Digitale Souveränität ist für viele Unternehmen inzwischen Chefsache. Das zeigt eine aktuelle Studie des Capgemini Research Institute, für die weltweit 1.300 Entscheider aus Wirtschaft und Technologie befragt wurden. Der Report macht deutlich, dass die meisten Organisationen nicht auf vollständige technologische Unabhängigkeit setzen, sondern auf einen pragmatischeren Ansatz: den Schutz kritischer Geschäftsprozesse, die Kontrolle über zentrale digitale Fähigkeiten und die Vermeidung einseitiger Anbieterabhängigkeiten – das gestaltet sich aber schwierig.
Hohe Abhängigkeit von wenigen Technologieanbietern
Cloud-Migration, KI-Einführung und digitale Transformation haben Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren zunehmend von einer kleinen Zahl globaler Technologieanbieter abhängig gemacht. 86 Prozent der untersuchten Organisationen sind erheblichen Abhängigkeiten von ausländischen oder extern kontrollierten Lieferketten ausgesetzt. Für Deutschland fällt der Wert mit 94 Prozent sogar noch höher aus – der höchste unter allen betrachteten Ländern.
Gut vorbereitet auf Störungen sind dabei die wenigsten: Nur 42 Prozent der Organisationen mit jüngsten operativen Störungen verfügen über entsprechende Notfallpläne. Am besten schneiden hier US-Unternehmen ab, während der Anteil in Europa nur bei rund einem Drittel liegt.
Strategische Partnerschaften statt Autonomie
Für die Mehrheit der Befragten bedeutet digitale Souveränität nicht, komplett unabhängig zu werden. Zwei Drittel der Organisationen definieren sie stattdessen als sogenannte „resiliente Interdependenz“ – also gezielte Kontrolle über kritische Technologien kombiniert mit strategischen Partnerschaften. In Europa liegt dieser Anteil mit 75 Prozent deutlich höher als in den USA mit 50 Prozent, wo Unternehmen digitale Souveränität eher als Compliance-Thema betrachten.
Für den deutschen Markt betont Urs Krämer, Chief Sales Officer bei Capgemini in Deutschland: „Unternehmen agieren heute in hochgradig vernetzten Technologieökosystemen. Digitale Souveränität bedeutet daher nicht vollständige Autonomie.“ Wichtiger sei ein klares Verständnis der eigenen Abhängigkeiten, um Risiken gezielt steuern zu können.
Fehlende Transparenz erschwert die Umsetzung
Für Online-Händler:innen und Unternehmen mit stark technologiegetriebenen Geschäftsmodellen dürfte vor allem ein Befund relevant sein: Nur 14 Prozent der Organisationen haben laut Studie vollständige Transparenz über ihre technologischen Abhängigkeiten. Ein Anbieterwechsel bei kritischen Systemen würde bei mehr als einem Drittel der Unternehmen über zwölf Monate dauern, jede zehnte Organisation sieht sich sogar ganz ohne realistische Alternative.
Auch beim Preis zeigt sich Zurückhaltung: Knapp die Hälfte der Befragten wäre grundsätzlich bereit, für mehr digitale Souveränität einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt akzeptieren diese Unternehmen dafür Mehrkosten von 23 Prozent. Für viele bleibt die Herausforderung also, Resilienz aufzubauen, ohne Wettbewerbsfähigkeit und Kosten aus dem Blick zu verlieren.
In Deutschland wird das Thema zunehmend strukturell verankert: 53 Prozent der befragten Unternehmen erwägen laut Studie die Einführung eines Chief Sovereignty Officers, 45 Prozent haben digitale Souveränität bereits als festen Punkt in der Unternehmensführung etabliert.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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