten trug der Test-Mitarbeiter einen speziellen sensorischen Anzug, der sämtliche Bewegungen und somit einwirkende Belastungen messen konnte.
Durch diesen praxisnahen Vergleichstest und die anschließenden wissenschaftlichen Untersuchungen konnte belegt werden, dass die Arbeitsplätze von SSI Schäfer sogar die Anforderungen berufsgenossenschaftlicher Verbände übertreffen. So heißt es im offiziellen Gutachten des BGHW: „Bei der manuellen Kommissionierung am Palettierarbeitsplatz nach dem OWAS-Verfahren sind 98 % der eingenommenen Körperhaltungen der Maßnahmeklasse 1 zuzuordnen.
Damit ist dieser Anteil als „nicht belastend“ einzustufen. Vor allem durch die deutliche Reduzierung der Oberkörpervorneigungen wird bei der manuellen Kommissionierung am Palettierarbeitsplatz eine Verbesserung der Körperhaltung gegenüber der üblichen Kommissionierung erreicht.“ Ralf Schick, Leiter des Sachgebietes Physische Belastungen im Fachbereich Handel und Warenlogistik der BGHW in Mannheim, ergänzt: „Deutlich belastende sowie deutlich schwer belastende Körperhaltungen kommen bei der manuellen Kommissionierung von SSI Schäfer am Palettierarbeitsplatz nicht mehr vor“.
Bereits die intelligente Kombination von Automation und manueller Flexibilität erzielt bei den Kommissionierstrategien somit eine erhebliche Optimierung. Generell muss darauf geachtet werden, eine rationale sowie kunden- und prozessindividuelle Lösung zu erreichen. „Die Zielsetzung sollte dabei sein, den Automatisierungsgrad kundenspezifisch zu individualisieren und den sich verändernden Auftrags- und Artikelspektren und deren physikalische Eigenschaften in diesem Segment gerecht zu werden“, so Oy.
SSI Schäfer realisiert mit dieser innovativen Arbeitsplatzlösung eine deutliche Steigerung hinsichtlich der Aspekte Humanität, Gesunderhaltung, Mitarbeiterzufriedenheit, Wirtschaftlichkeit und Arbeitssicherheit. Das Konzept ermöglicht darüber hinaus die aktuell im Handelssegment stark nachgefragte Kommissionierung filialgerechter Mischpaletten (store friendly). Der Kommissionierer erzielt mit diesem Konzept eine konstante Leistung am Arbeitsplatz, Fehlerraten nahe Null, eine erhöhte Produktivität, Lieferqualität und Packdichte. Darüber hinaus profitieren Kommissionierer von einer sehr kurzen Einarbeitungszeit.

Der Pick-to-Tote-Arbeitsplatz ermöglicht eine effiziente, ergonomische und fehlerfreie Kommissionierung (Quelle: © SSI Schäfer)
Der ergonomisch optimierte Pick-to-Tote-Arbeitsplatz von SSI Schäfer gestaltet die Ware-zur-Person-Kommissionierung ebenfalls höchst effizient. Durch eine klare Bedienerführung und Lichtgitterüberwachung der Zielstellen wird höchste Kommissionierqualität gewährleistet. Optionale Funktionen beinhalten Anwendungen für eine effiziente Lagerverdichtung und Inventur, Fehlerquoten werden gegen 0 minimiert. Der Arbeitsplatz ermöglicht Mitarbeitern eine Leistung von bis zu 1.000 Picks pro Stunde. Dass mit diesen Arbeitsplatzsystemen sogar eine erfolgreiche Integration behinderter Menschen in die Arbeitswelt möglich wird, zeigt das Anwenderbeispiel der führenden US-amerikanischen Drogeriekette Walgreens.
Denn trotz unserer fortschrittlichen und aufgeklärten Gesellschaft haben es behinderte Menschen noch immer schwer, ihren Platz darin einzunehmen und einen Job zu finden.
Walgreens, ein Projekt mit Vorbildcharakter: Ein Drittel der Belegschaft in zwei Distributionszentren besteht aus Arbeitnehmern mit Handicap.
