Vor kurzem hat Amazon seine Werbeaktivitäten bei Google Shopping eingestellt. In den meisten Märkten, mit Ausnahme der USA, wurde diese Pause nach einem knappen Monat wieder beendet. Doch für die Branche war der Amazons Rückzug ein Weckruf: Für einige Wochen wurde deutlich, welche Folgen es hat, wenn ein dominanter Player wegbricht. Klickpreise veränderten sich, kleinere Händler gewannen Sichtbarkeit – und merkten zugleich, wie sehr ihre Reichweite von den großen Werbetreibenden abhängt.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) bleibt die zentrale Frage: Wie lässt sich die Sichtbarkeit für den eigenen Online-Shop unabhängig und nachhaltig aufbauen? Genau das erläutert Uli Zimmermann, Gründer und Geschäftsführer der Münchener Performance-Agentur eMinded, im Interview mit OnlinehändlerNews.

Abhängigkeit vermeiden: Das lernen wir aus dem Amazon-Test

OnlinehändlerNews: Amazon zog sich aus den Google Shopping Ads zurück und die Google Rankings spielten verrückt. Was hatte es damit auf sich und warum sollten gerade kleinere Händler:innen jetzt aktiv werden?

Der Rückzug von Amazon aus Google Shopping war für kleinere Händler ein echter Weckruf, endlich eigene Kampagnenstrukturen aufzubauen. Sie können sich damit unabhängig machen und mehr direkten Traffic über den eigenen Webshop erwirtschaften. Im E-Commerce ist es immer sinnvoll, nicht von einem großen Player abhängig zu sein.

Das bietet den enormen Vorteil, dass sich die Kund:innen beim Erwerb nicht mehr an Amazon, sondern an den tatsächlichen Händler binden – ein direkter Kontakt entsteht und wirkt sich positiv auf das Vertrauen aus. Für Händler besteht aber auch die Herausforderung, die Umsätze nun zu gleichen Konditionen über die eigenen Anzeigen zu generieren.

Welche Chancen boten sich für KMUs durch Amazons kurzzeitigen Rückzug?

Zunächst wurden die Klicks bei Google Shopping vermutlich billiger, weil ein dominanter Mitbieter wegfiel. So etwas verschafft kleineren Händlern kurzfristig bessere Bedingungen.

Aber Vorsicht: Andere große Händler, wie Temu, ziehen dann ebenfalls nach und treiben die Preise wieder nach oben. Wer in so einer Situation nicht schnell reagiert und seine Position festigt, verpasst möglicherweise das Zeitfenster, in dem die Konkurrenz noch überschaubar ist. Die Schwierigkeit in so einem Moment ist es also, sich zu positionieren, bevor der Wettbewerb wieder intensiver wird.

Diese Fehler sollte man vermeiden

Viele KMUs arbeiten mit begrenzten Budgets und Ressourcen. Was sind die drei wichtigsten Sofortmaßnahmen, mit denen Händler ihr Ranking bei Google positiv beeinflussen können?

KMUs, die bereits im klassischen SEO gut aufgestellt sind und ihre Produktfeeds optimiert haben, bringen auch die besten Voraussetzungen für ein Ranking in den Google AI Overviews mit. Zur klassischen SEO-Arbeit zählt hier neben der technischen Basis vor allem die Maschinenlesbarkeit der Inhalte sowie deren konversationelle Optimierung.

Hier können die meisten Shops noch nachlegen: Den Content so aufbereiten, dass die Fragen der potenziellen Kund:innen aufgegriffen und beantwortet werden. Und zwar in prägnanten, in sich abgeschlossenen und faktenbasierten Aussagen. Das ist oft nur eine Frage der Umformulierung bestehender Inhalte.

Zudem hilft alles, was auf die Marke einzahlt: Bewertungen von echten Nutzer:innen, Presseberichte und Zitierungen auf vertrauensvollen Plattformen. Diese Signale verstärken die Autorität und Glaubwürdigkeit – Faktoren, die KI-Systeme bei der Auswahl ihrer Quellen stark gewichten.

Welche Rolle spielen Produktdatenqualität und Datenfeeds heute – und was sind typische Fehler, die Händler:innen mit einfachen Mitteln vermeiden könnten?

