Die organische Sichtbarkeit der umsatzstärksten deutschen Online-Shops ist im Jahresvergleich um 16,7 Prozent gesunken – nach Jahren stetigen Wachstums der erste spürbare Einbruch. Das zeigt die zweite Ausgabe der Studie „KI & SEO im deutschen E-Commerce 2026“, für die Sistrix gemeinsam mit Leap rund 2.500 Domains ausgewertet hat, die zusammen für über 90 Prozent des deutschen Online-Warenumsatzes stehen.
KI übernimmt die Recherche, nicht den Kauf
Ausschlaggebend ist demnach vor allem eine Verschiebung bei informationalen Suchanfragen: Bei fast 70 Prozent dieser Suchen erscheint inzwischen ein AI Overview, bei Suchen mit klarer Kaufabsicht dagegen nur bei 0,2 Prozent. Die generative Suche setzt also vor allem in der Recherche- und Vergleichsphase an. Wer dort nicht auftaucht, fehlt möglicherweise später bei der Kaufentscheidung, ohne dass sich das sofort im Umsatz zeigt.
Gleichzeitig wächst die Lücke zwischen Betroffenheit und eigener Sichtbarkeit: Während sich die Ausspielung von AI Overviews binnen eines Jahres von 4,3 auf 14,2 Prozent der untersuchten Keywords verdreifacht hat, stieg die tatsächliche Nennung der eigenen Domain als Quelle nur leicht von 2,3 auf 5,3 Prozent.
Starke Sichtbarkeit als Voraussetzung für KI-Zitate
Die Studie findet einen klaren Zusammenhang zwischen klassischer Sichtbarkeit und Nennung in KI-Antworten: Die Rangkorrelation liegt bei 0,66. Auf das sichtbarkeitsstärkste Fünftel der untersuchten Shops entfallen rund 72 Prozent aller KI-Zitierungen, auf das schwächste Fünftel nur etwa ein Prozent. Ein gutes organisches Ranking wirkt damit eher wie eine Eintrittskarte in den Kreis möglicher KI-Quellen als wie ein separates Ziel.
Unterschiede zeigen sich zwischen den Systemen: Google AI Overviews und AI Mode zitieren Shops nahezu identisch, ChatGPT dagegen stimmt mit den Google-Systemen nur zu 45 bis 49 Prozent überein. Wer bei Google als Quelle genannt wird, taucht also nicht automatisch auch bei ChatGPT auf.
A/B-Tests für die KI-Suche
Aus den Daten leiten die Studienautoren mehrere praktische Konsequenzen ab: Klassisches SEO bleibe die Grundlage, da nur sichtbarkeitsstarke Domains überhaupt als KI-Quelle infrage kommen. Informationale Inhalte wie Ratgeber und Vergleiche sollten stärker auf Zitierfähigkeit ausgerichtet werden, auch wenn der Klick ausbleibt. Da die Kaufsuche bislang fast ausschließlich klassisch verläuft, lohnt es sich zudem, gehaltene Positionen dort gezielt zu verteidigen. Nach Angaben der Studienautoren setzt zudem ein Großteil der untersuchten Shops – rund 76 Prozent – kein A/B-Testing-Tool ein, obwohl der organische Kanal aktuell besonders unter Druck steht.
Grundlage der Auswertung sind laut Sistrix und Leap rund 2.496 Domains aus dem EHI-Ranking der umsatzstärksten deutschen B2C-Onlineshops sowie mehr als eine Million Datenpunkte aus drei unabhängigen Quellen.
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Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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