Neben Drogerieartikeln gehören Medikamente, Fotoservice sowie Food- und Non-Food-Produkte zum Sortiment des Marktführers Walgreens. Das Unternehmen unterhält in den Vereinigten Staaten ca. 7.500 Filialen und beschäftigt insgesamt rund 240.000 Mitarbeiter, von denen etwa 10.000 in zwanzig Distributionszentren arbeiten.

Mit den letzten beiden von dem Intralogistikspezialisten SSI Schäfer realisierten Projekten in Anderson (South Carolina) und Windsor (Connecticut) hat Walgreens ein Experiment gewagt und eine neue Generation von Distributionszentren entstehen lassen. Ausgestattet mit flexibel einstellbaren, benutzerfreundlichen Arbeitsplätzen, können hier behinderte wie nichtbehinderte Menschen in der Kommissionierung zusammen arbeiten. Damit hat Walgreens seine Position als Marktführer genutzt, um die Arbeitswelt ein Stück weit zu verändern.
Trotz der sozialen Leistung, Jobs für Menschen mit Handicap bereitzustellen, unterliegt Walgreens selbstverständlich auch ökonomischen Anforderungen. Als börsennotiertes Unternehmen muss es sich und seine Maßnahmen den Anteilseignern gegenüber verantworten.
Zum Start der Distributionszentren wurde festgelegt, jeden dritten Arbeitsplatz durch Menschen mit Behinderung zu besetzen. Diese revolutionäre Idee, die innerhalb des Unternehmens Walgreens besser als „die Initiative” bekannt ist, stammt von Randy Lewis, Senior Vice President Supply Chain & Logistics.
So arbeiten hier seit 2007 beispielsweise Menschen mit geistiger Behinderung, Taubstumme, Menschen mit Down-Syndrom, Autisten, etc. Wer bei Walgreens anfängt, muss zunächst an einer Schulung teilnehmen, um den Umgang mit Menschen zu lernen, die anders sind als man selbst.
Gleichheit gehört zum Kern der Einstellungspolitik von Walgreens
Viele der behinderten Mitarbeiter arbeiten Vollzeit, erledigen die gleichen Aufgaben wie Nichtbehinderte und erhalten somit auch gleiches Gehalt. „Als wir mit dem Zentrum starteten, war alles neu. Das Gebäude, die Automation, die Software, die Mitarbeiter selbst. Jeder musste lernen, da gab es keinen Unterschied“, erklärt Lewis. Erstaunlich: Mittlerweile hat sich der Standort Anderson zum produktivsten Distributionszentrum innerhalb der Walgreens-Kette entwickelt.
Bei Walgreens bleiben Menschen mit Handicap nicht länger unsichtbar. Sie werden akzeptiert, sie freuen sich über den Job und arbeiten sehr engagiert. „Am meisten überraschte uns jedoch die starke Wirkung auf die nichtbehinderten Mitarbeiter“, resümiert Lewis.
„Wenn man das Gebäude betritt, spürt man sofort einen Zweck, eine Bedeutung und eine Aufgabe“, beschreibt er die besondere Atmosphäre in Anderson. Jeder ist hilfsbereit und macht sich nützlich, wo es nur geht. Zur besseren Orientierung der Mitarbeiter sind die Arbeitsplätze nicht bloß nummeriert, sondern zusätzlich auch mit speziellen Grafiken (z.B. Erdbeeren) beschildert. Solche Maßnahmen kosten weniger als 25 US-Dollar pro Mitarbeiter.
Das Ergebnis der Initiative: „Menschen mit Behinderung verursachen weniger Arbeitsunfälle, weniger Abwesenheiten und weniger Personalwechsel als nichtbehinderte Mitarbeiter“, so Lewis. Auch in den restlichen Distributionszentren von Walgreens wurde die Behindertenquote deutlich erhöht. Andere Unternehmen folgen dieser Vision bereits oder setzen ähnliche Konzepte mit sozialem Charakter um.
Kommentar schreiben