Google hat am Dienstag Änderungen an seinen Suchergebnissen in Europa eingeführt, um Vorgaben der EU-Wettbewerbsbehörden zu erfüllen. Nach eigenen Angaben handelt es sich um den größten Eingriff in die Qualität des Suchdienstes in dessen fast 29-jähriger Geschichte. Das Unternehmen äußerte deutliche Kritik an den neuen Regeln, betonte aber, sie umzusetzen, um dem Digital Markets Act (DMA) nachzukommen.
Konkurrenz-Portale sollen gestärkt werden
Die überarbeiteten Suchergebnisse zeigen künftig ein spezialisiertes Vergleichsportal prominent oben auf der Seite, gefolgt von zwei weiteren mit weniger Details. Darunter erscheint eine Übersicht von Hotels, Fluggesellschaften und Restaurants – allerdings ohne Echtzeit-Preise. Die Reihenfolge bestimmt weiterhin Googles Algorithmus. Nach Unternehmensangaben profitieren von diesen Änderungen vor allem Preisvergleichsportale (auch Vertical Search Services genannt) aus Branchen wie Hotellerie, Flugreisen oder Gastronomie – etwa Anbieter wie Expedia oder Booking.com. Unternehmen, die bislang nur mit Link, Telefonnummer und Adresse gelistet waren, sollen dadurch stärker in den Hintergrund rücken, so Reuters.
Laut Google hätten frühere DMA-Anpassungen bereits zu einem Rückgang der kostenlosen Direktbuchungen bei europäischen Unternehmen um 30 Prozent geführt. Die neuen Änderungen dürften diesen Effekt nach Angaben des Konzerns weiter verstärken. Google verweist zudem auf eigene Tests mit Millionen Nutzer:innen in Europa, laut denen viele Suchanfragen mehrfach eingeben müssten, um das Gesuchte zu finden.
Nick Fox, bei Google zuständig für den Bereich Knowledge & Information, erklärte, die Änderungen würden die Nutzererfahrung in Europa verschlechtern und Vermittlerplattformen auf Kosten lokaler Unternehmen bevorzugen. Nutzer:innen außerhalb der EU sind von den Anpassungen nicht betroffen.
Milliardenstrafen und Streit um Marktmacht
Die Änderungen folgen auf eine Strafe von 460 Millionen Euro, die die EU-Kommission im Juli gegen Google verhängt hatte – wegen Bevorzugung eigener Dienste bei Shopping-, Hotel-, Transport- und Sportergebnissen in der Suche. Die Kommission räumte dem Konzern 60 Tage Zeit ein, um die Vorgaben des DMA umzusetzen, andernfalls drohten Strafzahlungen von bis zu fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Im selben Monat verhängte die EU eine weitere Strafe von 430 Millionen Euro, weil Google App-Entwicklern untersagt hatte, Nutzer:innen kostenlos auf günstigere Angebote außerhalb des Play Store hinzuweisen. Google verweist hier auf bereits im August 2025 vorgenommene Anpassungen seines Programms für externe Angebote, die es Entwicklern erleichtern sollen, Kund:innen auf andere Kanäle zu lenken.
Insgesamt hat Google im fast zwei Jahrzehnte andauernden Konflikt mit EU-Kartellbehörden Strafen von über zehn Milliarden Euro angesammelt. US-Präsident Donald Trump hatte die jüngsten Bußgelder kritisiert und eine Untersuchung der EU-Praxis in Aussicht gestellt.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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