Die AI-Overviews – zu Deutsch: Übersichten mit KI – bringen Google in Erklärungsnot. Was bei den Nutzer:innen gut ankommt, bringt Webseitenbetreiber zur Weißglut. Die Überblicke lassen Klickraten einbrechen und das ist gerade für solche Unternehmen gefährlich, die enorm vom Traffic über Google abhängig sind. Die Links in den Google-Suchergebnissen seien „die letzte positive Eigenschaft“ der Suchmaschine, „die den Herausgebern Traffic und Umsatz bescherte“, sagt Danielle Coffey, Präsidentin der News/Media Alliance (NMA), die Google in einer Mitteilung heftig kritisiert.

Für noch mehr Ungemach könnte der AI Mode sorgen. Die Funktion, die Google derzeit testet, lässt die Nutzerschaft mit Google kommunizieren wie mit einem Chatbot – orientiert sich also an der KI-Konkurrenz wie ChatGPT und Co. Google setzt vollends auf KI, was dafür sorgen dürfte, dass noch weniger Klicks generiert werden. Warum sollte man klicken, wenn man alle Informationen im Gespräch mit der KI sammelt?

„Definition von Diebstahl“

Noch mehr als an den AI Overviews entlädt sich die Wut folglich am neuen KI-Modus. Coffey geht Google dafür scharf an: „Jetzt nimmt Google einfach gewaltsam Inhalte und nutzt sie ohne Gegenleistung – die Definition von Diebstahl.“ Die Kritik der NMA kommt nicht von ungefähr. Mit Inhalten von Webseiten, Verlagen, Nachrichtenseiten, Ratgebern – kurzum: mit allem, was Google für das Training seiner KI nutzen kann – generiert Google Antworten. Eine Vergütung bekommen die jeweiligen Quellen dafür nicht.

Eine effiziente Opt-out-Möglichkeit gibt es ebenfalls nicht, wie 9to5Google anmerkt. Zwar kann man eigene Inhalte aus dem Training von KI-Modellen herausnehmen, dann taucht man allerdings gar nicht mehr in den Suchergebnissen auf. Gerade für kleine Anbieter ist das keine valide Option.

Google gibt sich schmallippig

Die fehlende Opt-out-Option sorgt für zusätzlichen Wirbel. Geleakte Dokumente enthüllen demnach, dass Google mehrere Optionen für Inhalteanbieter prüfte, sich von den AI Overviews abzumelden. Von keinerlei Änderungen an den Publisher-Kontrollen bis hin zu einer expliziten Trennung zwischen den KI-Tools von Google und dem Rest der Suche sei einiges im Gespräch gewesen. Die strikte Trennung nannte man intern aber „harte rote Linie“. Wirklich in Betracht wurde das also nicht gezogen.

Google spielt das geleakte Dokument herunter. Gegenüber Bloomberg erklärte der Konzern: „Bei diesem Dokument handelt es sich um eine frühe Liste von Optionen in einem sich entwickelnden Bereich, die weder die Machbarkeit noch tatsächliche Entscheidungen widerspiegelt.“ Klar ist: Google wird noch enorme Überzeugungsarbeit leisten müssen, um seine KI-Strategie nicht nur vor den Nutzer:innen, sondern besonders vor denen, die die Inhalte für Google produzieren, zu rechtfertigen.

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