Produktdaten sind das Fundament für Shopping-Erfolg – ohne saubere, vollständige Feeds können weder Google Shopping noch KI-Systeme wie die AI Overviews die Produkte richtig verstehen und ausspielen. Zu den häufigsten Fehlern zählen:

  • Titles sind nicht Keyword-optimiert – die für Nutzer:innen wichtigsten Key Facts fehlen einfach.
  • Wichtige Attribute wie Farben werden weggelassen. Grundsätzlich gilt: je mehr Attribute, desto besser.
  • Angebote und Sales werden nicht über die Feeds kommuniziert.

Das sind alles Punkte, die sich mit überschaubarem Aufwand beheben lassen, aber enormen Einfluss auf die Performance haben.

Google Shopping Ads bleiben unverzichtbar

Welche Faktoren außer Preis und Produktdaten wirken sich auf die Sichtbarkeit in Googles KI-Übersicht und Google Shopping am stärksten aus?

Bei Google Shopping helfen Kundenbewertungen, aber der stärkste Hebel bleibt das Gebot. Wer bereit ist, mehr zu zahlen, wird sichtbarer – so einfach ist das. Auf die Sichtbarkeit der Händler in den AI Overviews von Google hat das Gebot allerdings keine Auswirkungen. Wer seine Sichtbarkeit in den AI Overviews verbessern möchte, sollte ordentliche SEO machen, und auf eine gute organische Reichweite hinarbeiten.

Bleibt Google Shopping trotz des verstärkten Fokus auf die KI-Suche weiterhin unverzichtbar? Warum genau, und wie lassen sich Shopping-Kampagnen sinnvoll mit SEO/SEA-Strategien verzahnen?

Shopping ist bereits ein integraler Teil der SEA-Strategie, von daher schon verzahnt. In Hinblick auf Googles AI Overviews reduzieren sich die organischen Klicks – diese gilt es auszugleichen. Google Ads sind ein probates Mittel, um diesem Trend entgegenzuwirken. Google Shopping ist für E-Commerce die beste Option, denn durch die gezielte Ausspielung auf Basis der Daten und des Suchverhaltens sind die Conversion Rates vergleichsweise hoch. Das macht Shopping trotz steigender Kosten wirtschaftlich sinnvoll.

KI-Suche ist nicht der Feind

Viele Händler fürchten, dass KI-Suchergebnisse ihre Marken und Produkte weniger sichtbar machen. Was entgegnen Sie dieser Sorge – und wie können Händler aktiv gegensteuern?

Diese Sorge ist im transaktionalen Bereich größtenteils unbegründet. Wenn ich konkret nach einem Produkt suche, will ich das Produkt und keine KI-Zusammenfassung dazu. Deshalb werden dort aktuell nur wenige KI-Suchergebnisse ausgespielt. Gleichzeitig sehen wir erste Bilder aus den USA, bei denen innerhalb der AI Overviews Shopping-Anzeigen ausgespielt werden. Diese zieht die KI aus derselben Quelle wie die Produkte bislang: den Feeds.

Auch wenn die Anzahl der Klicks durch die AI Overviews wahrscheinlich auch im Shopping-Bereich geringer werden wird, gehen wir davon aus, dass die Klicks deutlich vorqualifizierter sind und die Conversion Rate steigen wird. Das heißt: weniger Traffic, der aber deutlich wertiger sein wird. Von daher sehe ich hier sogar zusätzliches Potenzial für Händler – vorausgesetzt, sie bereiten sich jetzt darauf vor und optimieren ihre Produktfeeds entsprechend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über Uli Zimmermann

Uli Zimmermann / eMinded Uli Zimmermann ist Gründer und Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur eMinded. Mit seinem Team aus Experten hilft er seinen Kunden, mit Performance erfolgreich zu wachsen. Dabei orchestriert eMinded die gesamte Bandbreite der relevanten Kanäle von Google und Social Ads bis hin zu SEO und versteht sich nicht nur als Performance-Profi, sondern zudem als Berater und Businesspartner mit der Erfahrung aus über 300 Kundenbeziehungen.

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