„Mit dem richtigen System verhalten sich Menschen ökologisch“
Logistik Watchblog: Herr Ludwig, wie würden Sie Deliveryport beschreiben? Und wie kamen Sie auf die Idee?
Henning Ludwig: Deliveryport ist eine Hardware- und Softwareplattform zum Empfangen und Versenden von Güter- und Postsendungen. Deliveryport kann zum wichtigsten Infrastruktur-Element einer modernen Online-Konsumgesellschaft werden. Ich bin verzweifelt über mein eigenes nicht-ökologisches Konsumverhalten und habe überlegt, welche Infrastruktur vorhanden sein müsste, damit bequeme und alltagstaugliche Mehrweg-Liefer-und-Abhol-Systeme etabliert werden könnten.
,Komfortabler Konsum und Umweltschutz passen zusammen‘, sagen Sie in Ihrer Pressemitteilung zum Projekt. Mit welchen Neuerungen will Deliveryport konkret dazu beitragen?
Die meisten Menschen haben kein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Wenn diesen Menschen jedoch als normaler Standard ein bequemes Mehrweg-Liefer-und-Abhol-System angeboten wird (das wird durch Deliveryport möglich), dann verhalten sich auch Menschen ohne ausgeprägtes Umweltbewusstsein ökologisch – ohne das bewusst zu wollen.
DHL hatte Paketkästen an Privathaushalten getestet, stellte im Februar fest, dass der Bedarf jedoch nicht gegeben sei (und, wie jüngst bekannt wurde, schränkte das Projekt aktuell noch massiver ein). Inwiefern könnte sich Deliveryport etablieren? Was ist bei Deliveryport ggf. anders, als bei den DHL-Kästen?
Das Besondere an Deliveryport, auch im Vergleich zu den DHL-Paketkästen, ist zum einen die breite Anwendbarkeit und die sich daraus ergebende hohe Anzahl an Problemlösungen. Zudem sind wir der Ansicht, dass Infrastruktur-Elemente für den Online-Handel, z. B. die besagten DHL-Paketkästen, auf keine breite Akzeptanz bei anderen Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüterlogistik stoßen, wenn sie von einem oder mehreren bestimmten Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüterlogistik entwickelt und betrieben werden. Hingegen glauben wir an eine breite Akzeptanz einer offenen Plattform ohne rechtliche und/oder finanzielle Verstrickungen mit Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüterlogistik.
Haben Sie schon einen Prototypen für die Box entwickelt?
Nein, weil allein dies schon sehr kapitalintensiv ist. Wir benötigen hierfür einen Investor.
Neben der Hardware wollen Sie zusätzlich auch eine Software anbieten. Inwiefern soll diese unterstützend wirken?
Zum Betreiben und Koordinieren der Hardware-Komponenten muss eine Betriebssystem-Software entwickelt werden. Die Betriebssystem-Software muss über Schnittstellen zu den Anwendungsprogrammen kooperierender Unternehmen verfügen, damit Deliveryport in deren Liefer- und Abholvorgänge einbezogen werden kann. Wenn diese Schnittstellen konzipiert und eingerichtet sind, können auch neue kooperierende Unternehmen leicht angebunden werden.
Was soll die Bereitstellung des Deliveryport kosten? Und wer würde die Kosten tragen?
Die Modelle ,Classic‘ und ,Free‘ werden zum Selbstkostenpreis von ca. 1.500–2.000 Euro verkauft. Zudem zahlen Kunden eine zum Selbstkostenpreis kalkulierte Servicegebühr für Wartung, Instandhaltung und Versicherung, z. B. 20 Euro im Monat. Gewinne werden durch Transaktionsgebühren erzielt, die Unternehmen zahlen, welche Deliveryport in Liefervorgänge einbinden.
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