Wie Chinas Logistik-Offensive den Markt verändert

Veröffentlicht: 12.09.2025
imgAktualisierung: 12.09.2025
Geschrieben von: Ricarda Eichler
Lesezeit: ca. 2 Min.
12.09.2025
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Große Lagerhallen umgeben von grünen Wiesen.
j.dudzinski / Depositphotos.com
Chinas E-Commerce-Riesen setzen immer mehr auf Lager in Europa – mit Folgen für die hiesige Logistik.


Infolge geopolitischer Ereignisse baut China seine Geschäfte in Europa weiter aus. Das hat nicht nur Folgen für den Wettbewerb, sondern auch für den Immobilien- und Arbeitsmarkt. Laut einer aktuellen Bloomberg Analyse mieteten chinesische Unternehmen dabei allein in Großbritannien mehr als 200.000 Quadratmeter Lagerflächen an, wie Transport Topics berichtet. Auch Polen und Deutschland sind beliebte Standorte.

Massiver Mietanstieg in Großbritannien

In Großbritannien scheint der Boom derzeit am stärksten. Das begründet sich wahrscheinlich im alternativen regulatorischen Rahmen, den das Land nach seinem Rückzug aus der EU bietet. Anbieter wie Joybuy von JD.com oder auch TikTok Shop konnten hier deutlich eher Fuß fassen als auf dem Festland. Das bekommt auch der Immobilienmarkt zu spüren.

Allein JD.com besitzt mittlerweile mehr als 80.000 Quadratmeter Lagerfläche auf der Insel, welche sich über die Standorte Milton Keynes, Dunstable, Coventry und Preston verteilen. Glaubt man Grant Lonsdale von der Analysefirma CoStar, könnte 2025 als das Jahr mit der höchsten Anzahl an Lagerakquisitionen durch chinesische Unternehmen in die Geschichte Großbritanniens eingehen.

Lieferanstiege bis 120 Prozent

Auch innerhalb der EU entstehen immer mehr lokale Distributionszentren. Polen zeigt sich besonders beliebt bei Shein und Alibaba. Letzteres betreibt mit seinem Logistikarm Cainiao mittlerweile drei Standorte im Land. Nach einem Bericht des Portals China-CEEC wuchsen Cainiaos Lieferungen aus Polen 2024 um mehr als 120 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In Deutschland ließ sich derweil Temu nieder. Das Unternehmen betreibt einen Standort in Frankfurt, der aber wohl eher als Umschlagplatz für Lieferungen aus China dient. Der Marktplatz versucht sich hierzulande stärker mit lokalen Händler:innen zu positionieren, um Probleme um die eigene Logistik zu umgehen.

Das Investment- und Entwicklungsunternehmen GLP gab gegenüber Transport Topics an, eine deutlich stärkere Nachfrage aus China wahrzunehmen. So vermietete man allein innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als 400.000 Quadratmeter Lagerflächen in Großbritannien, Deutschland, Polen, aber auch Italien an chinesische Unternehmen.

Darum zieht es chinesische Unternehmen nach Europa

Die Gründe für den Boom sind vielfältig: Chinas Binnenwirtschaft zeigt beispielsweise klare Ermüdungserscheinungen. Das Wachstum schwächelt, der Konsum stagniert, und die Immobilienkrise belastet Unternehmen wie Verbraucher:innen. Parallel dazu verschärfen geopolitische Spannungen den Druck. Die aktuellen Zollstreitigkeiten mit den USA sind dabei nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Auch Störungen wie die Blockade des Suezkanals haben chinesischen Plattformen gezeigt, dass lange Lieferketten schlicht ein erhöhtes Risiko bergen.

Die Antwort: Expansion nach Europa. Indem Unternehmen wie Shein, Temu oder JD.com ihre Lager direkt in EU-Ländern oder Großbritannien betreiben, sichern sie sich kürzere Transportwege, stabilere Versorgung – und vor allem einen direkteren Zugang zu europäischen Konsument:innen.

Für europäische Unternehmen bleibt der Wandel nicht ohne Folge. Abgesehen von der verstärkten Konkurrenz treiben die Ansiedlungen letztlich auch die Preise für Lagerflächen in die Höhe und erhöhen die Nachfrage nach Logistikpersonal.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 12.09.2025
img Letzte Aktualisierung: 12.09.2025
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Ricarda Eichler

Ricarda Eichler

Ricarda berichtet über digitale Themen und spricht in Interviews und Podcasts mit spannenden Stimmen aus der Branche.

KOMMENTARE
1 Kommentare
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cf
15.09.2025

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Im Umkehrschluss können die "Billigplattformen" dann aber aufgrund der hohen Immobilienpreise nicht mehr so billig anbieten... Alles hat seinen Preis :-)